Skills für Ingenieure

Ohne Datenkenntnisse keine Karriere

Wer bei Big Data Bahnhof versteht, wird in einem technischen Beruf schnell an Grenzen stoßen. Was womöglich mehr Ingenieure betrifft, als einem lieb sein kann. Denn unter deutschen Firmendächern scheint die Bedeutung von Datenkompetenz noch nicht recht angekommen zu sein – ganz im Gegensatz zu China. Warum das für den Standort und die eigene Karriere gefährlich werden kann, erklärt James Hodge, Chief Technical Advisor EMEA des Softwareunternehmens Splunk.

Foto: panthermedia.net/everythingposs

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INGENIEUR.de: Dominieren in deutschen Unternehmen Datenskeptiker?

James Hodge: Nein, eigentlich nicht. Denn die deutschen Experten sind sich über den Wert von Daten für den Unternehmenserfolg einig. Aber während Geschäftsführer und IT-Manager erkennen, wie wichtig Daten für ihren Erfolg sind, sagen viele, dass „data-driven“ immer noch eine leere Floskel in ihren Unternehmen ist. In unserer aktuellen Umfrage geben 91 Prozent der chinesischen Befragten an, dass sie Datenkenntnisse brauchen, um befördert zu werden, laut 92 Prozent sind Datenkenntnisse sogar notwendig, um eine Führungsposition zu erlangen. Ihre deutschen Kollegen hingegen scheinen sich weniger um den Stellenwert von Datenkenntnissen für ihre Karriere zu sorgen: Nur zwischen 60 und 80 Prozent stimmen diesen Aussagen zu.

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Woher rührt diese Fehleinschätzung?

Die Innovationsgeschwindigkeit im Bereich Big Data ist gewaltig: Angetrieben wird sie weitgehend durch Fortschritte in der Rechenleistung und der Entwicklung flexibler Software, die in der Lage ist, digitale Nebenprodukte zu analysieren. Es ist eine Herausforderung, mit diesem Tempo Schritt zu halten. Die Umfrage zeigt, dass es eine Diskrepanz in den Köpfen gibt: Einerseits erkennen Mitarbeiter in deutschen Unternehmen an, dass Datenkenntnisse unverzichtbar sind – auf der anderen Seite aber hält sich die Begeisterung, sich selbst Fähigkeit in diesem Bereich anzueignen, in Grenzen. Viele Befragte sehen dies vielleicht als eine Herausforderung, die die nächste Generation von Managern lösen soll…

… was reichlich spät wäre! Könnte derweil Künstliche Intelligenz mangelnde Datenkompetenz beim Personal ausbügeln?

Dazu ein Blick nach China: 85 Prozent der dort Befragten geben an, dass KI die Kompetenzlücke in der IT-Branche schließen kann. Im internationalen Vergleich setzen sie damit am meisten Vertrauen in die Technologie. Betrachtet man nur den Bereich Payment als Beispiel, so haben 2018 in China mehr als 580 Millionen Menschen mindestens eine mobile Zahlung geleistet, das sind 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Analystenhaus Frost & Sullivan prognostiziert, dass die Anzahl an Nutzern von mobilen Zahlungssystemen in China bis 2023 fast eine Milliarde erreichen wird. Damit ist eine wahre Datenexplosion verbunden – die darin enthaltenen Informationen können sich Unternehmen zunutze machen, wenn sie fähig sind, so ihren Service zu verbessern, um sich vom Wettbewerb abzuheben. In Deutschland ist der Anstieg an Daten bisher nicht so revolutionär und infolgedessen waren datengetriebene Projekte weniger erfolgreich.

Was müsste sich in den Köpfen ändern, damit Deutschland aufholt?

Nur die Hälfte der deutschen Befragten stimmen zu, dass Datenkompetenz für die Jobs der Zukunft wichtig sein wird. Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass die Datenrevolution bereits da ist. Damit Mitarbeiter eines Unternehmens erkennen, wie wichtig Datenkenntnisse für sie und ihr Unternehmen sind beziehungsweise sein werden, müssen die Unternehmen die Daten schon heute innerhalb der gegebenen Möglichkeiten nutzen. Dafür müssen sie das Vertrauen der Kunden gewinnen, dass ihre Daten beim Unternehmen sicher sind. Wird dieses Vertrauen nicht aufgebaut, ist es unwahrscheinlich, dass Menschen die Arbeit mit Daten als wertvolle Fähigkeit ansehen werden. Die Datenschutzgrundverordnung sollte dabei als grundlegender Mechanismus betrachtet werden, um Vertrauen aufzubauen. So entsteht ein Umfeld, in dem mit Daten Innovationen vorangetrieben werden.

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Inwiefern sollte sich die Personalsuche, Ausbildung und das Training on the Job wandeln?

Der Mensch ist der Mittelpunkt eines jeden Unternehmens. In Datenkompetenz zu investieren ist daher entscheidend dafür, dass die Mitarbeiter die Zusammenhänge um sich herum verstehen und aus den ehemals „Dark Data“ (unstrukturierte, bisher wenig genutzte Daten, Red.) dann auch die richtigen Zusammenhänge erkennen. Indem die Mitarbeiter im verantwortungsvollen und ethischen Umgang mit Daten kontinuierlich weitergebildet werden und auf Dark Data zugreifen können, können sie bessere Entscheidungen treffen. Dark Data nutzbar zu machen, ist jedoch nur ein Teil davon, denn es ist genauso wichtig, dass Führungskräfte die Veränderung vorantreiben und dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Welche neuen Kompetenzen rund um Datenanalyse und KI sollten sich Ingenieure aneignen?

Algorithmen ohne Datensätze sind nutzlos und umgekehrt. In der Arbeit mit Daten nimmt momentan das Finden, Verschieben und Verändern von Daten mehr Zeit in Anspruch, als die eigentliche Beschäftigung mit Datensätzen und Algorithmen. Die jedoch ist Basis, um mögliche Maßnahmen zu ergreifen und so das Geschäftsergebnis positiv zu beeinflussen. Da Unternehmen sich der Daten, die sie erzeugen, immer mehr bewusst werden, steigt der Wert von Mitarbeitern, die den Umgang mit Daten beherrschen, also Data Scientists. Fachkräfte und Ingenieure, die die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Arbeit verstehen und mit der rasanten Entwicklung Schritt halten, werden erfolgreich sein, da sie zur Wertschöpfung ihres Unternehmens beitragen können. Davon abgesehen sollten sie auch mit Datenethik und -sicherheit vertraut sein. Stellen sie diese Überlegungen an den Anfang des Denk- und Designprozesses, ist garantiert, dass sie ihre Datenkenntnisse schnell einsetzen können.

James Hodge Porträt

James Hodge spricht über die „German Datenskepsis“.

Foto: privat

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