Umfrage Deloitte

Langfristig im Homeoffice: Die überraschende Wende der Unternehmen

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag deutlich verändert. Homeoffice wurde zur Tagesordnung und viele Unternehmen sahen sich gezwungen, die Digitalisierung voranzutreiben. Das hat jetzt erste Konsequenzen.

Frau vor zwei Bildschirmen

Unternehmen planen langfristig mit Homeoffice-Regelungen.

Foto: panthermedia.net/Lightpoet

Verwaiste Bürokomplexe, deutlich leerere Bahnen und Arbeiten außerhalb der Kernarbeitszeit: Die Corona-Regeln haben den Arbeitsalltag stark verändert. Das soll aber so bleiben, wenn es nach einer Deloitte Umfrage geht. Konzerne wollen durch Homeoffice Kosten senken und Mitarbeiter mobiler arbeiten lassen. Das führt dazu, dass weniger Büroflächen gebraucht werden.

66 % der befragten Finanzvorstände sprechen sich für Remote Working aus. Die Unternehmensberatung Deloitte hatte hier nach den langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie für das Unternehmen gefragt.

„Wir werden unsere Cyberabsicherung aufgrund von erhöhtem Remote Working stark ausbauen“, heißt es seitens der Umfrageteilnehmer.

Auf der einen Seite bedeutet das zwar zunächst Investment, auf der anderen Seite sparen die Firmen. „Wir planen, unsere Büroflächen aufgrund des erhöhten Homeoffice-Angebots in Zukunft zu reduzieren“, gaben 37 % der Befragten an.

Positive Einstellung zu Homeoffice überrascht

In jüngeren Unternehmen, Start-ups oder Agenturen gehören Homeoffice-Tage zum Arbeitsalltag wie die Kaffeeküche. Doch vor der Pandemie sahen viele Unternehmen das mobile Arbeiten noch kritisch. Daher überrascht die positive Einstellung. Erst kürzlich kam eine Studie raus, die besagt, dass Unternehmen die Produktivität ihrer Angestellten im Homeoffice kritisch sehen. Laut der Ifo-Umfrage stellten nur knappe 6 % der Unternehmen eine Steigerung der Produktivität fest. Ein Drittel bemerkte sogar einen Abfall der Arbeitsleistung.

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Ersparnisse wiegen Skepsis auf

Deloitte sieht in der Kostensenkung ein Argument, das die Skepsis gegenüber der Produktivität aufwiegt. Im kommenden Jahr stehen laut den Unternehmensberatern für 71 % der Manager strategische Maßnahmen in diesem Bereich an. Wenn weniger Büroflächen gemietet werden müssen, können Firmen auch mögliche Verluste durch die Pandemie etwas ausgleichen. Wenn investiert wird, dann wollen 61 % für die „Optimierung von Organisation und Geschäftsprozessen“ mehr Geld ausgeben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei „Software, Daten, IT-Netzwerke und Website-Aktivitäten“ (47 %).

Kurzarbeitergeld habe geholfen

Die staatlichen Hilfen wurden von den Finanzvorständen, die hauptsächlich aus den Bereichen Immobilien, Maschinenbau und Autoindustrie stammen, durchwachsen bewertet. Das Kurzarbeitergeld habe ihrem Unternehmen geholfen, sagten 54 %. Die Senkung der Mehrwertsteuer bewerteten lediglich 5 % positiv.

Deloitte befragte insgesamt 100 Vorstände deutscher Großunternehmen im Lauf des Septembers. 62 % erzielten einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro, 36 % über eine Milliarde Euro.

Zum Hintergrund

Covid-19 stellt viele Unternehmen nicht nur vor wirtschaftliche Herausforderungen. Um das Ansteckungsrisiko auf der Arbeit zu minimieren, sind viele Firmen dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Dies erforderte eine schnelle Reaktion der IT-Abteilung und Lösungen für mobiles Arbeiten, zum Beispiel durch die Installation neuer Software, welche die Teilnahme an Videokonferenzen ermöglicht. Weitere Homeoffice-Trends hat Deloitte hier zusammengefasst.

Hubertus Heil rückt vom Recht auf Homeoffice ab

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert vorerst keinen Rechtsanspruch auf Homeoffice mehr. Das sah der Minister lange Zeit aber anders. Er plädierte für 24 Homeoffice-Tage im Jahr, die jedem Arbeitnehmer zustehen. Stattdessen will er jetzt mit der Union einen „modernen Rahmen“ für mobile Arbeit beschließen. Wie dieser aussieht, ist noch unklar.

„Mein Vorschlag ist: Lasst uns jetzt zumindest gemeinsam einen modernen Rahmen für mobile Arbeit beschließen. Es geht mir darum, dass wir weiterkommen“, sagte er.

Im Kern sieht der neue Vorschlag so aus: Der Arbeitnehmer soll das Recht auf ein ernst zu nehmendes Gespräch mit dem Arbeitgeber zum Thema Homeoffice bekommen.

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