Messen

Karriere machen mit Technik

Unter dem Motto „Zukunft & Beruf – wissen wo’s lang geht“ fand am Wochenende zum dritten Mal die Berufemesse im Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) in Paderborn statt. Die Messe im Computermuseum bot einen Überblick über die Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge in der IT- und Medienbranche sowie im Ingenieurwesen.

Trotz der wenig positiven Situation im IT-Bereich fanden 9500 Besucher nach Paderborn. Schlechte Stimmung macht sich gegenwärtig auf dem Ausbildungsmarkt für IT- und Medienberufe breit, der von der grassierenden Krise nicht verschont geblieben ist. Die Zeiten, als noch von einem „ungedeckten Bedarf an IT-Experten“ die Rede war, sind passé. „Die Perspektive“, beschreibt HNF-Geschäftsführer Kurt Beiersdörfer die Situation, „ist heute alles andere als rosig“. Umso wichtiger sei in Zeiten flauer Konjunktur eine qualifizierte Ausbildung. Gegenwärtig werden vor allem Quereinsteiger, die über Fort- und Weiterbildungen auf den IT- und Medienmarkt gelangt sind, wieder entlassen. Hochschulabgänger, so Beiersdörfer, „haben vergleichsweise sehr gute Berufschancen“. Deshalb müsse die Berufswahl „langfristig, konjunktur-unabhängig, ja, antizyklisch“ erfolgen.
Auch die Unternehmen, von denen bundesweit mehr als ein Drittel nicht ausbilden, sind da gefragt. Auf ein grassierendes Strukturproblem machte Roland Matzdorf vom Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen aufmerksam: Während in NRW noch 2001 insgesamt 126 000 Berufsabschlüsse erzielt wurden, waren es im vergangenen Jahr lediglich 115 000. Zugleich steigen aber bis 2007 die Schülerabgangszahlen weiter an und sollen den Prognosen zu Folge bis 2016 auf konstant hohem Niveau verbleiben. Im Segment der IT- und Medienberufe nimmt sich der Einbruch noch dramatischer aus: Um 21,1 % in den IT-Berufen und um 18,6 % im Medienbereich hat sich die Zahl der Abschlüsse im vergangenen Ausbildungshalbjahr reduziert. Dies wird als Konsequenz aus dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und dem Verschwinden vieler dort registrierter Unternehmen gewertet.
So ist es nicht verwunderlich, dass der Ausbildungsstellenmarkt in NRW einen Rückgang von 14,7 % bei den angebotenen Stellen zu verzeichnen hat. Im IT- und Medienbereich ist die Zahl an Ausbildungsstellen um glatte 20 % zurückgegangen.
Der IT-Branchenverband Bitkom dagegen sieht die augenblickliche Situation nicht so düster. Das belegt eine aktuelle Studie des Verbandes zum deutschen Markt. Demnach ist die Talsohle des letztjährigen Minuswachstums von 2 % durchschritten. In absoluten Zahlen stagnieren die Volumina aber seit 2001 bei etwa 134 Mrd. ‹ und die Arbeitsplätze sind von 820 000 im Jahr 2000 auf 784 000 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Vorbei die Zeiten, als Informatikstudenten von Unternehmen aus dem Studium abgeworben wurden. Jetzt stehen sie ohne Abschluss da, inmitten eines Heeres von 60 000 arbeitslosen IT-Spezialisten.
Bitkom-Hauptvorstand Thomas W. Michel leitet aus diesen Zahlen die Forderung nach einer „höheren Attraktivität für naturwissenschaftliche Berufe“ ab. Weit abgeschlagen liege Deutschland mit 693 Absolventen pro 100 000 Erwerbspersonen in naturwissenschaftlich-technischen Fächern hinter Großbritannien (1353) und Frankreich (1434) zurück. Dabei sehen Fachleute besonders in den Bereichen E-Government, Medical Solutions, Security und Mobilkommunikation großen zukünftigen Bedarf. Studieren lohnt sich also wieder, ein Studium abzuschließen allerdings auch: Immer noch weist die Informatik eine grotesk hohe Abbrecherquote zwischen 40 % und 60 % auf. So bemühten sich Hochschulen auf der Berufemesse in Workshops und auf Podiumsdiskussionen, insbesondere auch Frauen für technische Studiengänge zu begeistern.
Den kriselnden Aussichten zum Trotz konnten sich die Veranstalter der dritten Paderborner Berufemesse über mangelnde Resonanz kaum beklagen. Zwar tummelten sich vor zwei Jahren noch doppelt so viele Schüler, Studierende, Auszubildende und Eltern auf den Fluren des Paderborner Computermuseums. Damals aber befand sich der IT-Boom noch auf dem Höhepunkt der öffentlichen Anerkennung. Das sieht heute anders aus. Dessen ungeachtet fanden sich die Jugendlichen bei mehr als 40 Messeständen ein, wo Firmen wie Siemens, Benteler und Deutsche Bahn, aber auch Universitäten und Fachhochschulen sich präsentierten. Die RWTH Aachen war gleich mit einem Truck vorgefahren, in dem sich Interessenten über Angebote in „Science und Technology“ informieren konnten.
Erstmalig waren in Paderborn auch die universitären Ingenieurfächer auf der Berufemesse räumlich integriert. Darin spiegelt sich vor allem das enge Zusammenspiel von Informationstechnologie und Ingenieurwesen wider, für das bereits neue Berufe wie der Mechatroniker entstanden sind. Dieser Verschränkung in der Praxis kommen die Hochschulen nach, indem sie die Entscheidung, ob Informatik oder Ingenieurwesen eingeschlagen werden soll, ins Hauptstudium vertagen. Den allgemeinen Einschätzungen zufolge sehen die Berufsaussichten für Ingenieure in den nächsten zehn Jahren gut aus. Aufklärungsbedarf herrscht hinsichtlich der Arbeitsmarktlage: Viele Schulabgänger sehen sich allein in einem Großunternehmen, dabei arbeitet das Gros der Ingenieure in mittelständischen Betrieben. H. MERSCHMANN

In Workshops und auf Podiumsdiskussionen sollten insbesondere auch Frauen für technische Studiengänge begeistert werden. Insgesamt machten sich 9500 Jugendliche in Paderborn ein Bild von den Chancen im IT- und Ingenieurwesen. Foto: HNF

Ein Beitrag von:

  • Helmut Merschmann

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