Fünf Schritte für mehr Lockerheit

Fehler im Job sind was Feines – wenn man sie für sich zu nutzen weiß

Das Projekt gegen die Wand gefahren? Den Kunden verschreckt? Dusselige Entscheidungen getroffen? Super! Wie Ingenieure Fehler gekonnt für sich nutzen.

Frau sitzt erschrocken vor dem Bildschirm

Fehler macht im Job niemand gern, allerdings sollte man sie auch nicht verteufeln.

Foto: panthermedia.net/stokkete

Perfekt ist gerade gut genug. Schnitzer sind bei uns nicht erlaubt. Hier gilt: Null-Fehler-Toleranz. Sätze, die vielen Ingenieuren bekannt vorkommen dürften. Sie sind so verbreitet wie falsch. Denn: Fehler sind fruchtbar, nicht furchtbar. Nur ist diese Botschaft noch nicht in allen Unternehmen und leider auch in schon im Studium auf Perfektionismus geeichten Köpfen angekommen.

Natürlich muss man differenzieren: In der Medizin, der Luft- und Raumfahrt oder der Konstruktion und Produktion sicherheitsrelevanter Teile ist eine Null-Fehler-Toleranz durchaus wünschenswert. In der Forschung und Entwicklung hingegen wäre ein unbedingtes Streben nach Makellosigkeit gelinge gesagt: unklug. Denn das hemmt das Hirn.

Und selbst dort, wo besser keine Fehler passieren sollten, gibt es sie. „Darum sind gute und klare Prozesse wichtig“, sagt Management- und Persönlichkeitstrainer Jörg Löhr.

„Es gibt nun mal keine Null-Fehler-Menschen! Ein solches Postulat ist darum das falsche Signal“, betont Löhr. „Wer ständig in der Angst lebt, einen Fehler zu machen, schiebt Verantwortung von sich, ist vor allem mit Kontrolle beschäftigt und wird nie neue Wege gehen. Null-Fehler-Toleranz erstickt Innovation im Keim.“

Finde den Fehler – und nutze ihn!

Der Charme von Pannen besteht ja gerade darin, dass sie dazu zwingen, die eigene Denke und das eigene Tun kritisch zu prüfen, die Komfortzone zu verlassen. „Das schärft den Blick für das Wesentliche, hilft uns, Ballast abzuwerfen und neue Wege zu gehen“, unterstreicht Löhr. Was allerdings nur gelingt, wenn mit offenem Blick Fehler analysiert und für die Zukunft daraus gelernt wird: „Statt einer Null-Fehler-Toleranz bringt uns eher ‚Fehlerkompetenz‘ weiter“, meint Löhr. Jeder Ingenieur, der sich bei Rückschlägen selbst kasteit und sich damit auf Dauer lähmt, sollte sich das vor Augen halten, um entspannter zu werden.
Doch wie macht man sich locker?

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Zunächst sollten sich Ingenieure Rückschläge eingestehen, die Situation akzeptieren und nicht wegdiskutieren. Dabei darf es gern auch emotional zugehen. Vor allem sollte grundlegend am Mindset geschliffen werden, hin zu der zentralen Botschaft: Rückschläge sind Fortschritte. Sie sind eine Art Wegweiser zum Bessermachen. Perfektionisten (oder jene, die das postulieren) sollten im Kopf agil werden, indem permanente Verbesserungsschleifen zum Arbeitsstil erhoben werden, was nicht nur entspannter, sondern auch kreativer macht.

In fünf Schritten zu mehr Lockerheit

Jörg Löhr schlägt fünf Schritte vor, wie Ingenieure positiv mit Fehlern, Rückschlägen und Scheitern umgehen sollten, um daraus Nutzen ziehen können:

  1. Analysieren Sie den Fehler, Ihre Situation genau. Wie konnte es dazu kommen? Überlegen Sie sich, welche Erkenntnisse Sie daraus ziehen können. Was sollten Sie ändern? Was können Sie besser machen? Wer kann Ihnen dabei helfen?
  2. Positive Fragen schaffen positive Antworten und ermöglichen positive Entscheidungen und Handlungen.
  3. Legen Sie den Misserfolg zu den Akten, nehmen Sie die Erfahrung mit und richten Sie Ihren Blick in die Zukunft.
  4. Setzen Sie sich selbstbewusst neue Ziele und legen Sie Ihre Strategie fest.
  5. Verfolgen Sie Ihr Ziel konsequent, bleiben Sie dabei aber flexibel. Nicht jeder eingeschlagene Weg bringt Sie Ihrem Erfolg näher. Geduld ist manchmal wichtig, aber halten Sie nicht zu lange an Dingen fest, die keinen Erfolg bringen.

Und noch etwas dürfte Ingenieuren mental helfen: „Heute wird es eher kritisch betrachtet, wenn jemand von sich behauptet, er sei perfektionistisch“, sagt Personalentwicklerin Doris Brenner.

Nicht zuletzt, weil dadurch eher teure Lösungen entstehen, die schlicht „overdone“ sind und schlimmstenfalls vom Kunden nicht honoriert werden. „Außerdem lässt sich nicht alles hundertprozentig perfektionieren, was auch gar nicht sein muss: Oft genügen etwa bei einem Produkt 80 %, zumal die letzten 20 % exorbitant teuer werden“, weiß Brenner. Ingenieure sollten das aushalten können. „Andernfalls setzen sie sich unter einen wahnsinnigen Druck, der nicht selten im Burn-out endet.“

Hilfreich ist zudem, mit Kollegen über Rückschläge und Pannen frank und frei zu sprechen und idealerweise gemeinsam Lösungen zu suchen – und sei es nebenbei in der Kaffeeküche (wohlgemerkt: das stille Kämmerlein ist der falsche Ort!)., „Teamwork kann oft auch gegen Überforderung helfen“, weiß Löhr. Merke: Wer nicht alles selbst macht, muss auch nicht alle Fehler selbst begehen, sondern lernt aus dem Netzwerk.

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Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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