Ratgeber für den Betriebsrat

Neu-Betriebsräte werden sehr oft eingeschüchtert

Beschäftige, die sich im Betriebsrat engagieren, betreten nicht selten Neuland. Häufig wissen sie nicht, worauf sie sich einlassen und welche Pflichten und Rechte sie haben. Wolfgang Kühne und Sören Meyer verfassen Leitfäden für Betriebsräte und richten sich mit ihrer aktuellen Broschüre „Neu im Betriebsrat – Was tun?“ explizit an Anfänger. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Frau steht mit verschränkten Armen vor einem Besprechungstisch

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

ingenieur.de: Viele Berufseinsteiger kommen zum Betriebsrat wie die Jungfrau zum Kinde. Sind sie dann sehr überrascht von dem, was auf sie zukommt?

Wolfgang Kühne: Ja, natürlich. Alle vier Jahre wird der Betriebsrat neu gewählt, und niemand wird mit aller Fachkenntnis geboren. Je nach betrieblicher Situation kann das Wasser, in das man geschubst wird, sehr kalt und tief sein. Dann heißt es, schnell schwimmen zu lernen.

Sören Meyer: Viele neue Betriebsratsmitglieder haben uns berichtet, dass sie sich die Betriebsratsarbeit so nicht vorgestellt haben. Sie sind dann sehr überrascht, wie umfangreich das Themengebiet ist, und wie weitreichend die Beteiligungsrechte sein können. Und dass Betriebsratsarbeit nicht nur trockene Juristerei ist, sondern echt Spaß machen kann.

 

Was ist die größte Herausforderung der Betriebsratsarbeit?

Meyer: Die größte Herausforderung liegt in den sehr weiten Beteiligungsrechten. Ein Betriebsratsmitglied muss sich ein sehr umfangreiches, und in der Regel berufsfachfremdes Wissen aneignen. Und gleichzeitig in ganz neue Rolle hineinwachsen. Denn als Betriebsratsmitglied tritt man der Geschäftsführung auf einer ganz anderen Ebene gegenüber. Man ist nicht mehr nur der einfache Mitarbeiter. Man repräsentiert die Arbeitnehmerschaft. Neben dem Fachwissen bedarf es dazu auch rhetorischen Geschicks. Junge Betriebsräte müssen häufig eine ganz neue Form der Streitkultur lernen.

 

Passiert es häufig, dass junge Betriebsratsmitglieder von ihrem Arbeitgeber eingeschüchtert werden?

Kühne: Das ist leider sehr oft der Fall. Der Versuch einer Einschüchterung durch den Arbeitgeber kann dabei auf ganz unterschiedlichen Ebenen geschehen. Wir mussten uns kürzlich mit einem Fall beschäftigen, bei dem ein Geschäftsführer vor der gesamten Belegschaft verkündete, dass er keine Verlängerung von befristeten Arbeitsverträgen am Standort durchführen und auch keine weiteren Investitionen tätigen werde, da die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat so „unbefriedigend“ sei. Es wurde also versucht, einen Keil zwischen den Betriebsrat und die Belegschaft zu treiben. Das führte letztlich zu einem juristischen Nachspiel vor dem Arbeitsgericht.

 

Wie kann man sich dagegen wehren?

Kühne: Als junger Betriebsrat sollte man sich recht bald über seine Rechte, aber auch über seine Pflichten informieren. Und sich entsprechend schulen lassen. Zudem hat jedes Gremium die Möglichkeit, juristischen und/oder gewerkschaftlichen Beistand in Anspruch zu nehmen.

 

Sie schreiben, dass Betriebsratsarbeit jederzeit erledigt werden kann, wenn sie notwendig ist. Was passiert, wenn der Arbeitgeber argumentiert, dass der Mitarbeiter wegen seiner Betriebsratsarbeit nicht mehr voll einsatzfähig ist und ihm wichtige – und vor allem karrierefördernde – Projekte entzieht?

Meyer: Das ist korrekt, die Betriebsratsarbeit geht grundsätzlich der normalen Arbeitsverpflichtung vor. Aber es existiert kein Automatismus. Grundsätzlich gilt das Gebot der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber. D.h. der Betriebsrat ist verpflichtet, sich zur Betriebsratsarbeit abzumelden. In dieser Situation kann der Arbeitgeber – gerade in einer heißen Projektphase – betriebliche Belange geltend machen, die der Ausübung der Betriebsratsarbeit in der konkreten Situation entgegenstehen. Das Betriebsratsmitglied ist dann verpflichtet zu prüfen, was dringender ist. Wenn das Projekt Vorrang hat, dann arbeitet er eben am Projekt. In der Praxis haben die Betriebsräte ein sehr gutes Gespür dafür was in der konkreten Situation zu tun ist und was Vorrang hat.

 

Wieso kamen Sie dennoch auf die Idee, ein Nachschlagewerk für frisch gebackene Betriebsräte zu verfassen?

Kühne: Wir sind eine auf die Vertretung von Betriebsräten und Arbeitnehmern spezialisierte Kanzlei mit Sitz in München und Garmisch-Partenkirchen. In diesem Rahmen schulen und vertreten wir seit vielen Jahren bundesweit Betriebsräte. Uns ist dabei aufgefallen, dass es eigentlich keine speziell auf Betriebsräte ausgerichtete Literatur gibt. Das haben wir zum Anlass genommen und entsprechend ausgerichtete Werke erstellt.

 

Eine letzte Frage: Ist es ratsam, die Betriebsratstätigkeit in die Bewerbung, bzw. in den Lebenslauf zu schreiben?

Meyer: Nein, das wäre der Bewerbung sicherlich nicht förderlich.

 

Literaturtipp

Meyer / Kühne: Neu im Betriebsrat – Was tun?; Vahlen, 2. Auflage, 2018; 32 S., Geheftet 12,90€.

ISBN 978-3-8006-5433-8

Von Sabine Philipp

Top Stellenangebote

ILF Beratende Ingenieure GmbH-Firmenlogo
ILF Beratende Ingenieure GmbH Bauingenieur/in / Bautechniker/in für Trassenplanung (m/w/d) Bremen
FLSmidth Wiesbaden GmbH-Firmenlogo
FLSmidth Wiesbaden GmbH Head of Project Execution (f/m/d) Walluf
EUROIMMUN AG-Firmenlogo
EUROIMMUN AG Bauleiter / Bauingenieur (m/w/d) Selmsdorf bei Lübeck
GEMÜ Gebr. Müller Apparatebau GmbH & Co. KG-Firmenlogo
GEMÜ Gebr. Müller Apparatebau GmbH & Co. KG Hardware-Entwicklungsingenieur (m/w/d) Ingelfingen-Criesbach
Lewa GmbH-Firmenlogo
Lewa GmbH Vertriebsingenieur (m/w/d) Leonberg
ExxonMobil Chemical-Firmenlogo
ExxonMobil Chemical Ingenieure (m/w/d) Köln
INEOS Styrolution Europe GmbH-Firmenlogo
INEOS Styrolution Europe GmbH Key Account Manager (m/w/d) Automotive EMEA Frankfurt am Main (Home-Office möglich)
Eckelmann AG-Firmenlogo
Eckelmann AG Ingenieur / Wirtschaftsingenieur als Sales Manager (w/m/d) Maschinenautomation Wiesbaden
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Ingenieur Embedded Software Entwicklung (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
LTS Lohmann Therapie-Systeme AG-Firmenlogo
LTS Lohmann Therapie-Systeme AG Ingenieur (m/w/d) Device und Prozessentwicklung Andernach

Zur Jobbörse

Top 5 Alltag