Arbeitszeitkonto

Wie man als Ingenieur Arbeitszeit ansparen kann

Arbeitszeit ansparen, um sie später zu nutzen. Das klingt vor allem für Arbeitnehmer verlockend. Es erhöht die Flexibilität von Beschäftigten, bietet aber auch den Unternehmen viele Vorteile. Wichtig ist, dass die Modalitäten für ein Arbeitszeitkonto oder Zeitsparkonto im Arbeitsvertrag individuell geregelt werden.

Analoge Wanduhr, Zeiger stehen auf kurz vor zwölf

Ein Arbeitszeitkonto erhöht die Flexiblität auf beiden Seiten und lässt die Mitarbeiter Beruf und Familie einfacher miteinander vereinen.

Foto: panthermedia.net/stillfx

Inhalt des Artikels:

  1. Formen des Arbeitszeitkontos
  2. Zeitsparkonten als Wertguthaben
  3. Nutzen des Zeitguthabens
  4. Was geschieht bei Insolvenz oder Arbeitsplatzwechsel?

 

Es gibt viele gute Gründe, um Arbeitszeit anzusparen. Neben kleinen Auszeiten wie dem Jahresurlaub und langen Wochenenden wünschen sich viele Beschäftigte die Möglichkeit, eine längere berufliche Pause einlegen zu können, wenn es die Lebenssituation verlangt. Solche Fälle können eintreten, wenn ein Angehöriger gepflegt werden muss, die Elternzeit für einen persönlich nicht ausreicht oder ein sogenanntes Sabbatjahr gewünscht ist.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Arbeitszeit anzusparen: Das im Arbeitsvertrag geregelte Zeitsparkonto, Überstunden oder das sogenannte Arbeitszeitkonto, das in den meisten Industriebetrieben, in denen Ingenieure sowie Informatiker arbeiten, ohnehin üblich ist.

Das Arbeitszeitkonto – Flexibilität qua Arbeitsvertrag

Etwa 60% aller Beschäftigten in Deutschland haben ein Arbeitszeitkonto. Doch nicht jedes Arbeitszeitkonto funktioniert gleich. Auf dem klassischen Arbeitszeitkonto wird zunächst einmal schriftlich oder elektronisch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit festgehalten. Verrechnung von Urlaub, Krankheit und Überstunden inklusive. Am bekanntesten und in der Industrie am gebräuchlichsten ist das Abstempeln einer Karte in einem Zeiterfassungsterminal. Hat ein Arbeitnehmer mehr gearbeitet, als im Arbeitsvertrag vereinbart, entsteht ein Guthaben. Im gegenteiligen Fall werden Minusstunden dokumentiert. Eingesetzt wird das Arbeitszeitkonto vor allem dann, wenn die Arbeitszeiten in einem Betrieb eher unregelmäßig sind. Das ist zum Beispiel bei Schichtarbeit oder Gleitzeit der Fall.

Für Unternehmen bietet dieses Modell die Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten. So kann beispielsweise schnell auf Auftragsschwankungen oder aber auch auf persönliche Bedürfnisse der Mitarbeiter reagiert werden. Dadurch kann es zu mehr oder weniger Arbeitsstunden kommen. Im Arbeitsvertrag ist festgelegt, innerhalb welches Zeitraums die Stunden wieder ausgeglichen werden müssen. Für den Arbeitgeber haben solche Konten den Vorteil, dass Überstundenzuschläge entfallen. Arbeitnehmer hingegen haben die Sicherheit, dass Gehaltszahlungen konstant bleiben. Zudem können sie kurze private Termine gut in den Arbeitsalltag integrieren, ohne Fehlzeiten anzuhäufen.

Wo es viele Vorteile gibt, entstehen aber auch Nachteile: Mitarbeiter müssen zwingend ihre Arbeitszeit auf den Konten dokumentieren und das Unternehmen muss auf jeden Fall Rücklagen bilden, wenn Mitarbeiter ihre angesparte Arbeitszeit abbauen wollen. Arbeitnehmer gehen dafür mit ihrer Arbeit und den geleisteten Überstunden in Vorleistung. Zudem kann es bei den Wünschen zu Stundenaufbau und Stundenabbau zu Diskrepanzen zwischen Unternehmens- und Mitarbeiterinteressen kommen.

Bei der beschriebenen Form Arbeitszeit anzusparen, handelt es sich meist um sogenannte Kurzzeitkonten. Diese sind im engeren Sinne kein Arbeitszeitmodell, sondern ein Steuerungselement für variable Arbeitszeiten. Unterarten sind das sogenannte Überstundenkonto oder das Jahresarbeitszeitkonto. Diese Art des Arbeitszeitansparens eignet sich zur flexiblen Gestaltung der Wochenarbeitszeit, für kleinere Auszeiten, mehr Flexibilität während der Arbeitszeit oder eine Verlängerung des Urlaubs. Für eine länger dauernde Auszeit ist das Kurzzeitkonto nicht geeignet.

Das Zeitsparkonto – Wertguthaben und Lebensarbeitszeit

Wollen Ingenieure und Informatiker langfristig Arbeitszeit ansparen, sollten sie ein sogenanntes Langzeitkonto oder Zeitsparkonto nutzen. Dazu gehören beispielsweise Lebensarbeitszeitkonten und Wertguthaben. Theoretisch ist das Zeitsparkonto sehr einfach: Beschäftigte arbeiten in bestimmten Lebensphasen – meist in jungen Jahren, in denen sie noch weniger private Verpflichtungen haben – mehr und sparen diese Arbeitszeit an. Später können sie bei Bedarf darauf zurückgreifen und die vorgeleisteten Überstunden nutzen. Das Einkommen bleibt dabei stets gleich und der Arbeitsplatz erhalten. Auf diese Weise kann eine längere Freistellung, etwa für einen Sabbatjahr, oder auch der vorzeitige Ausstieg aus dem Job ermöglicht werden. Es gibt jedoch einiges zu beachten: Solche Langzeitkonten bedürfen beispielsweise einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Anders als Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge, in denen die Kurzzeitkonten häufig geregelt sind, müssen Vereinbarungen über Lebensarbeitszeitkonten oft individuell geschlossen werden. Denn das Zeitsparkonto dient als langfristiges „Sparbuch“. Beschäftigte können darauf nicht nur Arbeitszeit anlegen, sondern je nach Vereinbarung auch Urlaubsanteile oder Gehaltsbestandteile wie Weihnachts- sowie Urlaubsgeld dauerhaft ansparen und später nutzen – soweit die betrieblichen Belange dies zulassen. Das bedeutet, dass längere Auszeiten grundsätzlich mit den Kollegen abgesprochen werden müssen. Einfach von heute auf morgen ein Jahr vom Zeitsparkonto abheben, funktioniert natürlich nicht.

Die vereinbarten Regelungen zum Ansparen der Arbeitszeit sollten in einem eigenen Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten werden. Hier sollten folgenden Eckdaten geregelt und dokumentiert sein:

  1. Zweck des Zeitsparkontos
  2. Höchstgrenze/Untergrenze des Zeitsparkontos
  3. Rechte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sprich: wie darf das Konto für die jeweiligen Interessen genutzt werden?
  4. Zeitraum, nach dem erstmals Zeit „abgehoben“ werden kann und bis wann spätestens die Zeit genutzt werden muss

Dabei gelten laut Arbeitsvertrag stets die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes. Vor allem, was die tägliche Höchstarbeitszeit angeht sowie die Aufzeichnung der Arbeitszeit. Das soll auch das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung minimieren, wenn in kurzer Zeit zu viele Überstunden geleistet werden, um möglichst schnell möglichst viel Arbeitszeit anzusparen.

Arbeitszeit ansparen: Nutzen des Guthabens

Das Ansparen von Arbeitszeit kann verschiedene Gründe haben. Wichtig ist jedoch, langfristig zu denken. Denn Arbeitszeit ansparen braucht viel Zeit. Wer nicht nur kurzfristig einen verlängerten Urlaub machen möchte, sondern eine längere Auszeit vom Beruf plant, muss dafür mehrere Jahre mit regelmäßigen Überstunden einplanen. Wer 40 Wochenstunden arbeitet, braucht knapp 2.000 Stunden, um ein Jahr Arbeitszeit anzusparen. Bei vier Überstunden pro Woche wären dafür elf Jahre nötig, rechnet die Gewerkschaft Verdi modellhaft vor.

Einmal angesparte Guthaben können Ingenieure und Informatiker für unterschiedliche Zwecke verwenden, die jedoch ebenfalls im Arbeitsvertrag geregelt werden müssen. Grundlage ist das sogenannte Flexi-II-Gesetz von 1998, das 2009 erweitert wurde. Ursprünglich ging es bei dieser Regelung darum, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern eine günstige Vorruhestandsregelung ermöglichen sollten. Sabbatjahre und Co. hatte man damals eher nicht auf dem Schirm.

Grundsätzlich darf angesparte Arbeitszeit für folgende Möglichkeiten genutzt werden:

  1. Freistellung von der Arbeit, um direkt im Anschluss daran eine Rente zu beziehen
  2. Reduzierung der Arbeitszeit auf Teilzeit, um im Anschluss daran Altersrente zu beziehen
  3. Freistellung oder Reduzierung der Arbeitszeit direkt nach der Elternzeit um diese zu verlängern oder zur Finanzierung der Elternzeit für den Zeitraum, in dem kein Elterngeld mehr bezogen wird
  4. Freistellung oder Reduzierung auf Teilzeit für eine aktive Gesundheitsförderung
  5. Freistellung oder Teilzeit zwecks persönlicher Qualifizierungsmaßnahmen
  6. Freistellung für eine berufliche Arbeitspause (Mindestentnahme meist drei Monate)
  7. Zur Finanzierung der Pflegezeit
  8. Für einen befristeten Zeitraum aus persönlichen Gründen
  9. Teilzeitarbeit bei vollem Gehaltsausgleich

 

Insolvenz oder Jobwechsel – was passiert mit dem Zeitguthaben?

Ein Zeitsparkonto ist eine langfristige Anlage. Und eine Anlage ist das Ansparen von Arbeitszeit im wahrsten Wortsinn. Denn: Ein Arbeitszeitkonto für Lebensarbeitszeit darf seit der Erweiterung des Flexi-II-Gesetzes 2009 nur noch als Geldwert geführt werden. Nur Langzeitkonten, die vor 2009 eingerichtet wurden, dürfen weiter in Zeitwert laufen. Das bedeutet: Die angesparte Arbeitszeit ist nicht einfach Zeit in Stunden auf einem Konto. Arbeitszeit ist ein Wert, der bezahlt wird. Deshalb wird die angesparte Arbeitszeit in Geld umgewandelt. Erst bei der „Auszahlung“ wird der Betrag wieder in Zeit umgerechnet. Das Guthaben wird also während der Laufzeit in Euro ausgewiesen. Wie bei der Bank verzinst sich der Betrag, viele Unternehmen legen das Geld an.

Dadurch sichern sich die Arbeitgeber auch selbst ab: Bei einer Insolvenz kann so der Verlust des Zeitguthabens der Mitarbeiter verhindert werden. Angesparte Arbeitszeit kann man bei Insolvenz nicht mehr auszahlen, Geld allerdings schon. Die Sorge, das Zeitsparkonto könnte bei einer Insolvenz verlorengehen, ist demnach unbegründet. Es ist gesetzlich geregelt, dass sich Firmen entsprechend absichern müssen. Das kann beispielsweise per Treuhandmodell, Anlage der Zinsen, Bankbürgschaft oder Versicherung geschehen. Der Beschäftigte kann darüber einen Nachweis verlangen.

Anders sieht es aus, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen wechselt. Auf langfristige Anlagen wie ein Zeitsparkonto können Arbeitnehmer dabei nicht immer Rücksicht nehmen. Der neue Arbeitgeber kann das Guthaben aber übernehmen, auch wenn er dazu nicht verpflichtet ist. Die Wahrscheinlichkeit hängt stark von den Umständen des Wechsels ab. Wurde der Ingenieur oder Informatiker beispielsweise durch einen Headhunter in die neue Firma geholt, wird der neue Arbeitgeber sicher eher dazu bereit sein, das Zeitsparkonto aus dem alten Arbeitsverhältnis zu übernehmen als in anderen Fällen. Lehnt der neue Arbeitgeber die Übernahme ab, kann der Beschäftigte das Guthaben auf die Deutsche Rentenversicherung im Bund übertragen. Voraussetzung ist, dass der Betrag mindestens das Sechsfache der Bezugsgröße beträgt. 2018 sind das 18.270 Euro (West) und 16.170 Euro (Ost). Auch wenn sich das Guthaben bei der Rentenversicherung befindet, können Arbeitnehmer zu den gleichen Zwecken darauf zurückgreifen als würde das Zeitsparkonto von einem Unternehmen verwaltet.

Neues Zeitguthaben kann einem Wertguthaben, das bei der Rentenversicherung liegt, nicht hinzugefügt werden. Erfolgt der berufliche Wechsel in den mittleren Lebensjahren, kann zum Ansparen weiterer Arbeitszeit ein neues Lebensarbeitszeitkonto im neuen Unternehmen vereinbart werden. Die Auszahlung der angesparten Arbeitszeit des alten Kontos kann jederzeit erfolgen. In jedem Fall sollte der neue Arbeitgeber über ein Wertguthaben bei der Rentenversicherung informiert sein. Denn er muss damit rechnen können, dass der Mitarbeiter dieses Guthaben nutzt und entsprechend ausfällt oder früher in den Ruhestand gehen möchte. Gegebenenfalls müssen auch dafür individuelle Vereinbarungen im neuen Arbeitsvertrag getroffen werden. Spätestens einen Monat vor der beabsichtigten Freistellung muss bei der Rentenversicherung ein Antrag auf Auszahlung gestellt werden. Das Guthaben wird als Brutto-Arbeitsentgelt ausgezahlt.

 

Weitere Arbeitszeitmodelle im Fokus:

  1. Vertrauensarbeitszeit
  2. Home Office
  3. Auszeit

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mobiles Arbeiten

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