Glossar

Das Lexikon zur Selbstständigkeit

In diesem Glossar sind die wichtigsten Begriffe für Ihre Selbstständigkeit als Ingenieur erklärt. Das Glossar ist alphabetisch sortiert.

Dudeneintrag zur Selbstständigkeit

Foto: Lisa Schneider

Inhalt dieses Artikels:

  1. Abschreibung
  2. Akquise – Warmakquise und Kaltakquise
  3. Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)
  4. Arbeitslosenversicherung, Freiwillige
  5. Ausschreibung
  6. Betriebsvermögen
  7. Business Angels
  8. Businessplan
  9. Geschäftsidee
  10. Geschäftswagen / Firmenwagen
  11. Gründungszuschuss Arbeitsagentur
  12. Pitch / Pitchen
  13. Scheinselbstständigkeit
  14. Start-up
  15. Venture Capital

Abschreibung

Glossar zur Abschreibung: Die Abschreibung stammt aus dem Rechnungswesen und ist sowohl für selbstständige Ingenieure relevant als auch für Unternehmen. Gemeint ist mit Abschreibung die buchhalterische Erfassung einer Wertminderung. Sie bezieht sich auf Gegenstände, die zum Betriebsvermögen gehören. Dabei erfasst die Abschreibung, wie sich der Wert eines Gegenstandes durch den Verschleiß verringert (planmäßige Abschreibung) oder durch plötzliche Ereignisse wie einen Unfall (außerplanmäßige Abschreibung). Die Abschreibung ist für Freiberufler wichtig und kein rein theoretischer Posten, denn sie ist auch steuerlich relevant – die Wertminderung wird, vereinfacht gesagt, vom Einkommen des selbstständigen Ingenieurs abgezogen. Ein gutes Beispiel für einen abschreibungsfähigen Vermögensgegenstand ist ein Geschäftswagen.

Akquise – Warmakquise und Kaltakquise

Glossar zur Akquise: Als Akquise bezeichnet man den Versuch eines Unternehmers oder Freiberuflers, neue Kunden beziehungsweise Auftraggeber zu gewinnen. Unterschieden wird dabei zwischen Warmakquise und Kaltakquise. Die Warmakquise bezieht sich auf Kunden, zu denen der Ingenieur bereits in Kontakt steht, sie sind ihm also bekannt. Das kann über vorangegangene Aufträge der Fall sein oder auch über einen Pitch, bei dem der Ingenieur keinen Zuschlag erhalten hat. Für die Warmakquise geht er nun erneut auf diese möglichen Kunden zu, um Angebote für eine Zusammenarbeit zu unterbreiten. Durch Kaltakquise versuchen Freiberufler hingegen, Aufträge von potenziellen Kunden zu generieren, die ihnen bislang nicht bekannt sind. Das findet beispielsweise auf Messen statt. Die telefonische Kaltakquise ist rechtlich hingegen schwierig, da sie in vielen Fällen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstößt. Zulässig wäre ein solcher Anruf beispielsweise dann, wenn davon auszugehen ist, dass der Angerufene dem Angebot positiv gegenübersteht. Das ist jedoch Auslegungssache. Mehr zur Akquise

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

Glossar zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) stehen vorformulierte Vertragsbedingungen, die sich auf die üblichen Ereignisse der angestrebten Geschäftsbeziehungen übertragen lassen. Damit dienen sie der Vereinfachung – es muss dank der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht jedes Details mit jedem Kunden erneut besprochen werden. Als freiberuflicher Ingenieur können Sie branchenübliche Formulierungen in Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) aufnehmen. Typische Inhalte sind Zahlungsfristen oder Haftungsbeschränkungen.

Arbeitslosenversicherung, Freiwillige

Glossar zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung: Gerade der Start in die Selbstständigkeit ist für Ingenieure mit einem finanziellen Risiko verbunden. Was passiert, wenn die Aufträge plötzlich wegbrechen und der Freiberufler noch keine Gelegenheit hatte, Rücklagen zu bilden? Für diese Fälle bietet die Bundesagentur für Arbeit die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Existenzgründer an. Der offizielle Titel lautet „Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag“. Allerdings ist das nur möglich, wenn der jeweilige Ingenieur unmittelbar vor dem Schritt in die Freiberuflichkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, also als Angestellter pflichtversichert war.

Insgesamt muss er in den vorangegangenen 2 Jahren 12 versicherungspflichtige Monate nachweisen können. Neben einem Beschäftigungsverhältnis können dazu zum Beispiel auch Erziehungszeiten von Kindern unter 3 Jahren gezählt werden. Möglichkeit 2: Unmittelbar vor der Existenzgründung hatte der Freiberufler Anspruch auf das Arbeitslosengeld I. Allerdings müssen sich Ingenieure schnell entscheiden und den Antrag innerhalb der ersten 3 Monate ihrer Selbstständigkeit stellen. Die Höhe des möglichen Arbeitslosengeldes richtet sich übrigens nicht nach dem Verdienst. Es gibt feste Bezugsgrößen, unter anderem abhängig von der Qualifikation.

Ausschreibung

Glossar zur Ausschreibung: Bei einer Ausschreibung handelt es sich um eine öffentliche Bekanntmachung eines möglichen Auftrags. Hier sind die Bedingungen festgelegt, auf die sich Angebote beziehen sollen. Unterschieden wird zwischen einer offenen Ausschreibung, an der jeder Interessent teilnehmen kann, und einer beschränkten Ausschreibung. Hier legt der Auftraggeber im Vorfeld fest, wer ein Angebot abgeben darf. Ausschreibungen sind für freiberufliche Ingenieure eine wichtige Quelle möglicher Aufträge.

Betriebsvermögen

Glossar zum Betriebsvermögen: Zum Betriebsvermögen eines freiberuflichen Ingenieurs zählen alle Wirtschaftsgüter, die in einem tatsächlichen oder wirtschaftlichen Förderungszusammenhang zum Betrieb stehen. Bei einem Geschäftswagen oder der Einrichtung eines Ingenieurbüros handelt es sich beispielsweise um Wirtschaftsgüter, die in einem tatsächlichen Förderungszusammenhang stehen. Bei Wertpapieren oder Beteiligungen wäre hingegen ein wirtschaftlicher Förderungszusammenhang erkennbar. Bei der Berechnung des Gesamt-Betriebsvermögens müssen natürlich auch eventuelle Schulden Berücksichtigung finden.

Business Angels

Glossar zu Business Angels: Business Angels sind Kapitalgeber, die junge Unternehmen wie Start-ups unterstützen. Im Gegenzug zum bereitgestellten Kapital erhalten sie Anteile am Unternehmen. Als Motiv der meisten Business Angels steht nicht der potenzielle finanzielle Gewinn bei ihrer Investition im Vordergrund, sondern das Interesse an neuen Ideen und der Wunsch, sie zu fördern. Business Angels stehen Start-ups daher häufig nicht nur mit Finanzmitteln, sondern auch mit ihrem Know-how sowie Kontakten zur Seite. Für eine Investition müssen selbstständige Ingenieure sie in der Regel in einem Pitch von ihrer Geschäftsidee überzeugen.

Businessplan

Glossar zum Businessplan: Einen Businessplan brauchen sowohl Freiberufler als auch Gründer von Start-ups. In ihm wird die Geschäftsidee dargestellt, inklusive Rahmenbedingungen, geplanter Maßnahmen, der genauen Vorgehensweise sowie der Finanzierung. Besonders wichtig ist eine Schätzung der Gewinnentwicklung. Mehr zum Businessplan (wann, wie und wofür braucht es ihn?) und konkret zum Aufbau eines Businessplans

Geschäftsidee

Glossar zur Geschäftsidee: Für den Begriff Geschäftsidee gibt es das Synonym Gründungsidee. Sie gibt an, womit Sie sich selbstständig machen. Dahinter verbirgt sich also immer die Idee für ein neues Unternehmen oder für das Geschäftsfeld der Freiberuflichkeit. Sollten Sie sich als Ingenieur beispielsweise überlegen, dass Sie Beratungen zum Thema Energieeffizienz für Unternehmen anbieten möchten, so ist das Ihre Geschäftsidee.

Geschäftswagen / Firmenwagen

Glossar zum Geschäftswagen: Als freiberuflicher Ingenieur können Sie einen Geschäftswagen / Firmenwagen nutzen und dies auch steuerlich geltend machen. Zum Betriebsvermögen dürfen Sie das Auto allerdings nur rechnen, wenn Sie es überwiegend für Geschäftsfahrten einsetzen. Alle Kosten – ob Anschaffung, Reparaturen, Benzin etc. – können Sie in diesem Fall von der Steuer absetzen. Der Anschaffungspreis wird über mehrere Jahre abgeschrieben. Das Finanzamt geht jedoch davon aus, dass Sie den Geschäftswagen / Firmenwagen zusätzlich privat nutzen, weswegen Sie nicht sämtliche Kosten geltend machen können.

Für die Berechnung gibt es 2 Möglichkeiten: Sie können ein Fahrtenbuch für Ihren Geschäftswagen / Firmenwagen führen. Die privaten Fahrten werden anteilig von den Gesamtkosten des Geschäftswagens / Firmenwagens abgezogen. Oder Sie wählen die Pauschalregel. Dabei werden 1 % des Auto-Neupreises Ihrem Einkommen für die private Nutzung zugeschlagen. Wohlgemerkt: Die Summe wird über den Neupreis berechnet, unabhängig vom tatsächlichen Alter des Geschäftswagens / Firmenwagens.

Gründungszuschuss Arbeitsagentur

Glossar zum Gründungszuschuss: Der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit kann eine wichtige finanzielle Unterstützung für die Phase der Existenzgründung darstellen. Als Ingenieur können Sie ihn jedoch nur in Anspruch nehmen, wenn Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, also Ihre Arbeitslosigkeit durch eine Existenzgründung beenden. Mit anderen Worten: Wenn Sie eine Festanstellung kündigen, um sich direkt im Anschluss selbstständig zu machen, erhalten Sie den Gründungszuschuss nicht. Für den Antrag auf einen Gründungszuschuss benötigen Sie unter anderem einen Businessplan. Die Höhe des Gründungszuschusses setzt sich aus 2 Komponenten zusammen: Für die ersten 6 Monate erhalten Sie einen Gründungszuschuss in der Höhe Ihres letzten Arbeitslosengelds, plus 300 Euro für die soziale Absicherung. Für weitere 9 Monate können sie 300 Euro monatlich beziehen, wenn Sie eine intensive Geschäftstätigkeit nachweisen. Mehr Förderprogramme für Gründer

Pitch / Pitchen

Glossar zum Pitch: Der Begriff Pitch ist vor allem für Ingenieure relevant, die sich mit einem Start-up selbstständig machen wollen. Pitch bedeutet so viel wie werben oder übermäßig anpreisen. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Werbebranche, wo verschiedene Agenturen mit ihren Ideen gegeneinander antreten, um einen Auftrag zu erhalten. Sie pitchen gegeneinander. Für selbstständige Ingenieure bedeutet ein Pitch, dass sie die Geschäftsidee ihres Start-ups vor möglichen Investoren präsentieren, um sie davon zu überzeugen, Kapital für die Unternehmensgründung zur Verfügung zu stellen. Das kann auch bei speziellen Veranstaltungen stattfinden, sogenannten Pitching-Sessions, wo mehrere Start-ups zusammenkommen, um für Finanzmittel bei Kapitalgebern zu werben.

Scheinselbstständigkeit

Glossar zur Scheinselbstständigkeit: Der Begriff der Scheinselbstständigkeit hängt wie ein Damoklesschwert über vielen Freiberuflern. Dabei haben Ingenieure, die ihre Freiberuflichkeit ernst nehmen und für verschiedene Auftraggeber / Kunden tätig sind, in der Regel nichts zu befürchten. Grundsätzlich bezieht sich Scheinselbstständigkeit nicht auf den generellen Status eines Freiberuflers, sondern auf die Zusammenarbeit mit einem konkreten Unternehmen. In diesem Sinne ist eher von Aufträgen zu sprechen, die den Bestand der Scheinselbstständigkeit erfüllen. Das ist der Fall, wenn der Selbstständige in Wahrheit eine abhängige Beschäftigung verrichtet. Das muss im Einzelfall entschieden werden, denn der ehemalige Kriterienkatalog zur Scheinselbstständigkeit ist abgeschafft worden. Entscheidend ist allein das Gesamtbild des Arbeitsverhältnisses, nicht die Details des Arbeitsvertrages.

Typische Hinweise für eine Scheinselbstständigkeit sind:

  1. Ein Weisungsrecht des Auftraggebers in Bezug auf die Zeit und den Ort, wo Sie Ihre Arbeit verrichten.
  2. Die Tätigkeit wird in den Räumen des Unternehmens mit dessen Arbeitsmitteln ausgeübt.

Tragen Sie hingegen selbst das unternehmerische Risiko, arbeiten mit Ihren eigenen Betriebsmitteln und sind frei in der Gestaltung Ihrer Tätigkeit, liegt meistens keine Scheinselbstständigkeit vor. Sollten Sie beispielsweise nach einer Betriebsprüfung des Auftraggebers als scheinselbstständig eingestuft werden, hat das vor allem für das Unternehmen gravierende Konsequenzen. In den meisten Fällen müssen hohe Sozialversicherungsbeiträge nachgezahlt werden. Eventuell können Sie den Wechsel in ein festes Arbeitsverhältnis fordern. Eine Weiterbeschäftigung auf freiberuflicher Basis wird unter den gleichen Umständen jedenfalls nicht mehr möglich sein. Deswegen sollten Sie als Freiberufler die Scheinselbstständigkeit unbedingt vermeiden.

Mehr dazu erfahren Sie im Artikel „Scheinselbstständigkeit – Auswirkungen der Rechtsunsicherheit bei Selbstständigen“

Start-up

Glossar zum Start-up: Bei einem Start-up handelt es sich um ein Unternehmen, das erst kürzlich gegründet wurde. In den meisten Fällen ist es mit einer innovativen Geschäftsidee verbunden. Zu Beginn müssen Start-ups meist Kapital über Business Angels oder Venture Capital-Gesellschaften einholen, um ihre Idee umsetzen zu können. Ein typisches Beispiel für ein Start-up wäre ein Ingenieur, der ein neues Produkt entwickelt hat und es über sein eigenes Unternehmen herstellen und vertreiben möchte.

Venture Capital

Glossar zum Venture Capital: Venture heißt auf Deutsch so viel wie Risiko oder Wagnis. Venture Capital sind also finanzielle Mittel, die eingesetzt werden, um ein Unternehmen zu fördern – verbunden mit dem Risiko des Scheiterns. Der Venture Capitalist kauft Unternehmensanteile an einem Start-up, wenn der selbstständige Ingenieur ihn in einem Pitch von der Geschäftsidee überzeugt. Im Unterschied zu Business Angels steigen Venture Capitalisten selten in der ersten Gründungsphase eines Unternehmens ein, sondern eher zu einem späteren Zeitpunkt, wenn beispielsweise zusätzliches Kapital für eine Expansion benötigt wird. Sie nehmen auch seltener beratende Funktionen ein.

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