Beratung

Achtung Familienfeier!

„Ich möchte mein Weihnachten von früher zurückhaben!“, sagte neulich mein 23-jähriger Sohn als ich ihn bat, mit mir gemeinsam die Weihnachtstage zu planen. Früher, das ist für ihn die Zeit, als er noch ein Kind war und zu Weihnachten nichts anderes zu tun hatte, als unter dem Baum sitzend seine neue Eisenbahn fahren zu lassen, das spannende Buch zu lesen oder sich mit einem Hörbuch auf die Couch zu lümmeln.

Terminstress an Feiertagen.

Terminstress an Feiertagen.

Foto: panthermedia.net/LightFieldStudios

Ich weiß, was er meint, aber ich weiß auch, er wird es nicht zurückbekommen, denn wir sind eine Patchworkfamilie und er wird sich zu Weihnachten zerreißen müssen, um an Heiligabend bei mir, am 1. Weihnachtsfeiertag bei seinem Vater und seiner Oma, am zweiten Weihnachtstag zum Mittagessen bei der Mutter seiner Freundin und nachmittags bei deren Vater zu sein. Dieses Szenarium wird ihn schon vor Weihnachten stressen, weil alle – wenigstens ein kleines – Geschenk von ihm erwarten. Wahrscheinlich wird er mich dazu anpumpen, ich werde ein bisschen rummoppern: „Warum immer ich?“, denn ich bin ja in einem- wie ich meine- noch größeren Stress, weil ich nicht nur Geschenke kaufen, sondern mich auch noch um das leibliche Wohl der verschiedenen Familienmitglieder, die an den drei Tagen bei mir aufschlagen, kümmern muss. Damit sehe ich große Geldsummen durch meine Finger rinnen und frage mich einmal mehr: Muss das alles so sein? In dieser Stimmung werden wir aufeinandertreffen, beide unzufrieden sein und beide die ach so beschauliche Adventszeit als einen Wettlauf gegen die Zeit erleben.

Natürlich werden wir uns an Weihnachten „zusammenreißen“, denn es soll ja ein schönes Fest werden, immerhin das Fest der Liebe. Ich möchte ja, dass für die Kinder alles perfekt wird, ich möchte das Essen und die Geschenke vom vorigen Jahr am liebsten noch toppen, um in strahlende Gesichter sehen zu können. Ich werde die Gitarre rausholen und wir werden Weihnachtslieder singen, genau wie früher, aber es wird nicht sein wie früher, weil ich im Grunde schachmatt bin und das zweite Glas Wein dazu führen wird, dass ich ohnehin nur noch die Hälfte mitbekomme. Wahrscheinlich gut so, denn würde an diesen Tagen auch nur einer eine negative Bemerkung über mein Essen oder die Wahl meiner Geschenke machen, würde ich wahrscheinlich explodieren oder in Tränen ausbrechen. Wir werden alle die Contenance wahren und kritische Themen wie Geld, die Frequenz der Besuche meiner Mutter übers Jahr und hoffentlich auch deren bevorstehendes Ableben, das sie im letzten Jahr öfter erwähnt hat, vermeiden. Alles im Sinne von „Stille Nacht – heilige Nacht“.

So wie mir geht es jedes Jahr zu Weihnachten vielen Menschen, Ingenieuren und Geisteswissenschaftlern gleichermaßen. Sie machen gute Miene zum heiligen Spiel und erleben die Stunden nach 23 Uhr, in denen sie endlich mal die Füße hochlegen, der Gans im Bauch durch das Öffnen des Hosenknopfes ein wenig mehr Raum geben und einen Klassiker im Fernsehen anschauen können, als die friedlichsten dieser Hochglanzfamilienfeier. Mit ganz viel Glück ist dann nicht nur die Verwandtschaft ausgeflogen, die Kinder sind in ihren Zimmern damit beschäftigt, die Weihnachtsgeschenke in ihren Netzwerken zu posten, sondern auch der Partner lässt durch leise Grunzlaute vermuten, dass dieser Weihnachtstag für ihn beendet ist. Dann, oh du Fröhliche, braucht man nicht mehr zu reden, sondern kann, untermalt von „Ist das Leben nicht schön“ mit James Stewart, einfach mal vor sich hin sinnieren, zum Beispiel darüber, warum Weihnachten noch mal das „Fest der Liebe“ genannt wurde.

Einmal abgesehen davon, dass der ganze Zauber einen christlichen Ursprung und Gott uns durch Christi Geburt seine Liebe offenbart hat, haben wir Weihnachten als „das Größte“ erlebt, als wir selbst noch Kinder waren. Wir fühlten uns geliebt und geborgen und waren einfach glücklich. Das Glück dieser Kindertage wurde aber noch getoppt, als wir selbst Eltern geworden waren und das erste Weihnachtsfest mit Sven oder Julia verbringen durften. Geben war noch schöner als Nehmen und wir fanden es faszinierend, wie der oder die Kleine den größten Spaß daran hatte, mit dem Geschenkpapier zu spielen. Aber auch diese Glücksgefühle ließen schon nach wenigen Jahren nach und mit Weihnachten ging es eigentlich nur noch Berg ab. Es sei denn, man hatte das ganze große Los gezogen und sich pünktlich zu Weihnachten noch einmal so richtig verliebt, dann war die Magie des Festes mit einem Mal wieder da. Bei nüchterner Betrachtung lag das aber nicht an Weihnachten, sondern jeder Moment war irgendwie magisch, zumindest ein halbes Jahr lang.

Weihnachten macht Stress und Weihnachten ist manchmal ganz weit weg davon, das Fest der Liebe zu sein, aber spreche ich mit Menschen, die allein sind und an den Feiertagen so gar keine Verpflichtungen haben, dann berichten sie von eher trostlosen Tagen, die nicht vergehen wollen, von Einsamkeit, die besonders stark empfunden wird. Meine muslimischen Freunde, die Weihnachten nicht feiern, sprechen von Langeweile. Sie beneiden uns um den Trubel, das leckere Essen, die Wärme der Kerzen, den Glanz des Baumes. Ich habe schon einige Möglichkeiten ausprobiert, Weihnachten anders zu feiern, habe unter der spanischen Sonne an einem Strand gelegen, mich sozial engagiert und das übliche Feiern ausfallen lassen, den Heiligen Abend in einer Kneipe zugebracht zusammen mit anderen Weihnachtsbestreikern und in der Rückschau war es nie perfekt. Es war auch nicht annähernd so schön wie der Weihnachtstrubel, der mir auch in diesem Jahr wieder bevorsteht. Ich lese auch keine Ratgeber zum Thema „So feiern Sie Weihnachten ohne Eskalation“. Ich erwarte von Weihnachten nicht, dass ich plötzlich liebes- und glückserfüllt auf Wolke 7 schwebe, sondern sehe es pragmatisch: Im Grunde sind mir alle Menschen, mit denen ich diese Tage verbringe, wichtig. Sie alle haben ihre kleinen Eigenarten und ich brauche Toleranz, um damit umzugehen, aber ich weiß auch, dass genau diese Menschen für mich da sind, wenn die ganze Welt sich gegen mich verschworen zu haben scheint. Deshalb sind sie mir den Stress wert und wenn ich kleine Auszeiten für mich finde, dann denke ich nicht erst ab 23 Uhr: Ist das Leben nicht schön? Weihnachten ist nicht perfekt, braucht es auch nicht zu sein, aber was wären wir ohne diese Tage, die eine kleine Unterbrechung des Wintergraus bedeuten?!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Ingenieurinnen und Ingenieure, ein gelassenes Weihnachtsfest!

 

Von Renate Eickenberg, Autorin und Coach Tags:

Top Stellenangebote

wenglor sensoric gmbh-Firmenlogo
wenglor sensoric gmbh Entwicklungsingenieur (m/w/d) Mechanische Konstruktion Eching bei München
Greve & Greve GmbH-Firmenlogo
Greve & Greve GmbH Bauleiter (m/w/d) Breiholz
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Planer (m/w/d) Pressteile Zuffenhausen
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH Entwicklungsingenieur TU/FH (m/w/d) Elektrotechnik/Elektronik Nördlingen
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH Projektmanager (m/w/d) Nördlingen
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH Entwicklungsingenieur Mechanik (m/w/d) Nördlingen
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH Software-Entwicklungsingenieur TU/FH (m/w/d) Nördlingen
Obermeyer Planen + Beraten GmbH-Firmenlogo
Obermeyer Planen + Beraten GmbH Fachplaner Leit- und Sicherheitstechnik (m/w/d) Köln
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH-Firmenlogo
Collins Aerospace - HS Elektronik Systeme GmbH Testingenieur (m/w/d) Elektronische Baugruppen für Luftfahrtanwendungen Nördlingen
AWO Psychiatriezentrum-Firmenlogo
AWO Psychiatriezentrum Architekt / Bauingenieur (m/w/d) für den Bereich Bauplanung und Projekte Königslutter

Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsleben