Editorial der Ausgabe 4-2021 04.05.2021, 11:43 Uhr

Resiliente Produktionssysteme gestalten und planen

Zunehmende Dynamik und Volatilität im Geschäftsumfeld führen bei produktionstechnischen Unternehmen zu steigender Unsicherheit. Das hat zur Folge, dass zukünftige Marktentwicklungen und daraus resultierende Lieferkettenstörungen schlechter antizipiert und nicht mit ausreichend genauer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden können. Die zentrale Herausforderung für Unternehmen besteht darin, trotz dieser Entwicklungen, eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Die aktuelle Covid-19-Pandemie verdeutlicht, wie unberechenbar das Geschäftsumfeld werden kann und wie anfällig die breit vernetzten Produktionssysteme auf eine derartige Störung reagieren. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Aufbau resilienter Produktionssysteme, die auch bei unvorhersehbaren Marktveränderungen effiziente Abläufe gewährleisten, bei Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Anlässlich des immensen volkswirtschaftlichen Schadens in Folge der Corona-Krise müssen Unternehmen ihre Lieferketten und Logistikstrukturen neu bewerten. Die Planung und Gestaltung von Wertschöpfungssystemen war in den letzten Jahren vor allem durch Kostenoptimierung und Wirtschaftlichkeit geprägt. Um resiliente Produktionssysteme zu schaffen, die bei zukünftigen disruptiven Umweltveränderungen effizient und leistungsfähig bleiben, ist ein Umdenken erforderlich. Aufwandsarme Maßnahmen, die im Bedarfsfall die Produktion innerhalb vorgehaltener Leistungskorridore reaktiv anpassen, sind für Krisensituationen nicht mehr ausreichend. Die Gestaltung resilienter Produktionssysteme erfordert wandlungsfähige Strukturen, sodass bei unvorhersehbaren Krisenzuständen diese Leistungskorridore proaktiv variiert werden können und das System agil auf mögliche Störungen reagieren kann. Hinsichtlich der Planung resilienter Produktionssysteme könnte eine ausgewogene Balance zwischen logistischer Sinnhaftigkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit als Leitmotiv dienen. Unternehmen sollten zukünftig stärker darauf achten, zum Beispiel ihre Bestände nicht nur hinsichtlich monetärer Faktoren zu planen, sondern Risikoaspekte stärker zu berücksichtigen, um auch in Krisensituationen die eigene Lieferfähigkeit nicht zu gefährden.

Diese weniger kosten- und mehr leistungsorientierte Sichtweise sowie die damit verbundenen Zielkonflikte müssen in der Produktionsplanung und -steuerung (PPS) abgebildet werden. Die PPS ist ein wichtiger Stellhebel, um robuste Prozesse aufzubauen. Ein weiterer Treiber bei der Gestaltung und Planung resilienter Produktionssysteme ist die Digitalisierung. Eine Studie der Bundesvereinigung Logistik (BVL) identifizierte einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Grad der Digitalisierung und der Resilienz von Unternehmen. Mithilfe von Industrie 4.0-Lösungen können Unternehmen die Transparenz und Reaktionsfähigkeit ihrer Prozesse steigern, um so agil und wandlungsfähig auf Veränderungen zu reagieren.

Die momentane Pandemiesituation stellt zwar ein Extremszenario des turbulenten Produktionsumfelds dar, doch Warnungen vor nächsten Krisen – sei es durch den Klimawandel oder Unsicherheiten des Finanzsystems – existieren bereits und verdeutlichen, dass sich die Frequenz disruptiver Einschläge auf Unternehmen erhöht. Damit Unternehmen zukünftig einen Grad an Resilienz erreichen, der ein erfolgreiches Partizipieren auf den volatilen Märkten erlaubt, ist daher eine nachhaltige Umstrukturierung und Digitalisierung der Produktionssysteme unabdingbar.

Im Rahmen des Expertenforum PPS (www.expertenforum-pps.de), das am 17. Juni 2021 als hybrides Event stattfindet, bietet sich die Möglichkeit der Diskussion dieser Themen mit hochrangigen Vertretern aus Wissenschaft und Industrie auf dem Weg zu resilienten, digitalen und nachhaltigen Produktionssystemen von morgen. Die Auswahl mehrheitlich wissenschaftlich begutachteter Beiträge in dieser Ausgabe der „wt Werkstatttechnik online“ widmet sich bereits einiger dieser Themen sowie damit verbundenen Herausforderungen und Fragestellungen. Den Autoren der Fachbeiträge sei an dieser Stelle für ihr Mitwirken in der vorliegenden Ausgabe herzlich gedankt.

Von Peter Nyhuis

Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Nyhuis ist Institutsleiter am Institut für Fabrikanlagen und Logistik (IFA), Produktionstechnisches Zentrum Hannover (PZH) der Leibniz Universität Hannover.
Bild: Christian Wyrwa

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