Editorial der Ausgabe 1/2-2021 25.03.2021, 11:23 Uhr

Auf der anderen Talseite geht’s wieder hoch!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser der wt Werkstattstechnik online,

wie allgemein bekannt, ist das Marktvolumen der spanenden Fertigungstechnik in großem Maße durch den Automobilbau und im Besonderen durch die Fertigung der Motoren-, Getriebe- und Antriebsstrangkomponenten geprägt. Da aber die aktuell forcierte E-Mobilität auf andere Baugruppen und Komponenten zurückgreift, bedeutet dies, dass die bereits begonnene Umstellung auf diese neue Antriebsart auch ein Umdenken für die spanende Fertigung fordert. Dieser Umstellungsprozess benötigt aber nicht nur ein Umstellen der „Fertigungsbänder“ in den Betrieben, sondern vor allem auch ein Umdenken in den Köpfen aller beteiligen Personen. Ob nun die batteriegetriebenen Antriebssysteme der Weisheit letzter Schluss sind…? Zumindest sollte nicht vergessen werden, auch die passende Fertigungstechnik für alternative Antriebe, beispielsweise auf Wasserstoff-Basis zur Verfügung stellen zu können, und andererseits den Bereich der konventionellen Verbrenner-Antriebstechnik – zumindest so lange wie notwendig – nicht aus dem Auge zu verlieren.

Erschwert werden diese Prozesse durch die aktuell allgegenwärtige Corona-Pandemie. Hauptleidtragend im Mobilitätssektor ist sicherlich die Flugzeugindustrie. Eigentlich seit Langem ein Technologietreiber, steht diese Branche gegenwärtig vor besonderen Herausforderungen.

Wieviel Mobilität braucht es eigentlich? Digitalisierungsschub, Homeoffice und Video­konferenzen sind Teil der Umstellung und werden Teil des Umdenkens bleiben, auch wenn sich der persönliche Kontakt im geschäftlichen wie im privaten Bereich eben doch nicht ersetzen lässt.

Und noch etwas lernen wir wertzuschätzen: zuverlässige Lieferketten! Es bleibt abzu­warten, inwieweit sich diese Wertschätzung auf eine Re-Lokalisierung von Produktion und den Aufbau zusätzlicher Zulieferkapazitäten auswirken wird, wenn denn das Tal durchschritten ist. Im Hinblick auf die globalen Märkte darf man zuversichtlich sein.

Zu Recht muss allerdings wo es geht darauf aufmerksam gemacht werden, dass zum Umdenken ein anderer Umgang mit Energie und Ressourcen gehört. Als einer Schlüsseltechnologie kommt diesbezüglich der Fertigungstechnik eine besondere Verantwortung und Bedeutung zu.

Die im Rahmen dieser Ausgabe 1/2-2021 vorbereiteten Beiträge greifen von unterschiedlicher Seite aus die oben genannten Herausforderungen auf, indem auf zerspanungstechnologischer Seite zum Beispiel Fragestellungen bezüglich der Verschleißbeobachtung durch interne Maschinensignale, Fehlerdetektion beim Gewinden mit Maschinendaten und geklebte Schneidkeramiken im unterbrochenen Schnitt behandelt werden. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit dem autonomen Schleifen von Leichtbau-Karosserien, der Identifizierung und Quantifizierung von CBN-Korn-Verschleißmechanismen sowie mit Möglichkeiten zur Oberflächenkonditionierung bei anspruchsvollen Tiefbohrprozessen. Aber auch maschinen- beziehungsweise steuerungsspezifische Themen wie die Stör­größenkompensation für Vorschubantriebe, Methoden zur Erkennung von Druckluft­leckagen, eine energieeffiziente Bauteiltrocknung durch Abwärmenutzung, die Energieeffizienz von lufttechnischen Anlagen in der zerspanenden Industrie, eine autarke Datenerfassung zur (semi-) automatischen Aufnahme von SPS- und Sensordaten sowie wirkende Effekte der Sägekinematik auf die Prozesseffizienz finden ihre Berücksichtigung in dieser Ausgabe. Der anwachsenden Relevanz von Leichtbaustrategien und der damit verbundenen Ver- und Bearbeitung von Leichtbauwerkstoffen und -werkstoffkombinationen trägt ein Beitrag zum Heißdrahtschneiden mithilfe eines Industrieroboters Rechnung. Ein weiterer Fachartikel bewertet Energieeffizienzmaßnahmen indem die Fuzzy-Logik als eine Methode für die Risikobewertung dieser Maßnahmen unter Einbeziehung von Expertenwissen genutzt wird. Schließlich zeigt ein Beitrag Möglichkeiten auf, Wissen und Daten aus betrieblichen Chats nachhaltig und wertschöpfend zu nutzen.

Gewiss, der Lösungsraum zur Bewältigung der angesprochenen Herausforderungen ist riesig – umso spannender bleibt es, sich mit diesem Lösungsraum auseinanderzusetzen. Gerade in diesen Zeiten gilt es, auch Schüler und junge Studierende darauf aufmerksam zu machen. Sie werden gebraucht, denn: Auf der anderen Talseite geht’s wieder hoch!

Von Hans-Christian Möhring

Prof. Dr.-Ing. Hans-Christian Möhring ist Direktor des Instituts für Werkzeugmaschinen (IfW) der Universität Stuttgart.
Bild: IfW / Uni Stuttgart

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