Zum E-Paper
Öffentliche Stromerzeugung 2025Windkraft liefert den höchsten Beitrag 02.01.2026, 10:42 Uhr

Photovoltaik überholt Braunkohle

Der Anteil der in Deutschland in das öffentliche Stromnetz eingespeisten erneuerbaren Energien am Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, lag 2025 wie im Vorjahr bei 55,9 %. Ergebnisse einer Fraunhofer-Erhebung.

2025 hat die Sonne mehr zum Strommix in Deutschland beigetragen als Braunkohle. Foto: Smarterpix/Schuelli

2025 hat die Sonne mehr zum Strommix in Deutschland beigetragen als Braunkohle.

Foto: Smarterpix/Schuelli

Der stärkste Nettostromerzeuger 2025 war dabei die Windkraft, gefolgt von der Photovoltaik, die ihre Produktion um 21 % steigerte und somit erstmals die Braunkohle überholte. Der Anteil der Stromerzeugung aus fossilen Quellen stagnierte 2025, wobei die rückläufige Braunkohlestromerzeugung durch eine steigende Erdgasnutzung ausgeglichen wurde. Der Importanteil am Strommix ist 2025 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Grundlage dieser Auswertung ist die Datenplattform energy-charts.info des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, die für ganz Europa interaktive Grafiken zur Stromerzeugung bietet.

Wind und Photovoltaik waren in 2025 erstmals die führenden Nettostromerzeuger. Grafik: Fraunhofer ISE/energy-charts.info

Stärkster Nettostromerzeuger war die Windkraft, obwohl die Produktion aufgrund schlechterer Windverhältnisse mit 132 Terawattstunden (TWh) um 3,2 % niedriger war als im Vorjahr. Der Anteil von Wind onshore betrug etwa 106 TWh, Wind offshore erzeugte etwa 26,1 TWh. Onshore wurden 4,5 Gigawatt (GW) neuer Leistung zugebaut, offshore nur 0,29 GW. Damit bleibt der Windausbau deutlich unter den deutschen Ausbauzielen zurück: Ende 2025 war eine installierte Leistung von 76,5 GW vorgesehen, tatsächlich installiert sind nur 68,1 GW.

Photovoltaikanlagen haben im Jahr 2025 ca. 87 TWh Strom erzeugt. Davon wurden ca. 71 TWh in das öffentliche Netz eingespeist und beachtliche 16,9 TWh selbst verbraucht. Die gesamte Produktion hat sich gegenüber dem Vorjahr um ca. 15 TWh bzw. 21 % erhöht, wodurch die Photovoltaik bei der öffentlichen Nettostromerzeugung auf Platz zwei vorrückte. Die installierte Solarleistung lag Ende 2025 bei 116,8 GW Modulleistung (DC), über das Jahr wurden ca. 16,2 GWDC Leistung netto zugebaut (entspricht 14,3 GWAC). Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, muss dieser Ausbau 2026 auf 22 GW gesteigert werden.

Lesetipp: Geht KI bald der Saft aus?

Der starke Anstieg der Solarstromerzeugung ist ein EU-weiter Trend: 2025 lag die Stromerzeugung aus PV in den EU-Ländern mit 275 TWh erstmals über der Summe aus Braun- und Steinkohle (243 TWh). In zehn Jahren hat sich die Erzeugung aus Photovoltaik verdreifacht, die Kohlestromerzeugung ging dagegen um 60 % zurück.

Aus Biomasse wurden in Deutschland ca. 41,1 TWh Strom produziert (2024: 37 TWh), wobei 36 TWh ins Netz eingespeist und 5,1 TWh selbst verbraucht wurden. Die Wasserkraft produzierte aufgrund niedriger Niederschläge nur ca. 17,8 TWh (2024: 22,3 TWh). Mit 655 l/m2 lag die Niederschlagsmenge in Deutschland 27 % niedriger als 2024 (902 l/m²) und 17 % unter dem Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 (789 l/m²).

In Summe wurden 278 TWh aus Erneuerbaren gewonnen

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie im Jahr 2025 ca. 278 TWh, wovon 256 TWh in das öffentliche Stromnetz eingespeist und 22 TWh selbst verbraucht wurden. Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien stieg gegenüber dem Vorjahr um 6 TWh. Dennoch verfehlt die erneuerbare Nettostromerzeugung deutlich den für 2025 angestrebten Wert von 34 TWh. Hauptursache sind die Ausbauverfehlungen bei Wind onshore und offshore: Aufgrund unterschiedlicher Volllaststunden wirken sich fehlende Leistungen bei Wind onshore etwa doppelt, bei Wind offshore rund 3,5-fach auf die Strommengen aus. Hinzu kommen hohe Eigenverbrauchsanteile bei Photovoltaik sowie zunehmend suboptimale Ausrichtungen (z. B. Ost-West), die die Netzverträglichkeit verbessern, aber den spezifischen Ertrag senken.

Bei Batteriespeichern ist eine besonders dynamische Entwicklung zu beobachten. Hohe untertägige Strompreisschwankungen machen ihren Betrieb attraktiv, während stark gesunkene Kosten infolge der Skalierung im Mobilitätssektor Investitionen begünstigen. Entsprechend wächst das Interesse an Netzanschlüssen für Großbatteriespeicher, von denen bereits mehrere in Betrieb sind; im Marktstammdatenregister sind zudem 11,5 GWh mit geplantem Inbetriebnahmedatum verzeichnet. Die Kapazität der Großbatteriespeicher stieg im Jahresverlauf von 2,3 GWh auf 3,7 GWh (+60 %). Insgesamt sind derzeit knapp 25 GWh Batteriespeicher-Kapazität installiert, der Großteil mit knapp 20 GWh als Heimspeicher. Die Modellierungen des Fraunhofer ISE zeigen je nach Szenario bis 2030 einen Speicherbedarf von 100 GWh bis 170 GWh auf. „Mit dem Hochlauf von Großbatteriespeichern verändert sich die Funktionsweise des deutschen Stromsystems grundlegend. Während Effekte auf die kurzfristige Flexibilitätsbereitstellung bereits sichtbar sind, lassen sich systemische Auswirkungen z.B. auf Reservekraftwerke bislang nur abschätzen. Diese Entwicklungen erfordern, Batteriespeicher explizit in der Ausbauplanung, in der Systemplanung sowie im Strommarktdesign zu berücksichtigen“, erklärt Leonhard Gandhi, Projektleiter Energy-Charts am Fraunhofer ISE.

EU-weit lag die Photovoltaik 2025 erstmals vor der Kohlestromerzeugung. Grafik: Fraunhofer ISE/energy-charts.info

Die Netto-Stromerzeugung aus Braunkohlekraftwerken ging um 3,9 TWh auf 67,2 TWh zurück. Die Bruttostromerzeugung fiel auf das Niveau von 1961.

Die Nettoproduktion aus Steinkohlekraftwerken für den öffentlichen Stromverbrauch stieg leicht auf 26,7 TWh (2024: 24,3 TWh). Die Bruttostromerzeugung aus Steinkohle lag auf dem Niveau von 1952. Erdgaskraftwerke haben 52,4 TWh netto für die öffentliche Stromversorgung und 26,1 TWh für den industriellen Eigenverbrauch produziert. Die Produktion lag damit 3,7 TWh über dem Niveau des Vorjahres.

Lesetipp: Eingebettete KI für nachhaltige Fräsprozesse

58 % weniger CO2-Emissionen seit 1990

Die Kohlendioxidemissionen über alle Quellen der deutschen Stromerzeugung lagen nach ersten Hochrechnungen bei 160 Mio. t (auf dem Niveau von 2024) und 58 % niedriger als zu Beginn der Datenerhebung 1990. Die Emissionen der Kohleverstromung sind gegenüber dem Vorjahr um 4 % gestiegen und gegenüber 1990 um 69 % gesunken.

Im Jahr 2025 hatte Deutschland beim Stromhandel einen Import von 76,2 TWh gegenüber einem Export von 54,3 TWh, wodurch sich im Saldo ein Importüberschuss von ca. 21,9 TWh ergab. Das ist ein Rückgang von 6,4 TWh gegenüber 2024. Gründe für die zurückgegangenen Importe waren insbesondere die niedrigen Gaspreise und die höheren Börsenstrompreise in Deutschland und den Nachbarländern, die zu mehr Eigenerzeugung aus Erdgas führten. Der Großteil der Importe kam aus Dänemark (12,4 TWh), Frankreich (11,2 TWh), den Niederlanden (8,4 TWh) und Norwegen (7 TWh). Deutschland exportierte Strom im Saldo nach Österreich (12,2 TWh), Tschechien (4,2 TWh), Luxemburg (3,5 TWh) und Polen (3,4 TWh).