Start-up wird Know-how-Lieferant 28.04.2021, 07:00 Uhr

Teilebeschaffung in der Fertigungsindustrie automatisieren

Mit intelligenten Algorithmen und Plattform-Technologie möchte ein junges Unternehmen gemeinsam mit dem VDW und einem ERP-Spezialisten die Digitalisierung in der Werkzeugmaschinenindustrie voranbringen.

Dr. Johannes Schmalz (links) und Dr. Markus Westermeier (Mitte) entwickelten die Idee zu Spanflug während ihrer Promotion am iwb (Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften) der Technischen Universität München und gründeten das Unternehmen im Januar 2018 gemeinsam mit Dr. Adrian Lewis (rechts). Foto: Spanflug

Dr. Johannes Schmalz (links) und Dr. Markus Westermeier (Mitte) entwickelten die Idee zu Spanflug während ihrer Promotion am iwb (Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften) der Technischen Universität München und gründeten das Unternehmen im Januar 2018 gemeinsam mit Dr. Adrian Lewis (rechts).

Foto: Spanflug

Der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main, hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung an der Spanflug Technologies GmbH aus München beteiligt. Das Start-up ist seit 2018 am Markt und wurde aus dem Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) der Technischen Universität München (TUM) ausgegründet. Es hat sich zum Ziel gesetzt, den Angebots- und Teilebeschaffungsprozess in der Fertigungsindustrie zu automatisieren. Dafür sind zwei Produkte im Einsatz: Eine Plattform, auf der sich Kunden mit Lieferanten vernetzen und ihre Bestellung abwickeln können, sowie eine Software, mit der Anbieter ihre Angebote automatisiert, schnell und transparent erstellen können. Als dritter Partner ist dafür seit Kurzem die Firma EVO Informationssysteme mit ihrem ERP (Enterprise-Resource-Planning)-System „EVOcompetition“ involviert.

Partnerschaft ist „Neuland“ für beide Seiten

„Wir freuen uns sehr, mit dem VDW einen idealen Partner gefunden zu haben, der in unserer Branche bestens vernetzt ist“, sagt Firmengründer Dr. Markus Westermeier. „Da beide Seiten an einer langfristigen, engen Zusammenarbeit interessiert sind, wurde sehr schnell – über die inhaltliche Kooperation hinaus – eine finanzielle Beteiligung des VDW ins Auge gefasst und umgesetzt“, berichtet er weiter. „Wir haben die Lösung von Spanflug mit einigen unserer Mitglieder evaluiert und festgestellt, dass die Technologie im internationalen Wettbewerb führend bei der Analyse und Kostenberechnung von CNC-Teilen ist“, ergänzt Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW.

„Die Beteiligung bietet großes Potenzial, sowohl für unsere Mitgliedsunternehmen und deren Kunden als auch für den gesamten Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland. Ziel ist es, durch die Nutzung der Spanflug-Technologie und dem damit verbundenen Effizienzgewinn langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Fertigungsindustrie in Deutschland zu sichern.“ Und er fügt hinzu: „Der VDW als Verband schlägt mit der Beteiligung ebenfalls ein neues Kapitel auf, indem er in ein neues Geschäftsfeld einsteigt.“

Führend bei Analyse und Kostenberechnung von CNC-Teilen

Die Fertigungsplattform von Spanflug Technologies ist spezialisiert auf CNC-Dreh- und Frästeile. Sie bietet den Kunden einen vollständig automatisierten Beschaffungsprozess. Dies reicht von der Preiskalkulation bis zur Bestellung im Online-Shop. Der Kunde bekommt bei seiner Anfrage sofort Preis und Lieferzeit angezeigt.

Spanflug analysiert das CAD-Modell und die technische Zeichnung eines zu fertigenden Bauteils und kalkuliert auf Basis dieser Daten in wenigen Sekunden mithilfe der ERP-Lösung von EVO Informationssysteme einen Preis.

Foto: Spanflug

„Unsere Software kalkuliert den Preis automatisiert auf Basis eines CAD-Modells und einer technischen Zeichnung“, erläutert Dr. Adrian Lewis, Mitgründer von Spanflug. „Gibt es Änderungen in der Konstruktion, kann sofort der neue Preis berechnet werden. Aktuell lassen sich für über 90 Prozent der Bauteile automatisch Angebotspreise berechnen. Dahinter steht ein selbst entwickelter Preisalgorithmus, den wir ständig verbessern, um noch mehr Bauteile automatisch bearbeiten zu können“, sagt er. Inzwischen bestellen über 1.000 Kunden Bauteile auf der Plattform, und es wurden Preise für mehr als 100.000 Fertigungsteile kalkuliert.

An die Plattform angeschlossen ist bereits ein großes Netzwerk von mehr als 70 leistungsfähigen Fertigungsbetrieben aus Deutschland und Österreich. „Darauf legen wir großen Wert, damit die Qualität stimmt und eine schnelle Lieferung sichergestellt ist“, bekräftigt Lewis. Vorteil für den Kunden: Er kann den gesamten Bestellvorgang von Tagen auf nur noch wenige Minuten verkürzen, spart bei der Lieferantensuche Zeit und minimiert seinen Aufwand für Kommunikation und Qualifizierung der Lieferanten. Das senkt die Nebenkosten in der Beschaffung. Die Fertigungsbetriebe ihrerseits können ungenutzte Kapazitäten eliminieren und Vertriebs- und Marketingkosten einsparen.

Qualitätsteile und Software-as-a-Service ergänzen sich

Das zweite Standbein von Spanflug ist die automatische Preiskalkulation für Fertigungsbetriebe als Software-as-a-Service. Damit können Fertigungsbetriebe ihre Angebotskalkulation in wenigen Schritten automatisieren und für die für ihren Betrieb optimierten Angebote rasch mit wenigen Mausklicks erstellen. In der Automatisierung der Kalkulation werden große Chancen gesehen, sowohl auf Kundenseite als auch aus Sicht der Fertigungsbetriebe. Hier kommt die Firma EVO Informationssysteme „mit ins Spiel“ und zum Spanflug-System die ERP-Lösung EVOcompetition hinzu. Durch die Verbindung der beiden Systeme können Anwender die Kalkulationsergebnisse – zum Beispiel Staffelpreise und Materialeinsatz – für die Angebotserstellung und in der späteren Auftragsabwicklung nutzen. Sie erhalten reproduzierbare Daten und sparen sich die manuelle Erfassung von Daten im ERP-/PPS-System mit nur grob geschätzten Bearbeitungszeiten für ein Bauteil.

Der Mitarbeiter prüft den Kalkulationsvorschlag und überträgt die Daten über die Anbindung in das ERP-System. Das Team kann auf Basis der erzeugten Stammdaten sekundenschnell und effizient Angebote erstellen und dem Kunden unterbreiten. Mithilfe der beiden Lösungen können Fertigungsbetriebe den gesamten Angebotsprozess beschleunigen und Kundenanfragen deutlich schneller beantworten.

Durch die Anbindung können die mit Spanflug gewonnen Daten schnell und effizient im ERP (Enterprise-Resource-Planning)-System weiterverarbeitet werden. Grafik: Spanflug / EVO Informationssysteme

Transparente Daten als Basis für die weitere Optimierung

„Durch die Anbindung der innovativen Kalkulationslösung von Spanflug unterstützen wir unsere Kunden dabei, fundierter zu kalkulieren und nochmals die Schnelligkeit im Angebotsprozess durch Algorithmen in der Software zu steigern“, erklärt Jürgen Widmann, Geschäftsführer von EVO Informationssysteme, die Synergien der Zusammenarbeit. „Und über die Systeme von EVO können die mit Spanflug gewonnen Daten im gesamten Wertschöpfungsprozess im Unternehmen digital weiterverarbeitet und genutzt werden.“ Die EVO Informationssysteme GmbH in Durlangen wurde 1997 gegründet mit dem Ziel, die Digitalisierung von Unternehmen vor allem in der Metallbearbeitung voranzutreiben.

Auch diese beiden Partner möchten ihre Technologiekooperation weiter ausbauen. In Zukunft sollen weitere Daten aus der Kalkulation in die Systeme von EVO übertragen werden, beispielsweise der Fertigungsablauf sowie die ausgewählten Werkzeugmaschinen und Werkzeuge. Auf Grundlage dieser Daten kann die Arbeitsvorbereitung vereinfacht und beschleunigt werden. So werden Arbeitsplaner bei der Auswahl der optimalen Maschine unterstützt und CAM-Programmierer erhalten Vorschläge für geeignete Werkzeuge. „Diese Kooperation beweist ganz anschaulich, wie Industrie 4.0 in der Praxis tatsächlichen Mehrwert für Fertigungsunternehmen in allen Bereichen der Auftragsabwicklung generieren kann – von der Angebotsstellung bis in die Fertigung“, schildert Markus Westermeier von Spanflug.

Positives Fazit aller Beteiligten

Mithilfe der Beteiligung des VDW möchten die Spanflug-Gründer sowie ihr Partner EVO die Entwicklung der Plattform-Technologie noch schneller vorantreiben und unter Einbeziehung der Werkzeugmaschinenhersteller deutlich ausbauen. Dabei können sie vom Netzwerk des VDW und dem engen Austausch mit den innovativen Unternehmen der Branche profitieren.

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