Steuerungstechnik für Werkzeugmaschinen 20.09.2021, 11:13 Uhr

Innovationsführer präsentieren sich zur EMO virtuell und real

Eine EMO 2021 – zwei Formate: Unter diesem Motto zeigen zwei Vorreiter der Steuerungs- und Digitalisierungstechnologie das „nächste Level“ sowohl live auf der Messe in Mailand als auch online auf virtuellen Eigenveranstaltungen.

Eine EMO-Neuheit ist das Tastsystem TS 760: Es  tastet Werkstücke mit besonders hoher 3D-Genauigkeit und sehr geringen Kräften an, um Beschädigungen zu vermeiden. Foto: Heidenhain

Eine EMO-Neuheit ist das Tastsystem TS 760: Es tastet Werkstücke mit besonders hoher 3D-Genauigkeit und sehr geringen Kräften an, um Beschädigungen zu vermeiden.

Foto: Heidenhain

Auf der EMO 2021 will Heidenhain, Traunreut, ein neues Kapitel für die Steuerung von Werkzeugmaschinen aufschlagen. Denn dort soll das nächste Level der werkstattorientierten Fertigung Premiere feiern – und das gleich doppelt. Sowohl die Besucher der EMO Milano als auch jene bei der „virtuellen Messe für die Werkzeugmaschine“ können im Oktober einen ganzen Monat lang live die neue Steuerungsgeneration erleben. Darüber hinaus gibt es viele weitere Neuheiten rund um die Digitalisierung der Werkstatt und für mehr Effizienz und Prozesssicherheit im Betrieb entdecken.

Neues Steuerungslevel reicht von der ersten Idee bis zum Finish

Anwender und Hersteller von Werkzeugmaschinen sollen mit der Steuerungspremiere Anfang Oktober völlig neue Möglichkeiten erleben: Denn die Neuheit unterstützt den Anwender von der ersten Idee bis zum Finish des Werkstücks. Ihre Bedienung ist intuitiv, aufgabenorientiert und individuell. Dafür sorgen viele smarte Funktionen, die die werkstattorientierte Fertigung nach Meinung der Traunreuter „in eine neue Dimension führen“. Maschinenherstellern erlaubt die zukunftsweisende Steuerungsplattform, die Benutzungsoberfläche an ihre spezifischen Maschinen anzupassen. Außerdem werden dynamische Weiterentwicklungsmöglichkeiten für noch mehr Funktionalitäten bereitgehalten.

Highlights für mehr Transparenz, Effizienz und Prozesssicherheit

Die Digitalisierung, eine effiziente Fertigung und sichere Prozesse sind die topaktuellen Themen für die Werkstatt. Sowohl auf der EMO als auch auf der virtuellen Messe wird präsentiert:

  • Die Digitale Werkstatt: Diese bietet praxisnahe Lösungen und kompetente Dienstleistungen für eine durchgängige Digitalisierung mit 360°-Blick auf die Werkstatt. Dazu gehören z. B. die Software „StateMonitor“ zur Maschinendatenerfassung oder der Digitale Zwilling als wirklichkeitsgetreues Abbild der Maschine auf dem Programmierplatz. Auf der EMO 2021 wird die Digitale Werkstatt außerdem neue Monitoring- und Management-Softwarelösungen vorstellen, mit denen Anwender auch bei der Mehrmaschinenbedienung den Programmfortschritt der einzelnen Maschinen im Fokus behalten können.
  • Optimierte Funktionen: Das Wirbelfräsen der nächsten Generation – das OCM (Optimized Contour Milling) – nutzt automatisch die beste Wirbelfrässtrategie für beliebige Taschen und Inseln. So kann ein erheblich größeres Bauteilspektrum immer mit den optimalen Schnittwerten bearbeitet werden, um produktiver und werkzeugschonender zu fräsen. Wie einfach und wirkungsvoll der Digitale Zwilling, der StateMonitor und OCM in einer digitalen Prozesskette zusammenspielen, zeigen die Live-Vorführungen auf der EMO Milano: Das Moderatorenteam programmiert das Werkstück mit dem Digitalen Zwilling, überträgt das NC-Programm online an die neue Steuerung, startet die Bearbeitung über den StateMonitor und fertigt dann auf der Messemaschine mit OCM.
  • Verbesserte Werkstückvermessung: Das neue Tastsystem TS 760 erlaubt eine Vermessung mit besonders hoher 3D-Genauigkeit und sehr geringen Antastkräften bei hohen Messvorschüben bis 1000 mm/min. Damit ist es vor allem für Präzisionsbauteile im Formenbau und hochempfindliche Werkstücke geeignet. Weitere Merkmale sind die kompakte Bauform und die integrierten Abblasdüsen, mit denen der Antastbereich für optimale Messergebnisse von Spänen befreit werden kann.
  • Optimierte Abnahmeprozesse: Das Vergleichsmessgerät RVM 4000 ist eine neue Lösung, um die Positioniergenauigkeit von Rundtischen und Schwenkachsen mit einer Systemgenauigkeit von kleiner als einer Winkelsekunde zu vermessen. Dank der großzügigen Anbautoleranzen können z. B. Abnahmetests nach ISO 230–2 sehr einfach, schnell und präzise in der Werkstatt durchgeführt werden.
  • Bessere Spindelkontrolle: Der neue AMO-Drehzahlsensor speichert die Betriebszustandsdaten der Spindel und ermöglicht deren Auslesen offline. Der Drehzahlsensor kombiniert die notwendige hohe Dynamik und funktionale Sicherheit mit einfacher Montage und großzügigen Anbau- und Betriebstoleranzen.

Im Bereich der Maschinenkomponenten stellt Heidenhain die LC-Längenmessgeräte und die RCN-Winkelmessgeräte mit optimierter Optik vor – für eine ungetrübte Sicht auch bei flüssigen Verschmutzungen und Kondensation. Das vereinfacht das Sperrluftsystem, sodass die Vorteile einer Positionserfassung im Closed Loop bei deutlich reduzierten Systemkosten genutzt werden können. Außerdem verkleinert der Verzicht auf Sperrluft den CO2-Footprint der Maschine.

Die „virtuelle EMO“ von Heidenhain bietet Live-Sessions vom 10. Oktober bis zum 29. Oktober 2021. Auf der „realen“ EMO Milano sind die Spezialisten vom 4. bis zum 9. Oktober vertreten, und zwar in Halle Halle 7, Stand F05.

Effiziente Datentechnik für die Werkzeugmaschinenindustrie

Die Herausforderungen wachsen stetig weiter: Die Covid-19-Pandemie hat das Tempo von Veränderungen in den Märkten und die damit einhergehenden Anforderungen deutlich beschleunigt. Hinzu kommen die wachsende Individualisierung und der dringende Bedarf nach mehr Nachhaltigkeit. Das alles lässt sich mit Hilfe von Digitalisierung und Automatisierung am besten bewältigen. Die riesigen Datenmengen, die dabei entstehen, will Siemens, Erlangen/Nürnberg, in einem kontinuierlichen Kreislauf zwischen realer und digitaler Welt zusammenbringen. So können Mitarbeitende in Industrieunternehmen aller Art passende Entscheidungen, die auf Daten basieren, treffen und schneller auf Trends und Veränderungen reagieren.

Der Fokus richtet sich anlässlich der EMO Milano selbstverständlich auf die Werkzeugmaschinenindustrie. Die Aktivitäten stehen in diesem Jahr unter dem Motto: „Digitalization in Machine Tool Manufacturing – Infinite opportunities from infinite data“. Hierfür fährt das Unternehmen ebenfalls „zweigleisig“: Auf der EMO Milano sind die Neuheiten in Halle 7, Stand E06 zu sehen. Zugleich werden die virtuellen „Siemens Machine Tool Days 2021“ veranstaltet – für all jene Interessenten, die nicht persönlich zur EMO kommen können. Hier ist es möglich, weitere Eindrücke aus Live-Präsentationen, Vorträgen und sogar Podiumsdiskussionen mitzunehmen – mit dem Ziel, das volle Potenzial von Daten für eine höhere Produktivität im eigenen Unternehmen zu nutzen.

Die Verbindung der realen mit der digitalen Welt erlaubt es Herstellenden und Anwendenden von Werkzeugmaschinen, flexibel und nachhaltig zu handeln. Grafik: Siemens

Neue Steuerungsgeneration bietet mehr Komfort und Flexibilität

Wie ein schnelles Reagieren auf Trends funktioniert, wird anhand der 2019 in den Markt als „Digital Native“ eingeführten CNC (Computerized Numerical Control) „Sinumerik One“ gezeigt. Im Mittelpunkt des Messeauftritts und des virtuellen Events steht eine Fertigungsanlage mit zwei derart gesteuerten Maschinen – einem 5-Achs-Fräszentrum und einer Additive-Manufacturing-Maschine auf Roboterbasis. Mit diesen beiden Maschinen können zum Beispiel Zahnräder von Großgetrieben repariert werden, anstatt sie zu ersetzen. Eingesetzt werden derartige Getriebe in Bereichen wie der Windenergie, wo sie durch die enormen Reibungskräfte einem natürlichen Verschleiß unterliegen und deshalb in bestimmten Zeitintervallen ausgetauscht werden müssen.

Highlight-Case vereint zwei verschiedene Fertigungstechnologien

Siemens demonstriert auf der EMO Milano und den Siemens Machine Tool Days, wie die Zahnräder zunächst im Fräszentrum plan gefräst werden. Anschließend kommt ein Roboter zum Einsatz, der in additivem Fertigungsverfahren die Zähne neu aufbaut. Der letzte Präzisionsschliff folgt am Ende wieder auf dem 5-Achs-Fräszentrum. Durch die Reparatur anstelle der Neuproduktion werden nicht nur Materialressourcen eingespart, sondern auch ca. 60 Prozent an Energie. Sinumerik One repräsentiert dabei das Kernelement des Anbieters für die digitale Transformation der Werkzeugmaschinenwelt. Dank des digitalen Zwillings via „Create MyVirtual Machine“ konnten beide Maschinen parallel entwickelt, getestet und funktional abgenommen werden, lange bevor die reale Maschine in Betrieb genommen wurde. Maschinenbauende gelangen somit schneller zu einer besseren Maschine und Maschinen-Anwendende schneller zum richtigen Werkstück.

Mit dem „Digital-Enterprise“-Portfolio sollen Betriebe bestmöglich bei aktuellen Herausforderungen unterstützt werden: Mithilfe von digitalen Zwillingen und dem Einsatz von Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz oder industriellem Edge-Computing können Maschinenbauende und -Anwendende entstehende Daten sammeln, analysieren, verstehen und somit sinnvoll nutzen. Dadurch soll es möglich werden, schnell und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren, Produkte und Herstellungsprozesse an neue Bedarfe anzupassen und Ressourcen zu sparen.

Innovative Technologie für die Maschinenbedienung

Die Sinumerik One bietet pünktlich zur Messe neue Funktionen und Technologie-Updates. „Machine Control Panel“ (MCP) ist eine intuitive Maschinenbedienung, die CNC-Anwendern mehr Komfort, Effizienz und Flexibilität bieten soll. Das neue ergonomische Metalldesign lässt sich in bestehende Bedienkonzepte integrieren und passt für 19-Zoll- bis 24-Zoll-Panels. Es kann somit individuell für kundenspezifische Anforderungen konfiguriert werden. Neue Funktionalitäten erleichtern zudem das Bedienen: So kombiniert der sogenannte „Powerride“ den Override-Schalter mit dem NC-Startknopf für ein einfaches und effizientes Einrichten. Mit der integrierten LED-Skala im Powerride können IST-Werte von nun an visualisiert werden. Mit dem Powerride wird der Vorschub nach Satzende automatisch zurückgesetzt, was das Bedienen effektiv und einfach macht. Zudem gibt er haptisch durch kurze Vibration Rückmeldung, sobald ein definierter Grenzwert überschritten wird. Das erhöht die Wahrnehmung dieser Werte und unterstützt die Blindbedienung des Panels.

Mit „Industrial Edge“ bietet Siemens ein Konzept, bei dem sowohl Maschinenbauende als auch -Anwendende je nach Bedarf die Vorteile der Datenverarbeitung mittels Edge- beziehungsweise Cloud-Computing flexibel nutzen können. Für die Echtzeitanalyse von Daten vor Ort in der Fertigung sowie deren intelligente Nutzung wird das Portfolio auch im Bereich Edge-Computing für Werkzeugmaschinen erweitert. Mit den neuen Hardwarevarianten „IPC 127E“ und „IPC 427E“ wird die Skalierbarkeit der Edge-Hardware möglich sein.

Das könnte Sie auch interessieren:

Virtuelle Inbetriebnahme steigert Verfügbarkeit von Werkzeugmaschinen

Fertigung: Wenn aus Daten Wissen wird – ECO-System verwaltet zentral alle Daten für die Fertigung

Wie Maschinenbauer von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren

Neuartige Sensortechnologien überwachen Fertigungsprozesse

Von Birgit Etmanski

Top Stellenangebote

CURRENTA-Firmenlogo
CURRENTA Leitung Project Procurement, Claim & Contract Management Ingenieurwissenschaften (m/w/d) Leverkusen
BASF SE-Firmenlogo
BASF SE Referent_in Anlagensicherheit (m/w/d) Ludwigshafen am Rhein
Hochschule Bremerhaven-Firmenlogo
Hochschule Bremerhaven Professur (W2) für das Fachgebiet Anlagen- und Schiffsbetriebstechnik Bremerhaven
CONDOK GmbH-Firmenlogo
CONDOK GmbH Ingenieur/Techniker als Spezialist (m/w/d) - Technische Sicherheit und CE-Kennzeichnung Kiel
BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung-Firmenlogo
BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Bauleiter (m/w/d) im Bereich Mess-, Steuerungs-, und Regelungstechnik / MSR Hamburg
BAM Deutschland AG-Firmenlogo
BAM Deutschland AG Projektleiter (m/w/d) im Bereich Rohbau / Schlüsselfertigbau Berlin
Universität Konstanz-Firmenlogo
Universität Konstanz Referent/in Energiemanagement (w/m/d) Konstanz
Hochschule Hannover-Firmenlogo
Hochschule Hannover Professur (W2) Technischer Vertrieb und Marketing Hannover
Hochschule Hannover-Firmenlogo
Hochschule Hannover Professur (W2) Elektrische Antriebssysteme und Automatisierungstechnik Hannover
Hochschule Hannover-Firmenlogo
Hochschule Hannover Professur (W2) Teschnische Mechanik - Schwerpunkt Technische Dynamik Hannover
Zur Jobbörse