Tool minimiert die Risiken 11.12.2020, 10:49 Uhr

Wie ein besseres Qualitätsmanagement im Maschinenbau gelingt

Für Maschinenbauer und Konstrukteure ist Qualitätsmanagement ein echtes Sicherheitsthema. Denn die Forderung lautet, eine für die Umwelt und den Benutzer sichere Maschine in den Umlauf zu bringen.

Im Maschinenbau muss ein Unternehmen gewährleisten, dass die gesetzlichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen eingehalten werden, sodass durch sein Produkt weder Umwelt noch Nutzer zu Schaden kommen. Foto: CE-Con

Im Maschinenbau muss ein Unternehmen gewährleisten, dass die gesetzlichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen eingehalten werden, sodass durch sein Produkt weder Umwelt noch Nutzer zu Schaden kommen.

Foto: CE-Con

Nur, wenn die Risikobewertung des Konformitätsbewertungsverfahrens vollständig abläuft, ist man rechtlich auf der sicheren Seite. Manuelle Prozesse und eine händische Dokumentation bergen dabei jede Menge Fehlerquellen – es ist einfacher und vor allem sicherer, sich hier der Digitalisierung zu bedienen und ein cloudbasiertes Software-Tool einzusetzen.

Risiken beherrschen

 Die Mutternorm des Qualitätsmanagements, die ISO 9001, legt fest, welche Prozesse erforderlich sind, damit ein Unternehmen gleichbleibende Qualität in Dienstleistung und Produkten liefern kann. Das Risikomanagement betrifft hier die gängigen Herausforderungen des unternehmerischen Alltags – Ausfälle von Strom oder Internet, das Wegbrechen von wichtigen Kunden oder Ausnahmesituationen wie die Corona-Krise. Neben dieser organisatorischen Qualitätssicherung durch Qualitätsbilanz, Risikomanagement und anderem ist im Maschinenbau zudem relevant, wie ein Unternehmen gewährleistet, dass die gesetzlichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen eingehalten werden, sodass durch das Produkt weder Umwelt noch Nutzer zu Schaden kommen.

Hier ist die Risikobewertung von Maschinen und Anlagen maßgeblich. Geht ein Schadensfall vor Gericht, ermittelt die Staatsanwaltschaft anhand der Risikobeurteilung. Ist sie fehlerhaft oder nicht vorhanden, gehen Unternehmen damit ein großes Risiko ein, das Konsequenzen bis zur Insolvenz haben kann. Die Durchführung der Risikobewertung als Teil des Konformitätsbewertungsverfahrens ist deswegen eine Eigensicherung für Hersteller. Ohne Risikobeurteilung kann dagegen kein Nachweis geliefert werden, was unternommen wurde, um ein sicheres Produkt herzustellen.

 Konformitätserklärung muss auf die aktuellen Normen referenzieren

EU-Richtlinien, die in nationale Gesetzgebung umgesetzt werden, regeln die Anforderungen an Maschinen und Anlagen. Um eine hohe, gleichbleibende und sicherheitsbezogene Qualität zu erreichen, ist die Einhaltung dieser gesetzlicher Anforderungen zwingend erforderlich. Richtlinien legen dabei die allgemeinen Anforderungen fest – ihre harmonisierten Normen definieren das „Wie“ der Ausführung. Sie werden im Amtsblatt der EU veröffentlicht und konkretisieren mit speziellen Ausführungsbeschreibungen die allgemeinen gesetzlichen Anforderungen der jeweiligen Richtlinie.

Diese Richtlinien und die harmonisierten Normen ändern sich allerdings: Es gibt immer wieder eine neue Auslegung dieser Gesetze, wie z. B. den Leitfaden für die Anwendung der Maschinenrichtlinie. Die Aktualisierungen im Blick zu behalten ist aufwendig – die Verantwortung liegt in Unternehmen oft bei Menschen, deren Kerngeschäft die Konstruktion und nicht der rechtliche Unterbau ist. So passieren Fehler: In der Praxis verweisen viele Konformitätserklärungen von Maschinen auf nicht mehr aktuelle Richtlinien. Da die Norm den Stand der Technik widerspiegelt, fußen diese Anlagen auf einem veralteten Stand und hätten rein rechtlich nicht auf den Markt gebracht werden dürfen. Im Schadensfall kann das gravierende haftungsrechtliche Folgen für ein Unternehmen haben: Reputationsverlust, Rückrufaktionen und aufwendige Nachbesserungen bei Serienprodukten können zu massivem finanziellen Schaden führen.

 Qualitätsmanagement im Maschinenbau: So klappt es

Ein erster Schritt im Qualitätsmanagement ist deswegen zwingend das Wissen um und die Einhaltung aktueller Vorschriften. So wird sichergestellt, dass alle in der Risikobeurteilung bestimmten Schutzmaßnahmen zum sicheren Umgang oder Betrieb des jeweiligen Produktes auch gewährleistet sind. Diese Umsetzung der Maßnahmen ist sowohl bei der Herstellung von Unikaten, als auch bei Serienprodukten wichtig. Gerade bei Letzteren müssen alle den Anforderungen genügen, egal, wann sie vom Band gelaufen sind.

Ein Prozess sollte deswegen die in der Risikobeurteilung festgelegten Maßnahmen sicherstellen: Die definierten physikalischen Schutzeinrichtungen müssen installiert und funktionstüchtig sein. Benutzerinformationen in Form von Piktogrammen müssen an den Stellen, die in der Risikobewertung definiert wurden, angebracht sein. Zudem müssen alle weiteren Hinweise zum sicheren Umgang Bestandteil der Betriebsanleitung sein. Und nicht zuletzt müssen die „Performance Level“, die seitens der Risikobewertung erwartet werden, auch tatsächlich durch das Design der funktionalen Sicherheit erreicht werden.

Richtlinien und Normen ändern sich immer wieder, zum Beispiel der Leitfaden für die Anwendung der Maschinenrichtlinie.

Foto: CE-Con

Qualitätsmanagement ist dabei ein ständiger Begleiter in den Fachabteilungen von Maschinenbauern: Um eine gleichbleibende und bestmögliche Qualität zu erreichen, ist die Durchführung qualitativer und somit sicherheitsbezogener Aspekte eine permanente Aufgabe und ein iterativer Prozess in immer neuen Schleifen.

 Mit Software die Maßnahmen leichter überprüfen

Eine Software wie das Tool „CE-Con Safety“ des Maschinenbau-Experten CE-Con aus Bremen kann den Prozess der Überprüfung unterstützen: Von der Idee bis zur Auslieferung einer Anlage wird sichergestellt, dass alles, was durch die Risikobewertung gefordert wurde, auch eingehalten wird. Unternehmen bilden das oft noch über Excel-Listen ab – besonders hoch wird das Risiko für Fehler allerdings, wenn nicht nur sie selbst, sondern auch Externe wie Zulieferer beteiligt sind. Denn auch sie müssen Standards erfüllen und das auch nachweisen können.

Über eine Software können alle in der Risikobewertung getroffenen Maßnahmen als Checkliste online mit jedem webfähigen Gerät über Checklisten überprüft werden. Optimal ist dabei ein cloudbasiertes Tool: Es erlaubt eine Zusammenarbeit zwischen allen Wertschöpfungsprozess beteiligten Abteilungen und Dienstleistern. Die Cloud macht es auch möglich, dass mehrere Abteilungen immer auf dem gleichen Ausgabestand arbeiten können, während eine zeitgleiche Bearbeitung stattfindet. So haben alle die notwendigen Informationen auf Knopfdruck verfügbar: Der Hersteller legt in der Risikobeurteilung alle Maßnahmen für sein sicheres Produkt fest – Instandhalter wissen dann schnell, dass sie mit Atemschutz arbeiten müssen, Externe sehen, wie Schutzzäune und Lichtgitter installiert werden müssen und können auf immer aktuelle Daten zugreifen. Und im Vorfeld stellt ein cloudbasiertes Tool sicher, dass bei der Konstruktion alle Bereiche wie Elektrotechnik, Mechanik oder Hydraulik auf der gleichen Datenbasis arbeiten. Zugleich wird eine Datenbasis für künftige Projekte geschaffen.

Eine Software erlaubt also eine einfachere Erstellung der Risikobeurteilung von komplexen Maschinen in den Konstruktionsabteilungen, einen leichten Zugriff auf die umzusetzenden Maßnahmen durch die Fertigung, einen einfachen Zugang der technischen Redakteure – was oft von externen Dienstleistern übernommen wird. Die Endabnahme des Produktes beim Kunden erleichtert der Zugriff auf den digitalen Compliance Manager: Qualitätsmanager können hier per Knopfdruck über die Nachweisdokumentation sehen, wie der Prozess abgeschlossen und dass alle Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen erfüllt wurden. Die Software bietet dabei die Möglichkeit, auch Informationen wie Fotos zu hinterlegen. Der Zugriff erfolgt dank Cloudbasierung vom Rechner im Büro oder Tablet vor Ort an Maschine.

Cloudlösung minimiert die Aufwände und erlaubt bessere Zusammenarbeit

Eine Cloudlösung ist auch deswegen sinnvoll, da sie keine Aufwände bei Installation, Wartung und Betrieb verursacht und damit keine versteckten Kosten auftreten. Die Normenliste wird zum Beispiel automatisch aktualisiert – der Kunde muss sich nicht darum kümmern.

Sinnvoll ist auch ein Berechtigungsmanagement, so dass Benutzerrollen mit angepassten Rechten angelegt werden können. Diese gezielten Rollen helfen, den Prozess zu unterstützen und die Inhalte hängen von den Zugriffsrechten ab. Im Fall einer Cloudlösung können externe User per Lesezugriff eingeladen werden.

Neben einer guten Usability sind auch Hilfestellungen sinnvoll: Hat ein User über technische Dinge hinaus thematische Fragen etwa zur Interpretation einer Norm, so ist Fachkompetenz von Nöten. Idealerweise kann der Software-Support diese bieten – und sei es gegen eine Gebühr.

 Fazit

Ein cloudbasiertes Tool ist eine smarte Lösung für Maschinenbauer, um sicherzustellen, dass alle in der Risikobeurteilung geforderten Maßnahmen auch wirklich umgesetzt wurden. Sie vereinfacht die Arbeit des Qualitätsmanagement erheblich und sorgt so dafür, dass nur sichere Maschinen auf den Markt kommen.

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Von Jörg Handwerk

Jörg Handwerk ist Geschäftsführer bei CE-Con in Bremen.

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