Digitalisierung 15.02.2021, 09:25 Uhr

Industriestandort Deutschland hat Aufholbedarf

Aktuell ist eine Diskussion entbrannt, ob die deutsche Industrie im Ländervergleich dem steigenden Wettbewerbsdruck standhalten kann, der durch mögliche Versäumnisse beim wichtigen Thema Digitalisierung aufkommt.

Eine aktuelle Umfrage zu geplanten Investitionen deutscher Industrieunternehmen zeigt, ob der digitale Transformationsprozess in den Firmen Fortschritte macht und wo noch Handlungsbedarf besteht. Grafik: reichelt elektronik/OnePoll

Eine aktuelle Umfrage zu geplanten Investitionen deutscher Industrieunternehmen zeigt, ob der digitale Transformationsprozess in den Firmen Fortschritte macht und wo noch Handlungsbedarf besteht. Grafik: reichelt elektronik/OnePoll

Dass die Digitalisierung alle Firmen – KMU (kleine und mittlere Unternehmen) ebenso wie große Industrieunternehmen – gleichermaßen betrifft, hat sich nicht zuletzt in Zeiten der Covid-19-Pandemie gezeigt. Investitionen in digitale Technik müssen getätigt werden, um Deutschland als Industriestandort zu erhalten – so lautet auch der Konsens des diesjährigen „Digital Gipfels“, der Anfang Dezember 2020 stattfand. Anhand der Umfrageergebnisse zu geplanten Aufwendungen deutscher Industrieunternehmen für 2021 zeigt sich jetzt, ob und wo diese im Vergleich der Industrieländer Fortschritte machen, was den digitalen Transformationsprozess angeht. Dargelegt wird auch, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Umfrage liefert Ergebnisse zur Budgetplanung

Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen haben etliche deutsche Unternehmen trotz staatlicher Unterstützung in Rekordhöhe auf eine harte Probe gestellt. Um herauszufinden, wie leistungsfähig Industrieunternehmen in der aktuellen Situation überhaupt noch sind, beauftragte die Firma reichelt elektronik Ende 2020 das Umfrageinstitut OnePoll mit der Durchführung einer Umfrage zur Budgetplanung von Industrieunternehmen in Deutschland sowie angrenzenden Ländern. Für die Untersuchung wurden 500 Firmen in Deutschland, 253 in Italien, 250 in Frankreich, 125 in Österreich, 125 in der Schweiz und 250 in den Niederlanden befragt.

Die repräsentativen Umfrageergebnisse zeigen, dass das Bild auf den ersten Blick positiver ausfällt, als zunächst erwartet: Die Firmen planen, durchschnittlich 6,6 Prozent des aktuellen Jahresumsatzes im diesem Jahr zu investieren. Dabei sagen 71 Prozent der Befragten, dass sie im Vergleich zum Vorjahr mehr für Investitionen einplanen, und trotzen damit negativen Prognosen.

Einen besonders hohen Stellenwert haben Investitionen in Digitalisierungsbereichen. Etwa zwei Drittel der Befragten geben diese Aufgabe als eine der obersten Prioritäten an (32% als Priorität 1, 36% als Priorität 2). So planen 37 Prozent der Teilnehmer Neuanschaffungen in diesem Bereich, während 52 Prozent bestehende Lösungen ausbauen und verbessern möchte.

Industrial Internet of Things (IIoT) ist als Enabler essentiell

Neben der positiven Aussicht auf geplante Investitionen und dem Augenmerk auf „digitale Anschaffungen“ industrieller Unternehmen zeigt die Umfrage auch, dass die Verschärfung des internationalen Wettbewerbs für Deutschland bedeuten könnte, den Anschluss beim Thema Digitalisierung zu verlieren.

Obwohl bekannt ist, dass deutsche Industrieunternehmen das Industrial Internet of Things (IIoT) als Enabler der digitalen Transformation erkannt haben, kommen Innovationen im Ländervergleich nach wie vor zu kurz. Deutschland liegt bei der Planung von Neuanschaffungen im IIoT-Bereich im Vergleich zu den anderen Ländern mit 25 Prozent unter der Durchschnittsmarke von 30 Prozent zurück. Ein Grund dafür könnten die nach wie vor stark vorherrschenden Bedenken zur Daten- und Netzwerksicherheit sein.

Höhere Investitionen in Robotik und Künstliche Intelligenz

Ein bereits hohes Niveau hat Deutschland im Bereich der Robotik erzielt. Deutsche Industrieunternehmen setzen, verglichen mit anderen Ländern der Europäischen Union, die größte Anzahl an Industrie-Robotern ein. Vorreiter ist hier bei Betrachtung der Branchen insbesondere die Automobilindustrie. Jedoch könnte der Trend sich jetzt umkehren: Die Umfrage ergab auch, dass 2021 weniger Robotik-Anschaffungen geplant sind. Nur noch 23 Prozent statt durchschnittlich 31 Prozent der Firmen wollen überhaupt in diesem wichtigen Feld der Automatisierung investieren. Dies kann aber auch auf die bereits vielfach getätigten Investitionen zurückgeführt werden.

Im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) zeigt sich, dass die IT-Verantwortlichen in Deutschland die Vorteile von KI in einer „smarten Fabrik“ erkannt haben. So geben insgesamt 69 Prozent der befragten Firmen an, dass sie ihren Fokus im Jahr 2021 auf dieses zukunftsträchtige Gebiet legen wollen. Verglichen mit den durchschnittlichen Angaben aller Befragten, die bei 74 Prozent liegen, ist das zwar etwas weniger, doch deutsche Unternehmen sind hier auf dem richtigen Weg.

Was kann die Politik für den Industriestandort tun?

Wie lautet das Resümee aus den Ergebnissen? Zwar liegt Deutschland insgesamt als einer der weltweit führenden Innovationsstandorte noch gut im Rennen. Doch weil sich der globale Wettbewerbsdruck zunehmend erhöht, sind weitere Anstrengungen nötig, um bei den Digitalisierungsinvestitionen und ihren positiven Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit mitzuhalten. Eine wichtige Rolle spielen dabei moderne Netzwerke auf Basis des neuen, noch leistungsfähigeren Mobilfunkstandards 5G. Dieser kann als völlig neues Netz das Internet der Dinge revolutionieren. Aufgabe der Bundesregierung ist es jetzt, den Zugang zu Daten und den Ausbau moderner Netzwerke zum Nutzen der deutschen Industrie intensiv voranzutreiben.

Die deutschen Unternehmen liegen beim Thema Neuanschaffungen im Bereich 5G oder bei Erweiterungen mit 36 Prozent im Länderdurchschnitt von 37 Prozent. Also gilt es jetzt, rasch die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist der „Digital Gipfel“ der Bundesregierung, der seit 2016 stattfindet. Er kann als Zeichen gedeutet werden, dass der Ausbau der Digitalisierung in Deutschland auch von der Politik ernstgenommen wird.

Die Firma reichelt elektronik, die die Umfrage in Auftrag gegeben hat, vertreibt als einer der größten europäischen Online-Distributoren für Elektronik und IT-Technologie mehr als 110.000 Produkte. Gegründet 1969, ist die Firma heute Teil der Schweizer Dätwyler-Gruppe.

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Ulf Timmerman ist Geschäftsführer von reichelt elektronik in Sande.

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