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Jahresprognose des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA 28.01.2026, 13:55 Uhr

Läuft nicht rund

Die Hersteller von Zerspanwerkzeugen, Spannmitteln, Formen, Stanzwerkzeugen und Vorrichtungen haben 2025 deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Für das kommende Jahr erwarten sie eine Stagnation auf niedrigem Niveau.

Der Markt für Präzisisonswerkzeuge (Symbolbild!) hat aktuell etwas Rost angesetzt. Führende Repräsentanten der Branche fordern schnelles und tiefgreifendes Handeln der Bundesregierung. Foto: Smarterpix / ianlangley

Der Markt für Präzisisonswerkzeuge (Symbolbild!) hat aktuell etwas Rost angesetzt. Führende Repräsentanten der Branche fordern schnelles und tiefgreifendes Handeln der Bundesregierung.

Foto: Smarterpix / ianlangley

Der Blick in den Rückspiegel bereitet Stefan Zecha sichtbar Schmerzen: „Die deutsche Präzisionswerkzeug-Produktion musste 2025 ein Minus von 7 % verbuchen“, so der Vorsitzende des zuständigen Fachverbands im VDMA. Immerhin: „Die Hersteller gehen davon aus, dass die Talsohle erreicht ist.“ Leider aber heißt das nicht, dass es künftig bergauf geht: Der Geschäftsführer der Zecha Hartmetall-Werkzeugfabrikation rechnet mit einer Stagnation in 2026. Demnach bliebe es bei einem Produktionswert in Deutschland von rund 8,5 Mrd. €.

Stagnation auf niedrigem Niveau - mehr ist nach Expertenansicht in 2026 nicht drin. Grafik: VDMA

Zecha: „Wenn wir die Aussichten in den wichtigsten Kundenbranchen betrachten, sehen wir leider keine schnelle Besserung der Lage.“ Vielmehr bliebe die Nachfrage voraussichtlich auch 2026 auf Sparflamme. „Die Automobilindustrie – jahrzehntelang die Konjunktur Lokomotive unserer Branche – kämpft nach wie vor mit geopolitischen Unsicherheiten, Handelskonflikten, strengeren Regularien und schwankender Nachfrage in Schlüsselmärkten.“ Im vergangenen Jahr seien die globalen Produktionsmengen dennoch wieder deutlich über die 90 Mio. Einheiten von 2024 gestiegen. „Insbesondere in China wurde wieder mehr Fahrzeuge gebaut“, so Zecha. „Die Produktion in USA ging dagegen leicht zurück, während sie in Europa leicht anstieg. Auch für die deutschen Hersteller fiel der Aufschwung eher bescheiden aus. Sie konnten ihre Produktionen gerade einmal um 2 % steigern.“

VDMA-Experten blicken skeptisch nach vorne (v.l.n.r.): Philipp Ehrhardt (Fachabteilung Spannzeuge), Markus Horn (Fachabteilung Wendeschneidplatten), Gerhard Knienieder (Fachabteilung Gewindewerkzeuge), Stefan Zecha (Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge) und Markus Heseding (VDMA-Geschäftsführer für Mess- und Prüftechnik sowie Präzisionswerkzeuge).

Foto: S. Asche

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Die Gründe dafür sind laut Zecha hinlänglich diskutiert worden: Die Branche stecke mitten in der Umstellung auf E-Mobilität, gleichzeitig liefen Sparprogramme, neue Projekte würden auf Eis gelegt und im Zulieferbereich komme es zu erheblichen Verwerfungen. „Für dieses Jahr erwartet die Branche eine Stagnation der Welt-Pkw-Produktion und in Deutschland einen Rückgang um 1 %.“

Zu weiteren Kundenbranchen erklärte Zecha: „Im Maschinenbau stieg die Produktion von Maschinen 2025 um 1 %. Leider blieb die deutsche Produktion um 5 % unter dem Niveau des Vorjahres. Die Werkzeug-Nachfrage der Maschinenhersteller war entsprechend schwach.“ Immerhin erwarte die Branche 2026 ein Produktionsplus von 2 % weltweit und in Deutschland von 1 %.

Luftfahrt, Medizintechnik und Verteidigung bringen Licht ins Dunkel

Die Luftfahrtindustrie hat laut Zecha ihre Produktion 2025 gesteigert. „So konnte beispielsweise die Fertigung bei Airbus um 4 % zulegen. Nach Krisen und Produktionsstopp 2024 erholte sich Boeing im vergangenen Jahr deutlich.“ Die Nachfrage nach Werkzeugen sei entsprechend erfreulich hoch.

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Auch im Bereich der Medizintechnik sei die Entwicklung positiv. Zecha: „Weltweit dürfte die Branche 2025 und ca 5 % gewachsen sein, in Deutschland um 3 %.“

Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie konnte ihre Produktion 2025 zwar ebenfalls steigern, blieb laut Zecha aber dennoch hinter den Erwartungen zurück. „Die geopolitischen Entwicklungen machen klar, dass hier sehr schnell ein viel stärker Produktionshochlauf erfolgen muss.“

Sorgenvoll blickt der Experte auf die Bürokratie im Inland. Er quantifiziert den Ballast sogar konkret: Satte 12.364 Informationspflichten hätten die Unternehmen zum Jahreswechsel zu erfüllen. „Das muss mindestens halbiert werden“, erklärt er gegenüber VDI-Z.

Werkzeughersteller beklagen Bürokratie, Bildung und Energiepreise

Befragt nach den drängendsten Baustellen erklärte Gerhard Knienieder, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge: „Das Thema Arbeitszeit muss umgehend angegangen werden. Das ist unbequem – aber unumgänglich.“ Die Wochenarbeitszeit müsse flexibilisiert und die Lebensarbeitszeit verlängert werden. Gegenüber der VDI-Z fordert der Geschäftsführer von Emuge Franken außerdem Entlastungen bei der Erbschaftssteuer. „In meinen Augen ist das eine Neidsteuer. Wir sind hier alles Familienunternehmen. Wir brauchen Substanz für Investitionen und für künftige Generationen.“ Wer an diese Substanz gehe, nehme jede unternehmerische Perspektive.

Philipp Ehrhardt, Vorsitzender der VDMA-Fachabteilung Spannzeuge und Geschäftsführer der Römheld GmbH spricht ein weiteres Reizthema an – den Industriestrompreis: „Wenn man mal schaut, welche Hürden genommen werden müssen, um davon zu profitieren, kann man es auch gleich lassen.“ Die Bürokratie konterkariere die gute Intention.

Ins selbe Horn stößt auch Markus Horn, Vorsitzender der Fachabteilung Wendeschneidplatten. „Jedes Stück Bürokratie gehört auf den Prüfstand. Immer wieder müssen die entstehenden Kosten in den Betrieben mit dem Nutzen bzw. der Wirkung der Maßnahme abgeglichen werden.“ Ferner fordert der Geschäftsführer der Paul Horn GmbH, dass Doppelarbeiten verhindert werden müssen: „Wir sind ISO 50001 zertifiziert.“ Die Energieeffizienz des Unternehmens und die Bemühungen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen seinen also offiziell bestätigt. „Warum müssen wir dann noch zusätzlich einen Nachhaltigkeitsbericht verfassen? Wir reporten doch schon an die Audit-Behörde!“

Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Gesellschafter der Mapal Gruppe, nutzt etwas weniger scharfe Worte: „Bürokratie heißt regelbasierte Verwaltung. Das ist ja erst Mal nichts per se Schlechtes. Aber an vielen Stellen müssen die Verantwortlichen mal einen Schritt zurückgehen und schauen, in welche Richtung sich ihre Ideen entwickeln.“ Als Negativbeispiel verweist der Aalener auf die „DGUV Vorschrift 70“: „Diese Unfallverhütungsvorschrift zwingt uns dazu, alle betrieblichen Fahrzeuge jährlich prüfen zu lassen – also auch Autos, die im öffentlichen Verkehr genutzt werden. Da frage ich mich dann doch, wozu es TÜV & Co gibt?“ Kress macht sich außerdem Gedanken um den Bildungsstandort: „Noch immer hängt die Bildung stark von der sozialen Herkunft ab. Gleichzeitig haben 80 % der Schüler einer Grundschule in meiner Heimat einen Migrationshintergrund. Wenn wir diese Kinder nicht erreichen, verschenken wir viel Potenzial.“

Markus Heseding, VDMA-Geschäftsführer für Mess- und Prüftechnik sowie Präzisionswerkzeuge, appelliert ebenfalls an Bildungspolitiker: „Aktuell sind wir wirtschaftlich gerade in einem Tal. Und einige Firmen mussten leider Personal abbauen. Aber es wird auch wieder bergauf gehen. Und dann braucht es viele Fachkräfte, die sich für Technik und Maschinenbau interessieren. Die Ausbildung muss also antizyklisch sein. Zumal der demografische Wandel die Situation noch verschärfen wird.“