Grundschüler an der Fräsmaschine
Seit dem Schuljahr 2012/13 bietet die Hector Kinderakademie Tübingen jährlich rund 50 Kurse für besonders begabte Kinder an. Ein Kooperationspartner: Die Paul Horn GmbH. Beim Werkzeugspezialisten schufen die Kinder jetzt Dinosaurier aus Aluminium.
Die Azubis der Paul Horn GmbH stehen den Kindern mit Rat und Tat zur Seite.
Foto: Horn/Sauermann
Markus Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH, ist über den Zustand des deutschen Bildungssystems nicht glücklich. Gegenüber der VDI-Z erklärte er unlängst: „Selbst manchen Jungingenieuren fehlt technisches Grundverständnis“. Der Tübinger klagt aber nicht nur, er agiert auch: Sein Unternehmen kooperiert mit der Hector Kinderakademie. Diese Kooperation dient den Kindern, durch praktisches Lernen und direkte Anwendungen unter Anleitung von Experten ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen.
Fräsen auf einer „DMU 50“ von DMG Mori
Gerade zu Ende gegangen ist der Kurs „Vom Rohteil bis zum fertigen Dinosaurier aus Aluminium“. An vier Donnerstagen konstruierten und fertigten die teilnehmenden Kinder einen Tyrannosaurus Rex aus dem Leichtmetall. In diesem Kurs wurden die Schülerinnen und Schüler in verschiedene Lernbereiche eingeführt, die von der Konstruktion und Werkstoffkunde über die Bearbeitung bis hin zur Kontrolle der Bauteile und der finalen Montage reichen. Die einzelnen Aluminiumbauteile wurden auf einer CNC-Fräsmaschine „DMU 50“ von DMG Mori hergestellt. Die Lerneinheiten fanden im Ausbildungszentrum der Paul Horn GmbH statt.
Nachwuchsförderung ist bei der Paul Horn GmbH eine der Säulen, um das Unternehmen auch langfristig erfolgreich zu halten. Neben der Berufsausbildung und dem dualen Studium kommt mit der Hector Kinderakademie ein weiterer Baustein dazu.
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Schwerpunkt der Hector Kinderakademien liegt auf MINT-Fächern
Die Hector Kinderakademien bieten als einziges landesweites Förderprogramm besonders begabten und hochbegabten Grundschulkindern zusätzlich zum regulären Schulunterricht ein speziell für sie entwickeltes Förderprogramm an, das weit über die regulären Unterrichtsinhalte hinausgeht. Rund 23 000 Grundschulkinder nehmen jährlich an den Kursangeboten an 69 Standorten teil. Der Schwerpunkt der Kursthemen der Hector Kinderakademien liegt auf den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).
Talente und Hochbegabung entwickeln sich aus einem engen Zusammenspiel aus Anlagen und Umwelt. Ein Großteil (50 % bis 70 %) der Varianz von Intelligenz in der Bevölkerung wird durch genetische Faktoren bedingt. Daraus ergibt sich, dass nicht angeborene Einflüsse wie beispielsweise die Förderung ebenfalls positiv zur Entwicklung und Entstehung einer Hochbegabung beitragen können. Damit Kinder mit einem besonderen Talent und Potenzial auch außergewöhnliche Leistungen erbringen können, ist es – wie in der Musik oder im Sport – zudem notwendig, intellektuelle Hochbegabung mit einem entsprechenden Maß an Ausdauer und Fleiß zu trainieren. Je früher die Hochbegabung eines Kindes erkannt wird, umso früher können somit auch das Training und die Förderung beginnen.
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Für die Entwicklung besonderer Begabungen sind frühe Lerngelegenheiten wichtig. Gerade im Grundschulalltag sind individuelle Förderbedürfnisse jedoch nicht einfach umzusetzen. Eine Erweiterung des Lernangebots im Rahmen des Enrichments ist daher ein wirksamer Förderansatz, den das Programm Hector Kinderakademien aufgreift. Enrichment bedeutet, dass besonders begabte und hochbegabte Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum Schulunterricht weitere Lernangebote erhalten, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die Entwicklung besonders hoher Begabung erfolgt jeweils bereichsspezifisch und ist abhängig von persönlichen Eigenschaften wie der Motivation und den Interessen der Kinder.
Kursangebot auf Kinder abgestimmt
Mit dem Kursangebot sollen die Interessen und Potenziale der Kinder gefördert sowie intellektuelle und soziale Herausforderungen geschaffen werden. Die Kinder sollen ihre bereichsspezifischen Kenntnisse vertiefen, neue Kompetenzen entwickeln und ihre Kreativität entfalten können. Durch die Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen Studien wird das Programm stetig weiterentwickelt und die Wirksamkeit der Förderung belegt. Die teilnehmenden Kinder profitieren von diesem engen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis durch ein optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Kursangebot.
Markus Horn: „Wir konnten in den letzten Jahren außerordentlich positive Erfahrungen mit den teilnehmenden Kindern machen. Die jungen Menschen zeigen großes Interesse an Technik und am Unternehmen. Das bekräftigt uns auch künftig, Teil dieses besonderen Programms zu sein.“





