Produktion komplett im Blick 25.11.2020, 14:43 Uhr

Readiness-Check ebnet KMU den Weg zur MES-Einführung

Eine neue Software des IPH – Institut für Integrierte Produktion Hannover unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) künftig dabei, sich bestmöglich auf die komplexe Einführung eines Manufacturing Execution Systems (MES) vorzubereiten.

Eine Produktion zu überwachen und zu steuern, um den Output zu optimieren: Das ist das Ziel von Manufacturing Execution Systemen (MES). Foto: IPH/Niklas Viola

Eine Produktion zu überwachen und zu steuern, um den Output zu optimieren: Das ist das Ziel von Manufacturing Execution Systemen (MES).

Foto: IPH/Niklas Viola

Welches Bauteil wird zu welchem Zeitpunkt und an welcher Maschine bearbeitet? Wer ist der zuständige Mitarbeiter? Wie viel Zeit ist für die einzelnen Arbeitsschritte einzuplanen? Ist die Produktqualität zufriedenstellend? Diese täglich wiederkehrenden Fragen in produzierenden Unternehmen lassen sich mit einem Manufacturing Execution System (MES), auch Produktionsleitsystem genannt, ideal planen und überwachen.

MES kann vielfältige Aufgaben übernehmen

Ein MES arbeitet im operativen Produktionsmanagement und unterstützt Aufgaben wie Produktionsplanung und -steuerung. Dadurch sollen Unternehmen befähigt werden, deutlich effizienter zu wirtschaften. Ein MES zeichnet sich gegenüber ähnlich wirksamen Systemen zur Produktionsplanung, den ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning), durch die direkte Anbindung an die verteilten Systeme der Prozessautomatisierung aus und bietet die Führung, Lenkung, Steuerung oder Kontrolle der Produktion in Echtzeit.

Für KMU ist es heutzutage noch nicht selbstverständlich, mit einem MES die Produktionsabläufe zu überwachen. Jedoch können Unternehmen, die eine solche Software nutzen, ihre Produktivität erheblich steigern – die Investition lohnt sich also. Maschinen lassen sich besser auslasten, das Personal optimal einsetzen und mehr Aufträge in gleicher Zeit erledigen. Zudem können Firmen die Produktionszeit und Produktqualität überwachen und schneller einschreiten, wenn beispielsweise an einer bestimmten Maschine immer wieder Produktionsfehler entstehen.

Schwierige Einführungsphase schreckt KMU oft ab

Die Einführung eines MES ist allerdings zeitaufwendig und teuer. Die Vielfalt am Markt ist groß und nicht jedes System ist für jedes Unternehmen passend ausgelegt. Deshalb schrecken insbesondere kleinere Unternehmen vor dem erforderlichen ersten Schritt zurück. Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gGmbH will Mittelständlern den Weg zum MES-System „ebnen“: Die Wissenschaftler entwickeln aktuell einen „Readiness-Check“. Firmen sollen damit besonders einfach testen können, ob sie schon bereit sind für die MES-Einführung – oder ob es nötig ist, noch weitere Vorbereitungen zu treffen. Damit kann der Aufwand für die Einführungsphase verringert werden, Fehlinvestitionen lassen sich vermeiden.

Das IPH, eine gemeinnützige GmbH, die auf dem Gebiet der Produktionstechnik forscht, entwickelt und Beratungen anbietet, ist für die Aufgabe besonders qualifiziert. Gegründet wurde das Unternehmen 1988 aus der Leibniz Universität Hannover heraus. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus den Branchen Werkzeug- und Formenbau, Maschinen- und Anlagenbau, Luft- und Raumfahrt und der Automobil-, Elektro- und Schmiedeindustrie. Das IPH hat seinen Sitz im Wissenschaftspark Marienwerder im Nordwesten von Hannover und beschäftigt aktuell circa 70 Mitarbeiter.

Readiness-Check bringt rasch Klarheit

Bereits die Integration eines MES ist mit vielen Hürden verbunden. Damit Unternehmen überhaupt von der Lösung profitieren können, sind zunächst die Maschinen mit Sensoren zur Datenerfassung auszustatten. Dann muss die Entscheidung für ein System fallen, dass sich an die bestehenden IT-Systeme anbinden lässt. Die Mitarbeiter müssen für die gewinnbringende Nutzung der Software passend geschult werden. Viele KMU trauen sich den Einsatz nicht zu, andere unterschätzen den Aufwand und beschaffen ein System, ohne die Voraussetzungen zu erfüllen. Dadurch entstehen unnötige Kosten und die sich bietenden Chancen werden nicht ausgeschöpft.

Ziel des Forschungsprojekts „MES-Ready“ ist es, kleine und mittlere Unternehmen optimal auf die MES-Einführung vorzubereiten und sie vor Fehlinvestitionen zu schützen. Das IPH entwickelt mithilfe einer Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums einen Software-Demonstrator, mit dem KMU ganz einfach testen können, ob sie alle nötigen Voraussetzungen bereits erfüllen oder ob sie noch nachbessern müssen, bevor sie eine solche Software kaufen.

Nutzen und Ziele des Demonstrators

Der Software-Demonstrator, den die Wissenschaftler bis 2022 bereitstellen wollen, bereitet Unternehmen Schritt für Schritt auf die MES-Einführung vor. Zu Beginn werden einige Fragen gestellt – etwa wie die Produktion aufgebaut ist und was die MES-Software leisten soll. Aus den Angaben des Unternehmens leitet die Software Anforderungen ab und fragt anschließend konkreter nach – beispielsweise, welche Daten schon erfasst worden sind, in welcher Qualität sie vorliegen, welche informationstechnischen Schnittstellen zu berücksichtigen sind und welche Qualifikationen die Werker mitbringen. Aus den gesamten zusammengetragenen Daten berechnet die Software die „MES-Readiness“. Das Produktionsunternehmen erhält dann bereits Vorschläge, wie es seine Vorbereitung optimieren kann. Sind die gestellten Aufgaben erfüllt, so ist anschließend ist die MES-Einführung rasch und problemlos möglich.

Institut sucht noch Kooperationspartner

Für das Forschungsprojekt suchen die Wissenschaftler derzeit noch Partner aus der Praxis – insbesondere kleine und mittlere produzierende Unternehmen, die ein MES einführen möchten und den Software-Demonstrator am Ende des Projekts kostenfrei testen wollen. Auch Unternehmen, die die MES-Einführung bereits hinter sich haben, sowie Anbieter von MES-Software können sich am Forschungsprojekt beteiligen. Interessierte Unternehmen melden sich direkt bei Projektleiterin Antonia Namneck unter der Telefonnummer 0511 / 279 76-451 oder per E-Mail an namneck@iph-hannover.de.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt gibt es unter mes-ready.iph-hannover.de.

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