Tipps zur Einführung einer Warehouse-Management-Software 01.04.2016, 00:00 Uhr

Lagerverwaltung leicht gemacht

In betriebsinternen Logistikprozessen steckt ein hohes, oft ungenutztes Optimierungspotential. Mithilfe eines Warehouse-Management-Systems (WMS) lässt sich mehr Transparenz im Lager erzielen und die Fehlerquote verringern. Zudem können durch kürzere Laufzeiten unmittelbar Kosten reduziert werden, indem Unternehmen klare Prozesse definieren und die Auswahl der Lagerverwaltungssoftware strukturiert angehen.

Bild 1. Warehouse-Management-‧Systeme sorgen für mehr Transparenz im Lager, reduzieren Fehler und helfen, Kosten zu senken. Bild: Industria Application Software

Bild 1. Warehouse-Management-‧Systeme sorgen für mehr Transparenz im Lager, reduzieren Fehler und helfen, Kosten zu senken. Bild: Industria Application Software

Mit dem Wachstum eines Unternehmens wächst in den meisten Fällen auch der Bedarf an Lagerfläche. Solange langjährige Mitarbeiter wissen, wo welche Artikel zu finden sind, muss die Produktivität nicht notwendigerweise unter längeren Laufwegen leiden. Doch sobald einzelne Personen den Lagerbereich nicht mehr überblicken können, lohnt sich der Einsatz einer Software zur Lagerverwaltung und -optimierung, Bild 1.

Von Stand-alone-Lösungen bis hin zu vollständig in das zentrale ERP (Enterprise Resource Planning)-System integrierten WMS-Modulen ist das Angebot auf dem Markt sehr groß. Um den Prozess der Software-Auswahl zu erleichtern, können folgende Kriterien – in Abhängigkeit von den individuellen Unternehmensanforderungen – herangezogen werden, um mehrere WMS-Lösungen anhand dieser Voraussetzungen zu vergleichen.

Integration der Warehouse-Management-Software

Das Lager ist ein integraler Bestandteil aller Beschaffungs-, Fertigungs- und Versandprozesse. Dies sollte ebenso für die Lagerverwaltungssoftware gelten: Isolierte Systeme bergen das hohe Risiko, den Pflegeaufwand zu verdoppeln, anstatt Abläufe zu beschleunigen. Nur durch die Integration in die bestehende Software-Landschaft können beispielsweise aktuelle Bestands- und Auftragsdaten in Echtzeit zur Verfügung stehen. Mithilfe von Automatismen wie automatischen Lageraufträgen erhöht sich zudem die Zuverlässigkeit enorm, da keine Vor­gänge mehr in Vergessenheit geraten oder unbeachtet bleiben. So bietet beispielsweise das in die Unternehmenslösung „caniasERP“ integrierte WMS-Modul die Option, bei der Erfassung von Fertigungsaufträgen oder dem Erstellen eines Lieferscheins „Picking-Aufträge“ (Kommissionierung) für die jeweils benötigten Teile vollautomatisch zu erstellen und auch bei Än­derungen dieser Belege die Artikel- und Mengenangaben synchron zu halten.

Strategien zur Organisation eines Lagers

Unabhängig davon, ob das Lager chaotisch gehalten wird oder jeder Artikel einen festen Lagerplatz hat, Bild 2: Eine gute WMS-Lösung sollte beide Prinzipien unterstützen oder am besten eine Mischform davon anbieten.

Bild 2. Das Lager ist ein integraler Bestandteil der Beschaffungs-, Fertigungs- und Versandprozesse – dies sollte sich auch in der Lagerverwaltungssoftware widerspiegeln. Bild: Industria Application Software

Bild 2. Das Lager ist ein integraler Bestandteil der Beschaffungs-, Fertigungs- und Versandprozesse – dies sollte sich auch in der Lagerverwaltungssoftware widerspiegeln. Bild: Industria Application Software

 

Alleine die individuelle Konfiguration von Lagerstrategien birgt ein enormes Potential für Einsparungen, indem Fehlbuchungen vermieden sowie Ein- und Auslagerungsvorgänge beschleunigt werden.

Während des „Placement-Prozesses“ (Einlagerung) kann durch automatisch generierte Vorschlagslisten für geeignete Lagerplätze ausgeschlossen werden, dass eine tonnenschwere Palette möglicherweise auf ein nicht für solche Belastungen ausgelegtes Hochregallager geladen wird. Ebenso kann der Lagerist bei einem Picking-Auftrag ohne systemische Hilfe kaum entscheiden, von welchem Ort ein Artikel optimalerweise entnommen werden sollte, um das First-in-first-out (Fifo)-Prinzip anzuwenden oder Laufwege zu verkürzen.

Mobilität mit Barcode-Scannern

Lagermitarbeiter benötigen mobile Geräte, die bestenfalls mit Barcode-Scannern ausgerüstet sind, um im Lager flexibel zu sein, Bild 3.

Bild 3. Mobile Geräte sorgen für Flexibilität. Auch das Risiko von Fehleingaben sinkt, wenn Artikelnummern und Lagerplätze gescannt, statt manuell eingetippt werden. Bild: Industria Application Software

Bild 3. Mobile Geräte sorgen für Flexibilität. Auch das Risiko von Fehleingaben sinkt, wenn Artikelnummern und Lagerplätze gescannt, statt manuell eingetippt werden. Bild: Industria Application Software

Zudem lässt sich das Risiko von Fehleingaben minimieren, indem Artikelnummern und Lagerplätze gescannt, anstatt manuell getippt werden. Ist eine ausreichende Abdeckung durch WLAN oder den Mobilfunk vorhanden, bieten einige Lagerverwaltungssysteme eine Echtzeitanbindung zum ERP-Programm an, sodass sämtliche Bestände und Auftragsdaten jederzeit aktuell sind.

Kapazitäts- und Lageroptimierung

Vor allem bei chaotischer Lagerhaltung stellen Leerstände ein signifikantes Risiko von Fehlinvestitionen dar, wenn die tatsächliche Auslastung des Lagers nicht eingeschätzt werden kann. Bevor neue Räumlichkeiten angemietet werden, lohnt es sich, Optimierungspotentiale auszuschöpfen. Viele WMS-Lösungen bieten dabei die Möglichkeit, gezielt leere Lagerplätze an­zusteuern oder durch Umlagerungen neue Kapazitäten zu schaffen. Des Weiteren lassen sich Laufzeiten verkürzen, indem häufig umgeschlagene Artikel räumlich günstig liegen, „Ladenhüter“ hingegen weniger promi­nent platziert werden.

Rückverfolgung

Um eine Rückverfolgbarkeit der Materialbewegungen jederzeit zu gewährleisten, unterstützen WMS-Systeme in aller Regel nicht nur die Erfassung von Artikelnummern und Mengen, sondern auch Chargen- und Seriennummern, wahlweise als optionale oder verpflichtende Eingabe. Zudem müssen weitere Merkmale, etwa die Kapa­zitätsbegrenzung eines Lagerplatzes, stets Berück­sichtigung finden.

Reporting von Lageraufträgen

Mithilfe des WMS können zahlreiche Lager­reports erstellt und abgerufen werden. Dazu zählen neben den bloßen Bestands­infor­mationen und Kapazitäten auch Picking-Listen für einzelne Lagermitarbeiter, denen bestimmte Lageraufträge persönlich zugewiesen werden (oder sie wählen selbst den nächsten offenen Auftrag aus der Übersicht). Dabei sind Kriterien wie eine manuell vergebene Priorität des Auftrags oder der Bedarfstermin anwendbar.

Individualität und Flexibilität

Trotz ausgeklügelter Schemata und fest definierter Prozesse, Kriterien oder Strategien muss es in der Praxis manchmal einfach schnell gehen. In diesen Fällen sollte das WMS einen „Shortcut“ anbieten: Eine schnelle Möglichkeit, Material ad hoc vom Wareneingang an die Maschine zu bringen und systemisch zu verbuchen, ohne dass erst umständlich Aufträge angelegt werden müssen. Auch das umgekehrte Szenario kann relevant sein, wenn alle vordefinierten Regeln und branchenüblichen Abläufe nicht jeden Vorgang im Unternehmen abbilden können. Hier ist ein hohes Maß an Flexibilität in der Software notwendig, beispiels­weise durch einen selbst entwi­ckelten Algorithmus, der die Regeln zur Lage­auswahl ergänzen oder sogar vollständig ersetzen kann.

www.caniaserp.de

Reibungslose Integration ist entscheidend

Oftmals sind es gerade die speziellen Eigenschaften im Betriebsablauf, welche nicht als branchenüblich gelten und damit die Auswahl eines geeigneten Lagerverwaltungssystems für Unternehmen schwierig gestalten. An diesem Punkt ist die Anpassungsfähigkeit an individuelle Bedürfnisse das entscheidende Kriterium bei der Software-Auswahl. Grundlage für einen signifikanten Effizienzgewinn ist die reibungslose Integration in eine zentrale Datenbank zur Auftrags- und Bestands­verwaltung. Gelingt diese, gestatten Warehouse-Management-Systeme erhebliche Kosteneinsparungen und bilden das logistische „Rückgrat“ von produzierenden und Handel treibenden Unternehmen.

Von Nicolas Ziegler

Nicolas Ziegler ist ERP-Consultant bei Industrial Application Software in Karlsruhe.

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