Fertigungsstrategien ändern 05.08.2022, 08:00 Uhr

Was das EU-Verbrenner-Aus für die Automobilproduktion bedeutet

Die EU-Umweltministerien haben jüngst einen Beschluss diskutiert, welcher das Aus für Verbrennungsmotoren in 2035 bedeuten würde. Was folgt, ist eine enorme finanzielle und logistische Herausforderung für die am Automobilbau beteiligten Unternehmen.

Für die Produktion klimaneutral angetriebener Fahrzeuge muss die Digitalisierung in alle Bereiche des Automobilbaus Einzug halten. Notwendig ist auch mehr Robotertechnik. Geeignete gebrauchte Maschinen und Anlagen können beispielweise kostengünstig über ein Online-Portal beschafft werden. Foto: Zapp2Photo/Shutterstock.com

Für die Produktion klimaneutral angetriebener Fahrzeuge muss die Digitalisierung in alle Bereiche des Automobilbaus Einzug halten. Notwendig ist auch mehr Robotertechnik. Geeignete gebrauchte Maschinen und Anlagen können beispielweise kostengünstig über ein Online-Portal beschafft werden.

Foto: Zapp2Photo/Shutterstock.com

Um die finanziellen Folgen der als Konsequenz des EU-Beschlusses notwendigen Technologiewende abzufedern, könnte die Industrie jetzt aussortierte Anlagen auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt gewinnbringend veräußern – dies empfiehlt das Industrieauktionshaus Surplex. Nach Ansicht der Düsseldorfer Experten kann so zumindest ein Teil der notwendigen Investitionen finanziert werden.

Umbruch für Automobil-Hersteller und Zulieferer

„Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“, sagte bereits der deutsche Kaiser Wilhelm II. Das traf zwar so nicht zu, womit er jedoch Recht hatte: Die Jahre des Autos mit konventionellem Verbrennungsmotor, so wie wir sie kennen und aktuell noch mehrheitlich nutzten, sind gezählt. Denn es ist beinahe beschlossene Sache: Ab 2035 sollen in der EU keine Fahrzeuge mit dieser Antriebstechnologie mehr zugelassen werden. Damit steht der Automobilbau vor einem noch nie da gewesenen Umbau seiner Produktionsstätten. Dabei können aussortierte Anlagen auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt hohe Preise erzielen.

Ambitionierte Klimaziele umsetzen

Die Europäischen Union (EU) nimmt eine Vorreiterrolle ein und will bis 2050 Klimaneutralität erreichen. Ein Viertel der europaweiten CO2-Gesamtemission entstammt dem Verkehr. Knapp 800 Millionen Tonnen CO2 wurden 2019 in der EU auf den Straßen ausgestoßen. Pkw und Motorräder verursachten mit 62 Prozent den größten Teil der Emissionen.

Im Zuge des grünen Wandels wurde nun also in diesem Juni das Verbrenner-Aus beschlossen. Die EU-Umweltministerien haben ebenfalls zugestimmt. Jetzt müssen die EU-Staaten und das EU-Parlament einen gemeinsamen Kompromiss finden. Eine Hintertür könnte dabei für eFuels geöffnet werden. Die vollständige Elektrifizierung der Fahrzeuge wird jedoch angestrebt.

Blick unter die Motorhaube: Fahrzeugkomponenten im Elektroauto sind andere als im Verbrenner. Der Automobilbau und seine Zulieferer müssen ihre Produktion neu strukturieren.

Foto: Mark_KA/Shutterstock.com

Weitreichende Konsequenzen für die Produktion

Für die Automobilproduktion heißt das, das einige Fahrzeugkomponenten entfallen, modifiziert oder ganz neu in das Portfolio der Zulieferer aufgenommen werden müssen. Statt einem Verbrennungsmotor braucht es dann eine elektrische Maschine. Statt Kraftstoffversorgung werden Batterie- oder Brennstoffzellensysteme verbaut. Die Abgasanlage und die Lichtmaschine entfallen und das Getriebe muss angepasst werden. Außerdem wird Leistungselektronik benötigt, die so in konventionellen Autos bisher nicht verbaut wird. Und nicht nur die direkt betroffenen Systeme, sondern die gesamte Fahrzeugarchitektur verändert sich, denn Elektromotoren benötigen weniger Platz. Dafür kommt zusätzlicher Platzbedarf durch die Batteriepakete hinzu.

Finanzielle Herausforderungen für die Produzenten

Die gestörten Lieferketten und die Corona-Pandemie haben nicht nur dem Automobilbau Einbußen beschert. Der geplante Antriebswechsel von Verbrenner zu Elektro wird eine herausfordernde finanzielle Aufgabe. Nach Schätzungen des VDA (Verband der Automobilindustrie), des Spitzenverbands der deutschen Automobilhersteller und -zulieferer mit Sitz in Berlin, müssen bis 2030 mehr als 100 Milliarden Euro in den Umbau der Automobilproduktion investiert werden. Doch wie kann das finanziert werden?

Mit Gebrauchtmaschinen den Wandel vollziehen

Eine Möglichkeit für Automobilbetriebe ist es, das nicht mehr benötigte Sachkapital auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt umzuwandeln. Dieser profitiert von der angespannten Lage im Maschinen- und Anlagenbau, welcher ebenfalls von den aktuellen Lieferproblemen, steigenden Kosten und dem Fachkräftemangel betroffen ist. Zeitnaher und kostengünstiger können Produktionssysteme auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt erworben werden. Für Unternehmen, die ihre gebrauchten Anlagen abstoßen möchten, ist also eine Erfolg versprechende Zeit.

Der Roboterarm übernimmt die Handlingarbeit in einer automatisierten Schweißzelle füe Automobilkomponenten: Rohre werden gesickt und punktgeschweißt.

Foto: Surplex

Einige Automobilbauer und -zulieferer haben die Umstrukturierung ihrer Produktion bereits begonnen und sehen sich für die Zukunft gut gerüstet. Das internationale Online-Auktionshaus für gebrauchte Maschinen Surplex.com hat in den letzten Monaten vermehrt Auktionen von Automobilbautechniken aus dem Umbau von namhaften, europäischen Produktionsstandorten realisiert. Insbesondere Anlagen der Robotertechnik – wie Schweißzellen, Industrieroboter und Kompaktanlagen – sowie Metallbearbeitungsmaschinen wechselten den Besitzer. Auch ganze Standortschließungen, wie die des Zulieferers Adient Automotive Romania, werden aus einer Hand abgewickelt.

Betriebe, die im Licht der aktuellen Änderungen ihre Produktion anpassen möchten, können sich auf einen erstklassigen Service verlassen: Surplex gehört zu den führenden europäischen Industrieauktionshäusern und handelt weltweit mit gebrauchten Maschinen und Betriebseinrichtungen. Die 16-sprachige Auktionsplattform surplex.com verzeichnet jährlich ca. 50 Millionen Seitenaufrufe. Auf über 500 Online-Auktionen werden pro Jahr mehr als 55.000 Industriegüter verkauft. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf unterhält Büros in 15 europäischen Ländern. Über 200 Mitarbeiter aus 20 Nationen erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

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