Kommunen im Zentrum der Energiewende
Kommunale Energiesysteme gelten als Schlüssel für eine stabile Energiewende, bleiben bislang jedoch oft unteranalysiert. Das Forschungsprojekt „MultiMeter“ setzt genau hier an: Mit KI-gestützten Modellen sollen Flexibilitäten in öffentlichen Liegenschaften sichtbar und nutzbar gemacht werden.
Das Projektteam bei der Führung durch den Energiepark Wunsiedel.
Foto: UBT Future Energy Lab Wunsiedel
Die Energiewende wird häufig als Herausforderung für Industrie und Übertragungsnetze beschrieben. Tatsächlich entscheidet sich ihre Stabilität zunehmend auf kommunaler Ebene. Städte, Gemeinden und ländliche Regionen integrieren immer mehr Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur, verfügen jedoch bislang kaum über Werkzeuge, um die entstehenden Flexibilitäten systematisch zu nutzen. Ein neues Forschungsprojekt am Future Energy Lab Wunsiedel (FEL) will deshalb nun datenbasierte Grundlagen für ein intelligenteres kommunales Energiemanagement schaffen.
Das Projekt MultiMeter verfolgt das Ziel, Energieverbräuche öffentlicher Liegenschaften energieträgerübergreifend zu analysieren und daraus steuerbare Flexibilitäten abzuleiten. Mithilfe KI-gestützter Modelle sollen Lastverschiebungspotenziale sichtbar gemacht und für Netzstabilität sowie Kostensenkung nutzbar werden. Zum Auftakt trafen sich die Projektpartner am UBT Future Energy Lab Wunsiedel, das die Koordination des dreijährigen Vorhabens übernimmt.
Flexibilitäten als Schlüssel für stabile Netze
Im Fokus von MultiMeter stehen kommunale Liegenschaften wie Kindergärten, Verwaltungsgebäude oder soziale Einrichtungen. Gerade diese Gebäude weisen häufig steuerbare Lasten auf, etwa durch Heizsysteme, Warmwasserbereitung oder Ladepunkte, werden bislang aber kaum in netzdienliche Konzepte eingebunden. Das Projekt setzt hier an, indem es detaillierte Verbrauchsprofile über verschiedene Energieträger hinweg entwickelt und diese mit Netzzustandsinformationen verknüpft.
Ziel ist es, Flexibilitäten so zu nutzen, dass Lastspitzen reduziert und Engpässe vermieden werden können – ohne aufwendige bauliche Maßnahmen. Damit adressiert MultiMeter eine zentrale Lücke der Energiewende: Während in industriellen Anwendungen Lastmanagement etabliert ist, fehlen vergleichbare Ansätze für Kommunen und ländliche Regionen weitgehend. Durch die systematische Erschließung dieser Potenziale sollen Strom- und Wärmenetze stabilisiert und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile für Kommunen geschaffen werden.
Ein zusätzlicher Nutzen ergibt sich für Verbraucherinnen und Verbraucher. Indem Flexibilitäten gezielt aktiviert werden, lassen sich netzstabilisierende Effekte erzielen, die Eingriffe nach § 14a EnWG reduzieren können. Haushalte mit atypischen Lasten, etwa durch Wallboxen oder Wärmepumpen, profitieren damit indirekt von einer effizienteren Netzbewirtschaftung. Zugleich leistet das Projekt einen Beitrag zur Erreichung der langfristigen Klimaziele, indem es die Gesamteffizienz des Energiesystems erhöht.
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Drei Demonstratoren für unterschiedliche Räume
Die praktische Umsetzung erfolgt über drei Demonstratoren, die unterschiedliche regionale und strukturelle Bedingungen abbilden. In Wunsiedel untersuchen das UBT Future Energy Lab und der assoziierte Partner SWW Wunsiedel GmbH einen Netzbereich mit Strom- und Wärmenetzen und hohem Autarkiepotenzial. Analysiert werden unter anderem ein Tageszentrum, ein Kindergarten und eine Kindertagesstätte. Ziel ist es, Steuerungskonzepte zu entwickeln, die Wärme- und Stromnetze intelligent miteinander verzahnen.
Ein zweiter Demonstrator entsteht in Wuppertal. Dort werden Mess- und Metadaten mehrerer öffentlicher Liegenschaften ausgewertet, um belastbare Verbrauchsprofile für unterschiedliche Gebäudetypen zu erstellen. Ergänzend wird eine ausgewählte Liegenschaft mit zusätzlicher Messtechnik und Aktorik ausgestattet, um eine geschlossene Regelung im Echtbetrieb zu erproben.
Der dritte Demonstrator wird gemeinsam von der Sächsische Energieagentur – Saena GmbH und einem Verteilnetzbetreiber im ländlichen Raum umgesetzt. Im Mittelpunkt stehen hier netzbezogene Fragestellungen, etwa die Identifikation von Engpässen und die Nutzung von Blindleistungskompensation. Ziel ist es, Flexibilitäten aus kommunalen Liegenschaften gezielt für den Netzbetrieb nutzbar zu machen.
„Mit MultiMeter schaffen wir die Grundlage für ein intelligentes Energiemanagement, das Kommunen und Netzbetreibern neue Handlungsspielräume eröffnet. Unsere Demonstratoren zeigen, wie sich sektorübergreifende Flexibilitäten praktisch nutzen lassen – ein wichtiger Schritt für die Energiewende“, so Gerhard Meindl, Projektkoordinator am FEL.
Kommunen sollen profitieren
Getragen wird MultiMeter von einem breiten Konsortium aus Forschungseinrichtungen, Energie- und Softwareunternehmen sowie kommunalen Akteuren. Die Ergebnisse sollen über eine öffentliche Plattform in Form von Werkzeugen, Leitfäden und praxisnahen Anwendungen zugänglich gemacht werden. Damit das Projekt nicht nur auf Erkenntnisgewinn, sondern auf den direkten Transfer in die kommunale Praxis.
MultiMeter ist Teil des 8. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung und wird über drei Jahre gefördert.




