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Energieerzeugung 2025 05.01.2026, 12:30 Uhr

Wind und Solar führen erstmals gemeinsam den deutschen Strommix an

Der deutsche Strommarkt hat 2025 einen weiteren strukturellen Wendepunkt erreicht. Erneuerbare Energien prägen nicht nur das Bild der öffentlichen Stromerzeugung, sondern verschieben auch die internen Kräfteverhältnisse. Erstmals stehen Windkraft und Photovoltaik gemeinsam an der Spitze der Nettostromproduktion.

Solar modules of a solar park with wind turbines to produce green electricity for the Energiewende seen from above

Foto: Smarterpix/astrosoft

Die Verschiebung in der Stromproduktion ergibt sich aus realen Daten und verdeutlicht zugleich, wie stark sich das Stromsystem in Richtung wetterabhängiger Erzeugung verlagert hat.

Nach Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE lag der Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung im Jahr 2025 bei rund 55,9 %. Damit blieb der Gesamtanteil gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Innerhalb dieses stabilen Rahmens kam es jedoch zu einer deutlichen Neuordnung. Die Photovoltaik (PV) verzeichnete einen kräftigen Zuwachs, während die Windenergie ihre Position als wichtigste Einzelquelle behauptete, allerdings mit deutlich stärkeren Schwankungen über den Jahresverlauf.

2025 waren Wind und Photovoltaik erstmals die führenden Nettostromerzeuger. Grafik: Fraunhofer ISE/energy-charts.info

Solarenergie gewinnt an Gewicht, Kohle verliert an Bedeutung

Besonders ausgeprägt fiel der Zuwachs bei der Solarstromerzeugung aus. Nach Berechnungen des Fraunhofer ISE legte die Photovoltaik gegenüber 2024 um rund 214% zu. Getragen wurde diese Entwicklung durch den anhaltend hohen Zubau neuer Anlagen, sowohl auf Dächern als auch auf Freiflächen, sowie durch eine hohe Auslastung in den Sommermonaten. Solarstrom ist damit endgültig aus der Rolle einer ergänzenden Energiequelle herausgewachsen und zu einem strukturellen Pfeiler der Stromversorgung geworden.

In der Jahresbilanz überholte die Photovoltaik erstmals die Braunkohle. Diese Verschiebung ist weniger als kurzfristiger Effekt zu interpretieren, sondern als sichtbares Ergebnis eines längerfristigen Trends. Die Braunkohleverstromung geht seit Jahren zurück, beeinflusst durch steigende CO2-Preise, politische Ausstiegsbeschlüsse und eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber erneuerbaren Energien. Dass Solarstrom nun vor der Braunkohle liegt, markiert eine neue Rangordnung im deutschen Kraftwerkspark. Die Windenergie blieb laut Fraunhofer ISE dennoch die stärkste einzelne Stromquelle. Ihre Produktion fiel 2025 jedoch deutlich volatiler aus als im Vorjahr. Vor allem im ersten Quartal sorgten windarme Phasen für geringere Erträge. Der starke Solarzuwachs konnte diese Schwäche nicht vollständig kompensieren. Entsprechend blieb der Gesamtanteil erneuerbarer Energien trotz neuer Rekordwerte bei der Photovoltaik nahezu unverändert.

Nettostromerzeugung aus Erneuerbaren bleibt trotz Zuwachs hinter Zielwert

Zusammengenommen erzeugten Solarenergie, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie im Jahr 2025 rund 278 TWh Strom. Davon gelangten etwa 256 TWh in das öffentliche Netz, während rund 22 TWh direkt vor Ort genutzt wurden. Gegenüber dem Vorjahr nahm die erneuerbare Stromproduktion damit um etwa 6 TWh zu. Trotz dieses Zuwachses blieb die Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Quellen jedoch klar hinter dem für 2025 vorgesehenen Zielwert von 346 TWh zurück. Ausschlaggebend dafür waren vor allem Defizite beim Ausbau der Windenergie an Land und auf See. Aufgrund der unterschiedlichen jährlichen Auslastung schlagen fehlende Kapazitäten an Land etwa doppelt, auf See sogar mehr als dreifach auf die erzeugten Strommengen durch. Zusätzlich mindern nach Einschätzung des Fraunhofer ISE hohe Eigenverbrauchsanteile bei PV-Anlagen sowie zunehmend gewählte Ausrichtungen wie Ost-West, die zwar das Netz entlasten, aber geringere spezifische Erträge liefern, die eingespeiste Strommenge.

Stromhandel, Residuallast und Systemgrenzen

Die detaillierten Auswertungen des Fraunhofer ISE zeigen, dass die veränderte Erzeugungsstruktur direkte Auswirkungen auf Stromhandel und Netzbetrieb hat. In Phasen hoher Solar- und Windproduktion kam es 2025 erneut zu deutlichen Exportüberschüssen, während in windarmen und dunklen Perioden Strom importiert werden musste. Der Stromhandel dient damit zunehmend als Puffer für ein System, dessen Erzeugung zeitlich immer weniger mit dem Verbrauch übereinstimmt.

Besonders sichtbar wird dies bei der Residuallast, also jener Nachfrage, die nach Abzug der erneuerbaren Einspeisung verbleibt. Sie schwankt inzwischen deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren. Mittagsstunden mit sehr hoher Solarproduktion stehen Abend- und Winterphasen gegenüber, in denen konventionelle Kraftwerke, Speicher oder Importe weiterhin unverzichtbar bleiben. Negative Strompreise traten auch 2025 wieder regelmäßig auf und unterstreichen die wachsenden Herausforderungen der Systemintegration. Der Befund des Jahres 2025 ist ambivalent. Einerseits dokumentiert die gemeinsame Spitzenposition von Windkraft und Photovoltaik den realen Fortschritt der Energiewende. Andererseits zeigt sich, dass der nächste Engpass weniger beim Zubau neuer Anlagen liegt als bei der Anpassung des Gesamtsystems. Ob die ambitionierten Ausbauziele der kommenden Jahre erreichbar sind, entscheidet sich nicht allein auf Feldern und Dächern, sondern zunehmend in Netzen, Speichern und der Fähigkeit, Erzeugung und Verbrauch flexibel aufeinander abzustimmen. Hier gilt es besonders unter den Gesichtspunkten der Netzstabilität die richtige Balance zu finden. Die komplette Auswertung „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“ steht als PDF kostenlos online zur Verfügung.