E-Autos für mehr Netzstabilität
E-Autos aus Privathaushalten können aktiv zur Netzstabilität beitragen. Das zeigt ein Pilotprojekt von TransnetBW und Octopus Energy. Über 700 Elektrofahrzeuge wurden hierbei erfolgreich in das Engpassmanagement integriert. Das könnte ein möglicher Baustein für ein künftig stärker marktbasiertes Redispatch-System sein.
Bidirektionales Laden kann aktiv zur Netzstabilität beitragen, zeigen die Ergebnisse eines Pilotprojekts.
Foto: Octopus Energy
Mit dem Abschluss des Pilotprojekts „OctoFlexBW“ haben TransnetBW und Octopus Energy zentrale Prozesse erprobt, um E-Autos aus Privathaushalten in das Netzengpassmanagement einzubinden. Im Fokus stand die Frage, ob sich dezentrale Flexibilität technisch und organisatorisch so integrieren lässt, dass sie für den sogenannten Redispatch nutzbar wird – also zur Stabilisierung des Stromnetzes bei Engpässen.
700 E-Autos eingebunden
Im Projekt wurden über 700 Elektrofahrzeuge gebündelt und in eine durchgängige Prozesskette eingebunden. Diese Kette reichte von der heimischen Wallbox bis zur Systemführung des Übertragungsnetzbetreibers. Dabei gelang es, alle erforderlichen End-to-End-Prozesse aufzubauen, zu automatisieren und energiewirtschaftlich konform umzusetzen. Auch die Bilanzierung der Flexibilitäten haben die Projektpartner erfolgreich getestet.
Konkret konnten sie mit der Fahrzeugflotte eine tägliche Abrufmenge von rund 2 MWh realsieren. Hochgerechnet auf eine deutlich größere Anzahl von Elektrofahrzeugen, ergibt sich daraus ein substanzielles Potenzial. Bei 1 Million eingebundener E-Autos könnten rechnerisch mehrere Gigawattstunden pro Tag bereitgestellt werden. Auf Jahressicht entspricht das laut Projektangaben einem relevanten Anteil des heutigen Redispatch-Bedarfs in Deutschland.
Wichtig ist das wegen des zunehmenden Bedarfs an Flexibilität im Stromsystem. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien steigt die Volatilität der Einspeisung, während gleichzeitig konventionelle Kraftwerke an Bedeutung verlieren. Redispatch-Maßnahmen, also das gezielte Hoch- und Herunterfahren von Erzeugungsanlagen, sind bislang ein zentrales Instrument zur Netzstabilisierung, verursachen jedoch erhebliche Kosten.
Rolle von Haushaltsflexibilität wächst
Das Projekt OctoFlexBW zeigt, dass auch dezentrale Verbraucher aktiv zur Netzstabilität beitragen können. Technisch erfolgte die Umsetzung über die Plattform „KrakenFlex“. Sie steuert die Ladeprozesse der E-Autos unter Berücksichtigung individueller Nutzeranforderungen sowie auch netzdienlicher Signale.
Die aggregierten Flexibilitäten wurden an die TransnetBW-Plattform für den Datenaustausch im Redispatch übermittelt und im Bedarfsfall abgerufen. Für die teilnehmenden Haushalte blieb die Steuerung weitgehend im Hintergrund. Nutzende konnten weiterhin definieren, wann ihr Fahrzeug geladen sein sollte, während die Optimierung der Ladezeiten automatisiert erfolgte.
E-Autos mit „Eh-da-Potenzial“
Gleichzeitig profitierten sie von günstigeren Stromtarifen, was auf eine mögliche ökonomische Kopplung von Flexibilität und Verbrauch hinweisen soll. Mit Blick auf das Gesamtsystem verweisen die Projektpartner auf das sogenannte „Eh-da-Potenzial“. E-Autos sind bereits vorhanden und ließen sich ohn zusätzliche Infrastrukturinvestitionen als flexible Lasten nutzen. Ähnliche Potenziale werden auch bei Wärmepumpen, Heimspeichern oder Klimaanlagen gesehen.
Die Ergebnisse des Projekts liefern damit Anhaltspunkte für eine mögliche Weiterentwicklung des Redispatch-Systems. Diskutiert wird eine Ergänzung des bisherigen kostenbasierten Ansatzes um marktliche Elemente. Hierbei lassen sich dezentrale Flexibilitäten aktiv einbinden gebunden und vergüten.
Voraussetzung dafür wären jedoch angepasste regulatorische Rahmenbedingungen, etwa bei der Anerkennung von Abrufkosten oder der Integration in bestehende Marktmechanismen. Die Projektpartner sehen in der erfolgreichen Umsetzung der Prozesskette einen wichtigen Schritt in Richtung Skalierung.
Im Folgeprojekt „DataFleX“ wollen die Partner die Zahl der eingebundenen Elektrofahrzeuge weiter erhöhen und um zusätzliche Flexibilitätsoptionen ergänzen. Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen und die Integration dezentraler Ressourcen in den Netzbetrieb weiter zu erproben.




