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Fraunhofer Forschungsfertigung angelaufen 05.01.2026, 12:00 Uhr

Meilenstein für Batterien Made in Germany

In Münster hat die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB erstmals eine elektrisch funktionsfähige Lithium-Ionen-Zelle hergestellt. Die erste Zelle aus der „FFB PreFab“ ist ein wichtiger Schritt für den Hochlauf industrieller Fertigung von Batterien basierend auf europäischer Anlagentechnik.

Vertreter und Vertreterinnen der fördergebenden Ministerien und zuständige Mitarbeitende der Fraunhofer FFB präsentieren die erste funktionsfähige Lithium-Ionen-Zelle, die in der "FFB PreFab" auf durchgängig europäischer Anlagentechnik gefertigt wurde. Auf dem Bild (v.l.n.r.): Simon Lux (FFB), Susanne Foltis (MWIKE), Steffen Krätzig (MKW), Peter Zimmer (BMFTR), Martin Gouverneur (FFB), Jan Henning Behrens (BMFTR), Jens Tübke (FFB), Stefan Löher (FFB), Ingo Höllein (BMFTR). Foto: Fraunhofer FFB

Vertreter und Vertreterinnen der fördergebenden Ministerien und zuständige Mitarbeitende der Fraunhofer FFB präsentieren die erste funktionsfähige Lithium-Ionen-Zelle, die in der "FFB PreFab" auf durchgängig europäischer Anlagentechnik gefertigt wurde. Auf dem Bild (v.l.n.r.): Simon Lux (FFB), Susanne Foltis (MWIKE), Steffen Krätzig (MKW), Peter Zimmer (BMFTR), Martin Gouverneur (FFB), Jan Henning Behrens (BMFTR), Jens Tübke (FFB), Stefan Löher (FFB), Ingo Höllein (BMFTR).

Foto: Fraunhofer FFB

Mit der erfolgreichen Produktion einer elektrisch funktionsfähigen Lithium-Ionen-Batteriezelle hat die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB in Münster einen zentralen Meilenstein erreicht. Erstmals wurde in der neuen Forschungsfabrik „FFB PreFab“ eine durchgängige industrielle Prozesskette realisiert, die ausschließlich auf europäischer Anlagentechnik basiert. Von der Elektrodenfertigung bis zur geladenen Batteriezelle konnte der komplette Herstellungsprozess erfolgreich abgebildet werden.

Die Inbetriebnahme der Pilotlinie markiert den Übergang von der Aufbau- in die Betriebsphase der Forschungsfertigung. Damit steht nun erstmals eine Produktionsumgebung zur Verfügung, in der neue Batterietechnologien unter realitätsnahen Bedingungen im Pilotmaßstab gefertigt, getestet und weiterentwickelt werden können. Ziel ist es, technologische Entwicklungen aus der Forschung schneller in die industrielle Anwendung zu überführen und Risiken im späteren Hochskalieren deutlich zu reduzieren.

Bundesministerin Dorothee Bär unterstrich die strategische Bedeutung des Projekts für den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland. Wer Batterietechnologien beherrsche und Batteriezellen wettbewerbsfähig herstellen könne, sichere sich entscheidende Vorteile im internationalen Wettbewerb. Die erste Zelle aus der FFB PreFab stehe exemplarisch für den Ansatz „Lab to Fab“, der Forschungsergebnisse systematisch in die industrielle Wertschöpfung überführt.

Auch Nordrhein-Westfalen will sich mit der Forschungsfertigung als zentraler Standort für moderne Hochtechnologie positionieren. Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur betonte die Rolle einer starken europäischen Batterieproduktion für technologische Unabhängigkeit und industrielle Transformation. Die Verbindung von Forschung, Entwicklung und industriellem Transfer in Münster stärke die Innovationskraft des Landes und trage dazu bei, Europa im Zukunftsfeld Batterietechnologie voranzubringen.

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Forschungsfabrik als Brücke von der Wissenschaft in die Industrie

Die Fraunhofer FFB ist als zentrale Flaggschiff-Maßnahme der Hightech-Agenda Deutschland konzipiert. Ihr Auftrag besteht darin, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und großindustrieller Serienproduktion zu schließen. Wissenschaftsministerin Ina Brandes bezeichnete die Einrichtung als weltweit einzigartige Forschungsumgebung, in der Batteriezellproduktion der Zukunft entwickelt und erprobt werde. Schon heute seien Batterien eine Schlüsseltechnologie für Energieversorgung, Elektromobilität und zahlreiche Alltagsanwendungen, künftig werde ihre Bedeutung weiter zunehmen.

Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Holger Hanselka, ordnete den Erfolg der ersten produzierten Zelle in den größeren Kontext technologischer Souveränität ein. Batterietechnologien seien entscheidend, um Wertschöpfung in Mobilität, Energie und Industrie unabhängiger zu gestalten. Mit dem Start der Pilotlinie und dem Aufbau einer leistungsfähigen Forschungs- und Produktionsumgebung leiste die Fraunhofer FFB einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas.

Der Bund hat zugesagt, die notwendigen finanziellen Mittel für den weiteren Aufbau der Forschungsfertigung bereitzustellen. Insgesamt investiert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt bis zu 750 Mio. € in die Fraunhofer FFB. Damit soll das gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen vereinbarte Ziel erreicht werden, eine Forschungsfabrik im Gigafactory-Maßstab aufzubauen. Ursprüngliche Planungen aus den Jahren 2019 und 2020 sahen ein Investitionsvolumen von rund 500 Mio. € vor, das inflationsbedingt angepasst werden musste.

Die Infrastruktur der Fraunhofer FFB entsteht in zwei Bauabschnitten. Der erste Bauabschnitt, die FFB PreFab, bietet auf mehr als 3 000 m2 eine hochflexible Fertigungsumgebung im Pilotmaßstab und wurde bereits im Frühjahr 2024 eröffnet. Der zweite Bauabschnitt, die FFB Fab, befindet sich im Bau und wird auf rund 20 000 m2 Produktionsforschung im Gigafactory-Maßstab ermöglichen. Dort sollen neue Batterietechnologien gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft unter realen Produktionsbedingungen weiterentwickelt werden.