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Grundlastfähige erneuerbare Energien 02.02.2026, 10:30 Uhr

Rechenzentren setzen auf stündlich nachvollziehbaren Ökostrom

Der Energiebedarf von Rechenzentren wächst rasant – ebenso der Druck, diesen Bedarf glaubwürdig klimafreundlich zu decken. Der europäische Edge-Rechenzentrumsanbieter nLighten hat für seine Standorte in Deutschland eine Vereinbarung abgeschlossen. Sie setzt vollständig auf erneuerbare Energien und auf volle Transparenz bei der zeitlichen Nachvollziehbarkeit des Strombezugs.

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Für die Rechenzentrumsbranche könnte der Ansatz von Interesse sein.

Foto: Smarterpix/mstanley

Kern des Ansatzes von nLighten ist eine Abkehr von der bislang branchenüblichen Praxis, erneuerbaren Strom vor allem über jährliche Herkunftsnachweise zu bilanzieren. Stattdessen setzt der Rechenzentrumsbetreiber auf eine zeitlich präzise Zuordnung von Stromerzeugung und -verbrauch. Damit reagiert das Unternehmen auf eine wachsende Kritik an Zertifikatsmodellen, die zwar rechnerisch einen vollständigen Bezug erneuerbarer Energie ausweisen, reale Stromflüsse im Netz jedoch nur unzureichend abbilden.

Grundlastfähigkeit und flexible Beschaffung

Partner der Vereinbarung ist der Energieversorger Uniper. Im Rahmen des Vertrags stellt Uniper nicht nur die allgemeine Stromversorgung der deutschen nLighten-Standorte sicher, sondern garantiert zusätzlich eine kontinuierliche Grundlast aus Wasserkraft. Diese liefert rund um die Uhr CO2-freie Energie und ist unabhängig von Tageszeit oder Wetterbedingungen verfügbar.

Der grundlastfähige Charakter der Wasserkraft spielt dabei eine zentrale Rolle. Während Wind- und Solarenergie starken Schwankungen unterliegen, ermöglicht Wasserkraft eine stabile Versorgung, die auch in Phasen geringer erneuerbarer Einspeisung aus anderen Quellen Bestand hat. Selbst wenn der deutsche Strommix zeitweise einen höheren fossilen Anteil aufweist, kann nLighten so eine konstante Basis CO2-freier Energie für den Betrieb seiner Rechenzentren sicherstellen.

Gleichzeitig ist die Vereinbarung flexibel ausgelegt. Steigt der Energiebedarf der Standorte, können zusätzliche erneuerbare Quellen wie Wind- oder Solarstrom integriert werden. Uniper fungiert dabei als ausgleichende Instanz, die Erzeugung, Verbrauch und Netzbezug bilanziert. Diese Struktur erlaubt es, den Strombezug schrittweise an das Wachstum der digitalen Infrastruktur anzupassen, ohne die Transparenz der Versorgung zu verlieren oder neue Abhängigkeiten zu schaffen.

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Ein weiterer zentraler Baustein ist die zeitliche Auflösung der Energiedaten. Die erneuerbare Stromversorgung der deutschen Standorte ist von unabhängiger Seite zertifiziert und kann stündlich nachvollzogen werden. Damit wird nicht nur dokumentiert, dass erneuerbare Energie bezogen wird, sondern auch, wann sie tatsächlich verfügbar ist. Dieser Ansatz geht deutlich über die Anforderungen klassischer Nachweissysteme hinaus.

Bedeutung für Branche und Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Vereinbarung ist Teil einer gesamteuropäischen Strategie von nLighten. In anderen Märkten setzt das Unternehmen auf vergleichbare Modelle mit regional angepassten Energiepartnerschaften. Gemeinsam ist allen Ansätzen der Fokus auf marktspezifische Lösungen und die stündliche Rückverfolgbarkeit erneuerbarer Energie. Je nach nationalem Stromsystem kommen dabei unterschiedliche Technologien zum Einsatz – von Windenergie über Solarstrom bis hin zu grundlastfähiger Wasserkraft.

Für die Rechenzentrumsbranche ist dieser Ansatz interessant. Der bisherige Standard, den Strombezug auf Jahresbasis auszugleichen, gerät zunehmend unter Druck. Insbesondere in Zeiten hoher Netzlast beziehen viele Standorte faktisch Strom aus einem fossilen Netzmix, obwohl sie bilanziell als vollständig erneuerbar gelten. Diese Diskrepanz rückt mit verschärften Berichtspflichten immer stärker in den Fokus.

Durch die stündliche Zuordnung von Erzeugung und Verbrauch können Kunden von nLighten ihre digitale Infrastruktur deutlich präziser bewerten. Das betrifft insbesondere die Erfassung indirekter Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Mit Blick auf steigende regulatorische Anforderungen und wachsende Erwartungen von Investoren und Geschäftspartnern entsteht damit eine belastbare Grundlage für prüffähige Nachhaltigkeitsangaben.

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Von Elke von Rekowski
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