31.01.2022, 07:00 Uhr

Naturschutzgebiete wären als kontrolliertes Netzwerk deutlich sinnvoller

Die Forschung ist sich einig, dass besonders Schutzgebiete einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der Tier- und Pflanzenarten beitragen. Zugleich sichern sie die biologische Vielfalt. Ein Team der Technischen Universität München hat nun untersucht, welche Gebiete noch nicht ausreichend geschützt sind und wo diese liegen.

Tarangire-Nationalpark in Ostafrika

In Ostafrika gibt es zahlreiche Savannen-Schutzgebiete – wie der Tarangire-Nationalpark.

Foto: Christian Hof / TUM

Die gute Nachricht ist: Weltweit werden es immer mehr Schutzgebiete für bedrohte Pflanzen und Tiere. Doch scheinbar findet die Einrichtung solcher Gebiete oftmals statt, ohne dass vorher überprüft wurde, ob es bereits ein bestehendes Reservat in der Nähe gibt. Die mögliche Folge: Bestimmte biophysikalische Eigenschaften wie Temperatur oder Topographie, die ein besonderes Gebiet ausmachen, können überrepräsentiert sein. Die Forschenden der Technischen Universität München (TUM) befürchten, dass ein unkoordiniertes Anwachsen geschützter Flächen global dazu führen könne, dass Ressourcen verschwendet werden. Vor allem dann, wenn nicht darauf geachtet wird, möglichst viele verschiedene Artengemeinschaften oder Umweltbedingungen zu schützen.

In ihrer Studie hat die Forschungsgruppe das Schutzgebietsnetz der Welt für das Meer und an Land untersucht. Im Mittelpunkt standen dabei biophysikalische Gegebenheiten wie Temperatur, Niederschlag, Topografie, Temperatur der Meeresoberfläche und Salzgehalt. Das Forschungsteam wollte herausfinden, wie repräsentativ das Schutzgebietsnetz hinsichtlich dieser Kriterien ist. Daraus ergäben sich dann automatisch auch, welche Gebiete nicht ausreichend geschützt seien und wo diese lägen.

Naturschutzgebiete sind global eher unregelmäßig verteilt

„Schutzgebietsplanung fokussiert bisher insbesondere auf Biodiversität und auf repräsentative Ökosysteme“, erklärt Matthias Bieber, Doktorand im MintBio-Team. Das MintBio-Team ist eine Juniorforschungsgruppe, die sich auch mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt in Bayern beschäftigt. Für die aktuelle Studie haben sie die Kombination biophysikalischer Faktoren in den Mittelpunkt gerückt. Dies ist eine Methode, die bei der Planung von Schutzgebieten bisher noch nicht weit verbreitet ist. Bei der Betrachtung von Land- und Meeres-Lebensräumen ist sie sogar erstmalig eingesetzt worden.

Die Ergebnisse zeigen, dass es in Gebieten mit hohen Temperaturen und niedrigem Niederschlag eher weniger Schutzgebiete gibt. Dagegen sei in verschiedenen Höhenlagen eine relativ gleichmäßige Verteilung von Schutzgebieten zu beobachten. „Bedingungen, wie sie in der Sahara oder auf der Arabischen Halbinsel herrschen, sind unserer Studie zufolge also bisher wenig geschützt“, erläutert Matthias Biber. Im Meer fanden die Forschenden vor allem wenig Schutzgebiete in der Tiefsee sowie in Bereichen mit mittlerem und hohem Salzgehalt. Eine gleichmäßige Verteilung konnten sie nur bei unterschiedlichen Temperaturbedingungen der Meeresoberfläche entdecken. Besonders die biologische Vielfalt der Tiefsee kennen Forschende kaum. „Da unsere Studie nun einen mangelnden Schutz dieses Lebensraums zeigt, heißt dies, dass ein weithin unerforschter Lebensraum durch menschliche Nutzung oder Schadeinwirkung auch verloren gehen könnte“, sagt Bieber.

Statt einiger Gebiete wäre ein Schutzgebietsnetzwerk hilfreich

Die Forschungsgruppe ist sich einig, dass vor allem Schutzgebietsnetzwerke einen großen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten könnten. „Weil wir teilweise gar nicht wissen, welche Arten wir in Gebieten wie der Tiefsee oder in der Wüste noch nicht entdeckt haben und wie diese und andere Arten auf den Klimawandel reagieren werden, ist es wichtig, dass wir nicht nur einige Gebiete mit hoher Artenvielfalt schützen. Vielmehr sollten wir ein möglichst resilientes Schutzgebietsnetzwerk aufbauen, welches auch in Zukunft für alle möglichen Umweltbedingungen und somit alle potenziellen Lebensräume ein Refugium bietet“, sagt Christian Hof, Leiter der Juniorforschungsgruppe MintBio.

Neben der Forschungsgruppe der TUM haben sich aktuell auch Forschende der University of British Columbia mit Schutzgebieten für die Tierwelt beschäftigt. Sie werteten dafür die Daten von 8.671 Kamerafallstationen auf vier Kontinenten aus. In Schutzgebieten fanden die Forschenden eine größere Säugetiervielfalt als in ungeschützten Lebensräumen. Dabei scheint es wohl keinen relevanten Einfluss zu haben, wenn diese Schutzgebiete auch von Menschen zur Freizeitaktivitäten genutzt werden oder Holzeinschlag stattfindet. Auch dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig Schutzgebiete sind, da sie den Artenschutz erheblich unterstützen. Die Studie hat erstmals in so großer Zahl Wildkameras ausgewertet. Cole Burton, Leiter der Studie und forschender Naturschutzbiologie für Säugetierpopulationen und Mensch-Wildtier-Koexistenz ist sich sicher, dass nur ein Wachstum des Schutzgebietsnetzwerks helfen wird, die Artenvielfalt zu erhalten und bedrohte Arten dauerhaft zu schützen.

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Von Nina Draese

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