Feinstaub in Häfen 30.03.2020, 19:20 Uhr

Wann kommen gute Partikelfilter für Schiffe?

Immer wieder sorgen Rußemissionen von Schiffen in Häfen für negative Schlagzeilen. Gesetzliche Vorgaben fehlen noch. Doch der Druck wächst. Ein deutsches Konsortium sucht jetzt die richtigen Feinstaubfilter für Schiffe.

Einen Scrubber, der zwar nicht die Feinstaubemissionen, aber den Schwefelgehalt im Abgas um mindestens 99 Prozent senkt, hat die Saacke GmbH im Herbst 2019 an Bord des 250 Meter langen Rohöltankers Ionic Anassa installiert. Foto: Saacke GmbH

Einen Scrubber, der zwar nicht die Feinstaubemissionen, aber den Schwefelgehalt im Abgas um mindestens 99 Prozent senkt, hat die Saacke GmbH im Herbst 2019 an Bord des 250 Meter langen Rohöltankers Ionic Anassa installiert.

Foto: Saacke GmbH

Große Kreuzfahrt- und Containerschiffe sind eine Touristenattraktion – vor allem in Hafenstädten wie Hamburg. Diese Riesen haben aber – wie auch Barkassen, Fähren, Schlepper und andere Schiffe – eine Schattenseite: Sie setzen viele Schadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffoxid frei. Und die Rußfahnen aus den Schornsteinen sind oft deutlich zu sehen.

Dabei stoßen Schiffe heute bereits weniger Schadstoffe aus als noch vor einigen Jahren: Sie dürfen etwa in der Nord- und Ostsee nur noch schwefelarme Kraftstoffe benutzen. Dies gibt das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (Marpol) vor und ist in der EU gesetzlich festgeschrieben. Grenzwerte für Partikel oder Ruß fehlen jedoch.

Schiffe ohne Partikelfilter

Ein Forschungskonsortium in Deutschland sucht jetzt nach Wegen, diese Emissionen drastisch zu senken. Dies Verbundprojekt heißt „Saarus“. Dies steht für „Optimierung der Scrubber-Abgaswäsche-Technologie zur Reduktion umweltschädlicher Schiffsemissionen“. Beteiligt sind zwei Universitäten, ein Forschungsinstitut sowie sechs Industrieunternehmen. Jeder Projektpartner bringt seine Expertise ein. Einer kümmert sich um Partikelfiltertechnik im Scrubber – so werden Abgaswäscher auf Schiffen genannt –, einer um die Wasseraufbereitung und ein dritter um die Messensorik für die Motorsteuerung. Die Federführung hat das Bremer Unternehmen Saacke Marine Systems.

90 % weniger Feinstaub

Mit dem Projekt, das das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit zirka 3,5 Millionen Euro fördert, sollen drei Ziele erreicht werden:

  • Bis zu 90 % der Gesamtpartikelmasse sowie der Partikelfraktion 0,1 bis 2,5 Mikrometer (PM2,5) sollen abgetrennt werden;
  • die Anzahl von Kleinstpartikeln (1,0 bis 0,1 Mikrometer), also Feinstaub, soll ebenfalls um 90 % sinken;
  • dies soll helfen, eine Vorgabe der Wasserrahmenrichtlinie der EU einzuhalten – nämlich dass sich der Zustand der Gewässer nicht verschlechtern darf.

Gaswäscher auf Feinstaubabscheidung optimieren

In den kommenden Monaten werden Fachleute an der Universität Rostock an einem vorhandenen Prüfstand für Schiffsdieselmotoren einen Scrubber des Unternehmens Saacke installieren. Dieser Gaswäscher wird dort auf die Abscheidung von Feinstaub optimiert. Der Versuchsaufbau entspricht der späteren Umgebung an Bord. Auch verschiedene Filtersysteme zur weiteren Entstaubung und zur Reinigung des Waschwassers werden getestet. Schließlich erfolgt eine detaillierte Analyse des Abgases sowie des Waschwassers, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen. Ziel ist es, Staubemissionen aus Schiffen deutlich zu senken – auch wenn konventionelle und damit preiswerte Kraftstoffe eingesetzt werden.

Nach Ende der Projekts sollen die neuen Erkenntnisse auf einen Feldprototyp übertragen werden. Die beteiligten Fachleute glauben, dass die Nachfrage nach Scrubbern mit Feinstaubfiltern zunehmen wird – vor allem im boomenden Kreuzfahrtsektor.

Handeln nötig

Partikelfilter sind bei Schiffen zwar nicht wie bei Pkw und Lkw vorgeschrieben. Doch das kann sich ändern. Denn der Dreck aus Schiffsschornsteinen ärgert etwa Anwohner und bereits jetzt sind Vorgaben für weniger Staubemissionen im Gespräch. Denn Freiwilligkeit reicht nicht: Die Hamburger Hafenverwaltung erwartet, dass 2020 erst rund ein Prozent der Schlepper und Fähren mit Partikelfiltern ausgestattet sein werden oder mit sauberem Flüssiggas fahren. Eine andere Möglichkeit: Container- und Kreuzfahrtschiffe könnten während ihrer Liegezeit Strom vom Festland beziehen. Doch bislang gibt es in Hamburg gerade mal einen Landstrom-Anschluss in Altona für Kreuzfahrtschiffe. Ein Anschluss für Containerterminals ist noch zu bauen. Und: Kaum ein Reeder nimmt freiwillig Landstrom, weil dies teurer ist, als einfach weiter den billigen Diesel an Bord zu verbrennen.

www.saacke.com

Von Ralph Ahrens

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