North Sea Farm 1 27.02.2023, 07:00 Uhr

Amazon finanziert Klimaprojekt: Algen sollen CO2 reduzieren

Vor der niederländischen Küste entsteht eine Demonstrationsfarm mit einer Größe von zehn Hektar. Die gemeinnützige Organisation North Sea Farmers will dort die Algenzucht verbessern und das Potenzial der Pflanzen für den Klimaschutz erforschen. Für die erste Projektphase stellt Amazon 1,5 Millionen Euro bereit.

Algen

Algen haben ein größeres Potenzial, als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Foto: panthermedia.net/ChrisBoswell

Fachleute bezeichnen Algen als die zweite grüne Lunge des Planeten – dennoch ist vielen Menschen nicht bewusst, was für eine existenzielle Rolle sie für den Klimaschutz spielen. Denn sie speichern das klimaschädliche Gas. Gegenüber Bäumen, die ebenfalls CO2 binden, haben sie dabei einen großen Vorteil: Sie wachsen deutlich schneller.

„Algen könnten bei der Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre eine Schlüsselrolle einnehmen. Trotzdem werden sie derzeit in Europa noch in relativ geringem Umfang angebaut“, sagt Zak Watts, Director EU Sustainability bei Amazon. Der Internetversand-Riese hat gerade verkündigt, die gemeinnützige Organisation North Sea Farmers (NSF) mit 1,5 Millionen Euro zu unterstützen. „Wir freuen uns über die Finanzierung dieses Projekt mehr über die Möglichkeiten der Algenzucht bei der Bekämpfung des Klimawandels zu erfahren“, sagt Watts.

Flächen für Algenfarmen zum Klimaschutz sind ausreichend vorhanden

Bei dem angesprochenen Projekt handelt es sich um „North Sea Farm 1“. Es soll die weltweit erste gewerbliche Algenfarm sein, die zwischen Offshore-Windparks angesiedelt ist. Sie entsteht vor der niederländischen Küste. Die Wahl des Ortes ist natürlich kein Zufall. Denn die Nordsee wird bereits stark genutzt. Algenfarmen können daher wahrscheinlich nur eine Zukunft haben, wenn sie keine Fläche beanspruchen, die für andere Zwecke benötigt wird. Das wäre zwischen Windparks der Fall. Sollte das Projekt erfolgreich sein, gäbe es großes Potenzial.

Gut fürs Klima: Braunalgenschleim

Das zeigen die Zahlen: Wenn eine Algenzucht auf allen Flächen zwischen Offshore-Windparks in der Nordsee stattfände, wären das bis zum Jahr 2040 voraussichtlich etwa eine Million Hektar. Die Größe des Potenzials für die CO2-Reduzierung pro Jahr lässt sich nicht exakt berechnen, aber es dürften wohl mehrere Millionen Tonnen im Jahr sein. Fraglich ist dabei allerdings, welche Auswirkungen Algenfarmen in diese Größenordnung auf das Ökosystem der Nordsee hätten.

Zudem wollen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Algenzucht verbessern und gleichzeitig herausfinden, wie Algenfarmen am besten dazu beitragen können, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und welche Werte diesbezüglich unter realistischen Bedingungen zu erwarten wären. Das Pilotprojekt soll unterm Strich als Blaupause dienen, um das Thema Algenzucht generell voranzutreiben.

Algenfarm soll schon ab Ende des Jahres CO2 binden

Das Projekt wird von einem Konsortium aus Forschenden und Partnern aus der Algenindustrie unter Leitung der Non-Profit Organisation North Sea Farmers (NSF) umgesetzt. Schon Ende des Jahres soll die Algenfarm ihren Betrieb aufnehmen und mindestens 6.000 Kilogramm frischen Seetang pro Jahr produzieren. Die Startphase wird von dem Geld finanziert, das Amazon zur Verfügung gestellt hat.

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Laut Eef Brouwers, Manager of Farming and Technology bei NSF, hätten wirtschaftlich erfolgreiche Algenfarm nicht nur Vorteile für die Umwelt: „Potenziell könnten bis zu 85.000 Arbeitsplätze im europäischen Algensektor geschaffen werden, wenn North Sea Farm 1 in der gesamten Nordsee nachgebaut und der Platz zwischen den Windparks umgewidmet wird. Diese Arbeitsplätze würden vom Anbau, bis hin zur Produktion und im Verkauf von Produkten auf Algenbasis entstehen.“

Amazon unterstützt Algenfarm aus Right Now Climate Fund

NSF ist ein Zusammenschluss aus über hundert Partnern. Unter anderem haben sich Unternehmen, Forschungsinstitute und NGOs zusammengeschlossen, um das Thema Algenzucht zu fördern.

Amazons Finanzspritze stammt aus dem unternehmenseigenen sogenannten Right Now Climate Fund, mit dem Amazon naturbasierte Lösungen unterstützen möchte. Nach eigenen Aussagen soll das Geld unter anderem dafür verwendet werden, Ökosysteme zu schützen, die biologische Vielfalt zu erhalten und den Zugang des Menschen zur Natur zu verbessern, beziehungsweise die Natur zu erhalten. Das gilt vor allem für Gegenden, in denen Amazon aktiv ist.

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Von Nicole Lücke