Klimawandel und Artenvielfalt 21.03.2022, 07:00 Uhr

Wald oder Plantage – Kompromisse sind die Lösung

Ohne Zugeständnisse geht es nicht. Zu diesem Schluss kommende Forschende der University Cambridge in einer neuen Studie. Sie haben verschiedene Waldsanierungsprogramme miteinander verglichen: Welche Methode verspricht den größten Erfolg für die Artenvielfalt und gegen den Klimawandel?

Mischwald

In einem natürlichen Mischwald gibt es Bewuchs in unterschiedlicher Höhe. Das ist unter anderem eim Plus für die Artenvielfalt.

Foto: panthermedia.net/Quils

Ein organisch gewachsener Wald steht sicherlich am besten im Einklang mit den Zielen der Umweltschützer. Doch Wälder sind auch Wirtschaftsräume. In den vergangenen Jahrzehnten sind sie weltweit in einem enormen Maße abgeholzt worden. Das hat einige der aktuellen Probleme ohne Frage verstärkt. Denn jeder Baum speichert Kohlenstoffdioxid, das auf diese Weise gebunden wird und nicht in die Atmosphäre gelangt. Neben vielen anderen positiven Effekten der Wälder sind sie daher ein wichtiges Mittel, um den Klimawandel zu begrenzen. Für viele Expertinnen und Experten ist klar: Wälder müssen dringend wieder aufgeforstet werden.

Vergleich zwischen natürlichen Wäldern und Plantagen

Viele Argumente sprechen dafür, die Baumbestände zu erhöhen. In den Industrienationen beginnt es beim Wert des Waldes als Naherholungsgebiet, und die Kette der Argumente endet beim Thema Sonnenschutz, das in heißen Regionen eine große Rolle spielt. Außerdem wird ihr Holz weiterhin von der Industrie benötigt. Uneinigkeit besteht jedoch darüber, wie eine Waldsanierung aussehen sollte.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University Cambridge haben daher in einer Studie die Vorteile der Wiederherstellung einheimischer Wälder im Vergleich zur Anlage einer Reihe einfacher Baumplantagen untersucht. In den Blick genommen haben sie dabei unter anderem die biologische Vielfalt sowie vier weitere wichtige Funktionen, die ein Wald für den Menschen erbringt, Ökosystemleistungen genannt: Kohlenstoffspeicherung, Schutz vor Bodenerosion, Wasserversorgung und Holzproduktion.

Datensätze aus 53 Ländern analysiert

Werden Wälder angelegt, um solche Ökosystemleistungen zu erbringen, handelt es sich in der Regel um Baumplantagen mit nur einer oder wenigen Baumarten. Das ist einfacher, günstiger und – abhängig von den gewählten Arten – steht das Holz schneller zur Verfügung. Ein wichtiges Argument war bisher, dass die Art des Waldes auf die Ökoleistungen keinen wesentlichen Einfluss hat. Dass ein einheimischer Mischwald für die Artenvielfalt eine höhere Qualität hat, ist hingegen unbestritten. Die neue Studie zeigt: Echte Wälder sind Plantagen in fast jeder Hinsicht überlegen.

Forschende aus sieben Ländern waren an der Studie beteiligt und haben enorme Datenmengen zugeliefert. Insgesamt haben sie nahezu 26.000 Datensätzen aus 264 Studien zusammengetragen, die in 53 Ländern durchgeführt worden waren.

„Dies ist das erste Mal, dass die relative Leistung verschiedener Waldrestaurierungsansätze bei der Erbringung der wichtigsten Leistungen der Wälder gleichzeitig bewertet wurde. Wir können nun beginnen, die Synergien und Kompromisse zwischen den verschiedenen Wiederherstellungszielen zu verstehen, und so die Entscheidungsfindung unterstützen“, sagte Andrew Balmford, Professor am Fachbereich Zoologie in Cambridge.

Natürliche Wälder sind Plantagen deutlich überlegen

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig. Vor allem der Schutz vor Bodenerosion wird von einheimischen Wäldern deutlich besser erbracht als von Bäumen, die künstlich als Plantage gepflanzt wurden. Der Unterschied ist übrigens dort am größten, wo das Wasser knapp ist. Anders gesagt: Je dringender Bäume benötigt werden, um eine Bodenerosion zu vermeiden, desto besser schneiden heimische Baumbestände in der Wirksamkeit ab. Vielfältige einheimische Wälder speichern zudem mehr oberirdischen Kohlenstoff und versorgen nahegelegene Flüsse mit mehr Wasser.

Die Studie ergab auch, dass viele alte oder aufgegebene Plantagen in der ganzen Welt, die sich selbst überlassen wurden, in ihrer Umweltleistung hinter den einheimischen Wäldern zurückbleiben, auch in Bezug auf die Artenvielfalt. Da diese Plantagen anscheinend weit verbreitet sind, könnte es nach Ansicht der Forschenden ein guter Ansatz sein, diese Plantagen dabei zu unterstützen, sich natürlichen Wäldern wieder anzunähern.

Kompromiss könnte Wäldern helfen

Lediglich bei einem einzigen Punkt schnitten die Baumplantagen besser ab als natürliche Baumbestände, nämlich – wenig überraschend – bei der Holzproduktion. Denn für Baumplantagen werden normalerweise schnell wachsende Arten wie Kiefern, Tannen und Eukalyptus verwendet. Diese Bäume neigen allerdings dazu, hoch und gerade zu wachsen. International ist es oftmals üblich durch Düngemittel und Unkrautbekämpfung dafür zu sorgen, dass diese Arten problemlos wachsen können, ohne um wichtige Ressourcen konkurrieren zu müssen. Das schadet der Umwelt und verhindert die Entstehung natürlicher Lebensräume. In organische gewachsenen Wäldern mit vielen unterschiedlichen Arten und auch kleineren Sträuchern entsteht dafür weniger Holz, das zu industriellen Zwecken geschlagen werden kann.

„Die Abwägung zwischen den Vorteilen, die ein Wald für die Umwelt und die Produktion bieten kann, wurde bisher noch nicht oft diskutiert. Die Wiederaufforstung kann wahrscheinlich nicht alle Ziele auf einmal erreichen“, sagte David Edwards, Professor an der School of Biosciences der Universität Sheffield, ein weiterer Hauptautor der Studie. Der Vorschlag der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sieht folgendermaßen aus: Plantagen müssten in einen kohärenten Flächennutzungsplan integriert werden, damit ihre bessere Leistung bei der Holzproduktion dazu führt, dass an anderen Orten ökologisch wertvolle Wälder erhalten werden können. Ein Kompromiss ist also nötig – fürs Klima und für die Artenvielfalt.

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Von Nicole Lücke

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