FVV-Kraftstoffstudie 15.11.2021, 07:00 Uhr

Klimaziele: Es reicht nicht, neue Verbrenner zu verbieten

Eine aktuelle Studie der Forschungsvereinigung FVV zeigt: Die Pkw, die aktuell über die Straßen rollen, gefährden die Klimaziele immens. Die derzeitige Zunahme an neu zugelassenen Elektroautos hat geringere Auswirkungen als gedacht. Auch mit E-Fuels kann man nur unter besonderen Voraussetzungen einen Wandel erreichen.

Stau

Die Bestandsflotte an Pkw mit Verbrennermotor ist hoch - und wird es wohl noch eine Weile bleiben.

Foto: panthermedia.net/Nomadsoul1

Was sind die entscheidenden Faktoren, um die Klimaziele zu erreichen? Diese Frage treibt derzeit viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um. Denn auch, wenn der Plan langfristig Zero-Emissionen heißt, sollte der Fokus zunächst auf dem Umbau jener Bereiche liegen, bei denen der größte Effekt zu erwarten ist. Nur so kann es gelingen, den Anteil an Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Atmosphäre schnell genug zu verringern.

Die Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen e. V. hat daher eine Studie in Auftrag gegeben, die das Beratungsunternehmen Frontier Economics und das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) gemeinsam ausgeführt haben. Sie sollten klären, welche Energieträger im Straßenverkehr der Zukunft am besten eingesetzt werden sollten. Die Ergebnisse überraschen.

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Wie hoch ist die Gesamtmenge an freigesetzten Emissionen?

Der wesentliche Ansatz der Studie bestand darin, sämtliche CO2-Emissionen zu betrachten, die durch den Verkehr verursacht werden, also nicht nur Emissionen durch Herstellung und Energiebedarf der Fahrzeuge, sondern auch die Klimagase, die bei der Bereitstellung der Energie freigesetzt werden. Dieser Gedanke ist bekannt von den Diskussionen um grünen Wasserstoff – klimafreundlich ist Wasserstoff als Energiequelle nur, wenn er auch unter dem Einsatz erneuerbarer Energien hergestellt wird.

Die Expertinnen und Experten wählten für ihre Berechnungen das Budget-System, heißt: Sie betrachteten die kumulierten Emissionen bis zum Jahr 2050, da die Gesamtmenge an freigesetztem CO2 darüber entscheide, ob die in Paris definierten Klimaziele eingehalten werden können.

Mobilität verursacht zu viele Emissionen – Klimaziele nicht haltbar

Die Forschenden fanden heraus, dass die aufgelaufenen CO2-Emissionen der verschiedenen Kombinationen von Energieträgern und Antrieben sich lediglich um 14% voneinander unterscheiden. „Daraus kann man schließen, dass die Antriebsform nur einen sehr geringen Anteil daran hat, ob die Klimaziele erreicht werden. Vielmehr kommt es darauf an, wie schnell wir es schaffen, aus der Nutzung fossiler Energieträger vollständig auszusteigen“, sagt FVV-Geschäftsführer Dietmar Goericke. Anders gesagt: Elektroautos müssen auch unter der Verwendung von Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt und aufgeladen werden, um einen großen Effekt zu erreichen. Außerdem sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon ausgegangen, dass jeder Pkw 17 Jahre auf der Straße unterwegs ist.

Die Studie ist also keine Kritik an der Elektromobilität an sich, sie zeigt, dass die Bestandsflotte an Verbrennern das eigentliche Problem ist – und voraussichtlich zu langsam ersetzt wird. Eines der Ergebnisse der Studie: Wenn ab dem Jahr 2033 nur Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zugelassen werden, die klimaneutral betrieben werden, kann die Mobilität das CO2-Budget, das der Europäischen Union für das 1,5-Grad-Ziel noch zur Verfügung steht, nicht einhalten – wohlgemerkt, es geht um das komplette Budget, das eigentlich für alle Sektoren reichen sollte. Der nächste Blick auf die Zahlen lässt das Problem deutlich zutage treten: Das Budget wird in den simulierten Szenarien bereits 2031 oder 2032 überschritten, also bevor die Neuwagen-Regel greift.

grafik CO2-Budget

Auf diese Grafik ist die Diskrepanz zwischen Zielen und simulierter Praxis gut zu erkennen: Das Budget wird zu früh verbraucht.

Foto: Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen e. V.

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Lösungsvorschlag fürs Erreichen der Klimaziele: E-Fuels

Goericke hat einen Vorschlag, um das Problem zu lösen: „Wir müssen Lösungen finden, die CO2-Emissionen der Bestandsflotte schnell zu senken. Dies ist aus heutiger Sicht nur möglich, wenn es gelingt, synthetische Kraftstoffe rasch in den Markt zu bringen.“
Für ihn ist aber auch klar, dass daraus die nächste Herausforderung erwächst. Denn eine Umstellung der Pkw-Flotte auf synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) wäre mit einem drei- bis vierfach erhöhtem Energiebedarf verbunden, im Vergleich zur Elektromobilität. Auch dafür hat Goericke bereits einen Vorschlag parat: Die synthetischen Kraftstoffe müssten nach seiner Meinung in besonders sonnen- und windreichen Regionen produziert werden, um für ihre Herstellung erneuerbare Energien nutzen zu können. Klar ist für ihn auch: „Es gilt, mehrere Technologiepfade parallel zu verfolgen. Dann haben wir eine Chance, die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig individuelle Mobilität bezahlbar zu behalten.“

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Von Nicole Lücke

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