Studie zeigt negative Effektive 18.07.2022, 07:00 Uhr

Erdgas-Pläne gefährden die Energiewende

Erdgas gilt als sogenannte Brückentechnologie, die dazu beitragen soll, umweltschädliche Emissionen zu reduzieren, bevor vollständige Klimaneutralität erreicht ist. Doch Forschende warnen: Sie stellen Erdgas eine überraschend schlechte Bilanz aus und halten den aktuellen Umbau der Infrastruktur sogar für einen Stolperstein für die Energiewende. Ihr Empfehlungen sehen anders aus.

Rohre für Erdgas-Pipeline

Wie geht es weiter mit dem Thema Erdgas? Forschende sagen: Der Ausbau der Infrastruktur ist nicht die Lösung.

Foto: panthermedia.net/nyrok (YAYMicro)

Jahrelang hat die Bundesregierung hohe Zuschüsse gewährt, wenn Hausbesitzer beispielsweise ihre alte Ölheizung gegen einen modernen Gasbrennwertkessel ausgetauscht haben. Das ist inzwischen in dieser Form vorbei. Anträge haben heute nur noch Aussicht auf Erfolg, wenn Gasheizungen mit erneuerbaren Energien kombiniert werden oder zumindest für eine entsprechende Aufrüstung ausgelegt sind, sonst bleiben die Fördertöpfe verschlossen.

KfW: Neubauförderung wird fortgesetzt

Das ist nur einer der Gründe dafür, dass viele Menschen Erdgas für eine Energiequelle halten, die grundsätzlich umweltfreundlicher ist als Öl oder Kohle. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter der Beteiligung der TU Berlin sieht das anders. In einer Studie legen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dar, dass die negativen Effekte des Energieträgers unterschätzt würden. Zudem halten sie die aktuellen Ausbaupläne der Bundesregierung für einen großen Fehler. Sie könnten die Energiewende sogar verlangsamen.

Ausbau der Erdgas-Infrastruktur in der Kritik

Der Krieg in der Ukraine hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema Erdgas gesenkt. Denn Deutschland steht vor der Herausforderung, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen so schnell wie möglich zu beenden. Das ändert allerdings nichts an den Klimazielen. Aktuell gehen die Bestrebungen dahin, neue Gas-Lieferanten zu finden und die dafür nötige Infrastruktur aufzubauen. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält das für einen Fehler: „Fossiles Erdgas ist weder sauber noch sicher. Das zu lange Festhalten an fossilem Erdgas hat Deutschland in eine Energiekrise geführt, aus der jetzt nur entschlossenes Handeln für eine konsequente Dekarbonisierung führen kann, hin zu einer Vollversorgung aus erneuerbaren Energien.“

In einer interdisziplinären Studie haben Forschende verschiedener Institutionen dieses Thema untersucht. Beteiligt waren neben dem DIW Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Leuphana Universität Lüneburg, der TU Berlin, der Ruhr-Universität Bochum und der Europa-Universität Flensburg.

Erdgas ist klimaschädlicher als bisher angenommen

Die Forschenden sind zu einem klaren Ergebnis gekommen. Sie schätzen Erdgas nicht als die grundsätzlich besser Alternative im Vergleich zu den Energieträgern Kohle und Öl ein. Nach ihrer Analyse werde unterschätzt, wie stark Erdgas dem Klima schade. „Das Problem ist nicht nur das bei der Verbrennung entstehende CO2, sondern das stark wirksame Treibhausgas Methan, das entlang der kompletten Wertschöpfungskette durch flüchtige Emissionen unverbrannt in die Atmosphäre entweicht. Diese Emissionen wurden bislang nicht ausreichend berücksichtigt und unterschätzt“, sagt Fabian Präger vom Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik der TU Berlin.

Dementsprechend sehen die Forschenden die Nutzung von Erdgas auch nicht als eine geeignete „Brückentechnologie“ an, um den Übergang zu erneuerbaren Energien zu gestalten. Im Gegenteil. Sie befürchten, dass der aktuell geplante Umbau der Erdgas-Infrastruktur die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zementieren könnte. Träte dieser sogenannte „Lock-in-Effekt“ nicht ein, entstünde ein anderes Problem, „Stranded Assets“ genannt – die neu aufgebauten Strukturen würden vorzeitig an Wert verlieren, was mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden sei. Für Präger ist die Lösung daher klar: ein zeitnaher und konsequenter Erdgasausstieg.

Der Fachkräftemangel bremst die Energiewende aus

Maßnahmen, um Schäden durch Erdgas zu begrenzen

Die Forschenden haben nicht nur mögliche Szenarien untersucht, sondern auch Maßnahmen vorgestellt, die aus ihrer Sicht dringend umgesetzt werden müssten, um die Klimaschäden durch Erdgas zu begrenzen:

  • Der Methan-Ausstoß entlang der kompletten Wertschöpfungskette in der bestehenden Erdgas-Infrastruktur sollte reduziert werden.
  • Neue Erkenntnisse über die Treibhausgasemissionen in Zusammenhang mit Erdgas sollten in alle Szenarien zur Energiewende und zur Klimaentwicklung einbezogen werden.
  • Die Erdgas-Nutzung sollte nicht als Brückentechnologie gesehen werden. Stattdessen seien eindeutige und entschlossene Dekarbonisierungskriterien gefragt.
  • Eine neue Erdgas-Infrastruktur sollte gar nicht errichtet werden, um Methanlecks und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu vermeiden.
  • Bei der Planung einer Energie-Infrastruktur sollten die Verantwortlichen klimabezogene Risiken ernsthaft einbeziehen.

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Von Nicole Lücke

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