Kreislaufwirtschaft 01.12.2019, 00:00 Uhr

Geschlossene Materialkreisläufe vorantreiben

Mit einer „blauen“ Initiative treibt ein Kunststoffspezialist – die Pöppelmann-Gruppe aus Lohne in Niedersachsen – die Kreislaufwirtschaft voran. Für sie ist Kunststoff ein wertvolles Material, das sich vielseitig einsetzen lässt und die Grundlage vieler wegweisender Technologien darstellt. Ohne Kunststoffe sind viele moderne Errungenschaften wie Leichtbauteile für Fahrzeuge, künstliche Herzmodelle zur Transplantation, die Ausstattung von Raumstationen undenkbar.

Am Standort Lohne stellt Pöppelmann unter anderem Düngeeimer mit einem Anteil vom mindestens 90 % Post-Consumer-Rezyklat her. Bild: Pöppelmann

Am Standort Lohne stellt Pöppelmann unter anderem Düngeeimer mit einem Anteil vom mindestens 90 % Post-Consumer-Rezyklat her. Bild: Pöppelmann

In vielen Anwendungen spart kostbarer Kunststoff deutlich mehr Energie und Ressourcen ein, als für seine Herstellung nötig sind. Zu den Fakten zählt aber auch, dass 2014 weltweit sechs Prozent des Erdöls und -gases zur Erzeugung von Kunststoff verbraucht wurden und nur 46,8 Prozent der eingesammelten Kunststoffabfälle in Deutschland 2017 stofflich verwertet wurden. Die beiden Zahlen beschreiben das Dilemma: Der wertvolle Werkstoff Kunststoff sei in unserem modernen Alltag zwar unverzichtbar, sagt Matthias Lesch, Geschäftsführer bei der Pöppelmann GmbH & Co. KG aus Lohne. „Aber noch wird viel zu wenig dafür getan, nachhaltig mit Kunststoffen umzugehen. Unser Anspruch ist es, die Wiederverwertungsquote zu erhöhen.“

Vier Mitarbeiter (von links nach rechts: Arno Zerhusen, Günther Orschulik, Ulrich Lampe und Benjamin Kampmann) begutachten die mit dem RAL-Gütezeichen ausgezeichneten Pflanztöpfe. Bild: Christian Tombrägel

Vier Mitarbeiter (von links nach rechts: Arno Zerhusen, Günther Orschulik, Ulrich Lampe und Benjamin Kampmann) begutachten die mit dem RAL-Gütezeichen ausgezeichneten Pflanztöpfe. Bild: Christian Tombrägel

 

Die Unternehmensgruppe ist einer der führenden Hersteller in der kunststoffverarbeitenden Industrie. Mit mehr als 2.500 Mitarbeitern, fünf Produktionsstandorten und vier verschiedenen Geschäftsfeldern beliefert die Gruppe unterschiedliche Branchen in mehr als 90 Ländern mit seinen Produkten – von der Automobilindustrie, über den kommerziellen Gartenbau, Maschinen- und Apparatebau, die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie bis hin zur Medizintechnik.

Die Post-Consumer-Rezyklate verarbeitet Pöppelmann in Schutzelementen, Dünge­eimern, Pflanztöpfen und anderen Produkten. Bild: Pöppelmann

Die Post-Consumer-Rezyklate verarbeitet Pöppelmann in Schutzelementen, Dünge­eimern, Pflanztöpfen und anderen Produkten. Bild: Pöppelmann

Mehr Nachhaltigkeit für einen verbesserten Umwelt- und Klimaschutz ist rund um den Globus eine Herausforderung. Als kunststoffverarbeitendes Unternehmen sieht sich die Gruppe verpflichtet, ihre Prozesse und Produkte so umweltbewusst wie möglich zu gestalten. Ressourcenschonende Artikelkonzepte und effiziente Produktionsverfahren tragen dazu bei, den Materialeinsatz zu senken. Darüber hinaus wird die Entwicklung von Produkten gefördert, die für eine mehrfache Verwendung gedacht sind. Ganz besonders stehen Konzepte im Fokus der Forschung und Entwicklung am Produktionsstandort in Lohne, die das Ziel haben, Materialkreisläufe zu schließen. Dies geschieht zum Beispiel durch einen möglichst hohen Einsatz von Recyclingkunststoff und die Entwicklung recyclingfähiger Produkte. „Um diesem Ziel Nachdruck zu verleihen, haben wir eine unternehmensweite Initiative ins Leben gerufen“, erklärt Lesch.

„Blaue“ Initiative

Unter der Initiative Pöppelmann blue bündelt der Kunststoffspezialist alle Aktivitäten der Gruppe, die einen geschlossenen Materialkreislauf in der Kunststoffverarbeitung zum Ziel haben. Das hat mehrere Aspekte: Die Nutzung von Recyclingmaterialien ist seit Langem wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens: Seit mehr als 45 Jahren werden Rezyklate in den verschiedenen Geschäftsbereichen eingesetzt. Dies sind überwiegend Produktionsabfälle aus anderen Produktionsprozessen – also Post-Industrial-Rezyklate –, aber mittlerweile auch mehr Abfälle aus der Verbrauchermaterial – also Post-Consumer-Rezyklate. Aktuell arbeiten Experten aus allen vier Geschäftsbereichen an Lösungen für komplett geschlossene Materialkreisläufe. Dabei konnten die vier Divisionen des Kunststoffspezialisten schon einige Erfolge verbuchen.

Neue Pflanztöpfe aus Circular Blue stapeln sich in einer Inline-Anlage der Abteilung Teku. Bild: Christian Tombrägel

Neue Pflanztöpfe aus Circular Blue stapeln sich in einer Inline-Anlage der Abteilung Teku. Bild: Christian Tombrägel

Pflanztöpfe: leuchtend blau

Der Geschäftsbereich „Teku“ entwickelt und produziert Pflanztöpfe und Anzuchtsysteme für den Erwerbsgartenbau. Er hat komplett recycelbare Pflanztöpfe aus reinen Post-Consumer-Rezyklat im Angebot. Das verwendete Polypropylen stammt bis zu 100 Prozent aus den Wertstoffsammlungen von Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD). Nach Gebrauch wird der Pflanztopf den Gelber Sack- bzw. Gelbe Tonne-Sammlungen wieder zugeführt. Dank seiner markanten, leuchtend blauen Färbung lässt sich das Material in der Abfallsortierung zuverlässig erkennen und herausfiltern. So kann daraus erneut hochwertiges Granulat gewonnen werden, das zur Herstellung neuer Pflanztöpfe verwendet werden kann. Damit entsteht ein komplett geschlossener Materialkreislauf auf ein und derselben Wertschöpfungsstufe.

Eine Fahrzeuganwendung, die mit einem Schutzelement der Serie „GNP 608 PCR-PE“ der Farbe Circular Blue“ verschlossen ist. Bild: Pöppelmann

Eine Fahrzeuganwendung, die mit einem Schutzelement der Serie „GNP 608 PCR-PE“ der Farbe Circular Blue“ verschlossen ist. Bild: Pöppelmann

Kappen im Kreis

Der Geschäftsbereich „Kapsto“ ist weltweit führende Hersteller für Kappen und Stopfen, die sensible Bauteile im Industriebereich schützen. Die Schutzelemente, die überwiegend aus Polyethylen gefertigt werden, sind oft Einwegartikel und werden in den Unternehmen nach Gebrauch entsorgt. In Starter-Projekten erprobt der Geschäftsbereich mit langjährigen Industriekunden das Sammeln der Stopfen und Kappen und die Rückführung an Pöppelmann. Das Ziel ist, diese Schutzelemente zu recyceln, vollständig aufzubereiten und wiederzuverwerten, damit auch hier ein geschlossener Materialkreislauf erreicht wird. Ein erstes Projekt mit einem namhaften Fahrzeughersteller befindet sich in der Pilotphase. Darüber vertreibt Pöppelmann diverse gängige Normreihen dieser Schutzelemente alternativ als ressourcenschonende Schutzelemente in der Farbe „Recycling Blue“. Diese bestehen vollständig aus Rezyklat und überzeugen gleichzeitig durch bekannte Kapsto-Qualität. Und: Das Angebot der Normreihen, die standardmäßig aus Rezyklat erhältlich sind, wird dauernd erweitert.

Schutzelemente der Abteilung Kapsto von Pöppelmann sorgen dafür, dass Bauteile, die später in Fahrzeugen verbaut werden, unbeschädigt und sauber zur Weiterarbeitung gelangen. Bild: Pöppelmann

Schutzelemente der Abteilung Kapsto von Pöppelmann sorgen dafür, dass Bauteile, die später in Fahrzeugen verbaut werden, unbeschädigt und sauber zur Weiterarbeitung gelangen. Bild: Pöppelmann

Verpackung aus Rezyklat

Der Geschäftsbereich Famac entwickelt und produziert Kunststoffkomponenten und -verpackungen für die Pharma- und Lebensmittelindustrie, die höchste Sicherheits- und Hygieneanforderungen erfüllen müssen. Auch hier arbeitet die Forschung und Entwicklung an vollständig kreislauffähigen Produkten. Dieser Geschäftsbereich steht vor besonderen Herausforderungen: Selbst wenn aus technischer Sicht ein geschlossener Materialkreislauf verwirklichbar ist, gelten für diese Verpackungen zusätzlich besondere Vorschriften. Um dennoch die Entwicklungen nachhaltiger Lösungen voranzutreiben, steht die Abteilung im Austausch mit der Lebensmittelindustrie, dem Handel und Forschungseinrichtungen – und dies mit Erfolg: Pöppelmann blue-Universalverpackungen aus Polypropylen in der Farbe „Recycling Blue“ werden zu mehr als 90 % aus Post-Consumer-Recycling-Granulat, das aus Verpackungsabfällen aus den Dualen Systemen gewonnen wird, gefertigt. Nach der Verwendung werden diese Verpackung über die Sammlung der Dualen Systeme der Wiederverwertung zugeführt. Das zurückgewonnene Rezyklat kann für die Produktion neuer Verpackungen verwendet werden.

Recyclingmaterial wird in Haltern, die in Fahrzeugen verbaut werden, um etwa Elektronikkomponenten zu fixieren, eingesetzt. Bild: Pöppelmann

Recyclingmaterial wird in Haltern, die in Fahrzeugen verbaut werden, um etwa Elektronikkomponenten zu fixieren, eingesetzt. Bild: Pöppelmann

Das Spezialgebiet des vierten Geschäftsbericht – K-Tech genannt – ist das Entwickeln und die Serienproduktion hochpräziser technischer Kunststofflösungen beispielsweise für die Automobilindustrie. Zahlreiche dieser Produkte wie Batteriegehäuse, Designabdeckungen für Fahrassistenzsysteme, Halter für Elektromodule wie TV Tuner und Surroundview, Kabelführungen und Verbindungselemente bestehen seit über 25 Jahren zu einem großen Anteil aus Recyclingmaterial. Derzeit arbeitet die Abteilung daran, auch für diese Produkte den Materialkreislauf komplett zu schließen.

Ausgezeichnet zertifiziert

Die verschiedenen Lösungen der Pöppelmann Gruppe sind bereits ausgezeichnet und zertifiziert worden. So hat das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) in Berlin den Geschäftsbereich Famac im April 2019 für seine Universalverpackungen aus 90 % Post-Consumer-Rezyklat aus dem Dualen System mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet.

Und die Gruppe ist das erste Unternehmen, das seit Januar 2019 das neue Gütezeichen der RAL-Gütegemeinschaft „Rezyklate aus haushaltsnahen Wertstoffsammlungen“ verwenden darf. Dies Gütezeichen „GZ 720“ weist den Anteil an Kunststoff eines Produkts aus, der aus dem Gelben Sack, der Gelben Tonne oder vergleichbaren Sammelsystemen stammt. Der Geschäftsbereich Teku erhielt dieses Gütezeichen für die im Rahmen der Pöppelmann blue-Initiative entwickelten blau leuchtenden Pflanztöpfe. Auch die Universalverpackungen aus PCR der Abteilung Famac tragen inzwischen das Gütezeichen. Damit ist deren ressourcenschonende Herstellung aus Rezyklaten, die direkt aus im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne entsorgtem Abfall stammen, nachweisbar garantiert.

Umdenken für Recycling

„Unser aktueller Claim lautet: Wir machen das ressourcenschonender“, unterstreicht Geschäftsführer Lesch. Dies sind für ihn keine leeren Worte. Mit der „blauen Initiative“ hat die Firmengruppe schon Erfolge erzielt. „Unser Anliegen ist, im ökologisch notwendigen Übergang von einer Linear- zu einer Kreislaufwirtschaft eine Vorreiterrolle einzunehmen.“ Das Unternehmen will diesen Prozess weiter vorantreiben und ökologisches Denken mit wirtschaftlichem Handeln in Einklang bringen. Das Feedback der Pöppelmann Kunden zeigt Lesch, dass quer durch alle Branchen ein Umdenken stattfindet und der Kunststoffspezialist mit seinen Produkten der Initiative den Nerv der Zeit getroffen hat. Denn Kunststoff ist weder Abfall, noch grundsätzlich ein schlechtes Material. Kunststoff ist ein wertvoller Rohstoff, den man hervorragend wiederverwenden kann und mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muss. 

www.poeppelmann.com/blue

Julia Uptmoor. Bild: Pöppelmann

Julia Uptmoor. Bild: Pöppelmann

 

Von Julia Uptmoor

Julia Uptmoor Leitung Marketingkommunikation, Pöppelmann GmbH & Co. KG info@poeppelmann.com Bild: Pöppelmann

Top Stellenangebote

Technische Universität Braunschweig-Firmenlogo
Technische Universität Braunschweig Juniorprofessur für "Systembiotechnologie" (W1 mit Tenure Track nach W2) Braunschweig
Technische Universität Braunschweig-Firmenlogo
Technische Universität Braunschweig Juniorprofessur für "Brennstoffzellensysteme und -antriebe" (W1 mit Tenure Track nach W2) Braunschweig
über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik CTO (m/w/d) Mitglied der Geschäftsleitung Technik Nordrhein-Westfalen
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Fertigungstechnik (W2) Merseburg
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Konstruktionstechnik (W2) Merseburg
THD - Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
THD - Technische Hochschule Deggendorf Professor oder Professorin (m/w/d) Unternehmensführung und Technologiemanagement (W2) Pfarrkirchen
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften Technische Referendare / Bauoberinspektor-Anwärter (m/w/d) Hannover
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)-Firmenlogo
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH) Professor (m/w/d) für Automatisierungstechnik und Mikroprozessor-Systeme W2 Zwickau
Staatliches Baumanagement Niedersachsen-Firmenlogo
Staatliches Baumanagement Niedersachsen Technische Referendare / Bauoberinspektor- Anwärter (m/w/d) Hannover
Hochschule Osnabrück-Firmenlogo
Hochschule Osnabrück Professur (W2) für nachhaltige Lebensmittel- und Verpackungstechnik Osnabrück
Zur Jobbörse