Stabile Lieferketten für das Impfserum 15.12.2020, 16:37 Uhr

So kommen Corona-Impfstoffe sicher in die globalen Impfzentren

Yvonne Ziegler von der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) beschreibt die Herausforderungen für die gesamte Logistikbranche, wenn die neuen Corona-Impfstoffe demnächst global für Impfungen verfügbar sein sollen.

Die Verteilung der Corona-Impfstoffe auf die globalen Impfzentren stellt die Lieferketten vor neue Herausforderungen. Foto: panthermedia.net/Sorapop Udomsri

Die Verteilung der Corona-Impfstoffe auf die globalen Impfzentren stellt die Lieferketten vor neue Herausforderungen.

Foto: panthermedia.net/Sorapop Udomsri

In der gesamten Welt werden die ersten Impfdosen händeringend erwartet, um dadurch die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Allerdings stellen sich in diesem Zusammenhang noch einige Fragen: Wie müssen beispielsweise die dafür geeigneten Lieferketten gestaltet sein? Oder welche logistischen Herausforderungen sind noch zu bewältigen? Yvonne Ziegler, Professorin für Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt „Internationales Luftverkehrsmanagement“ und stellvertretende Vorsitzende Direktorin des „Institute for Aviation and Tourism“ (IAT) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), sieht aktuell noch mehrere Faktoren kritisch: Beispielsweise den eingeschränkten Flugverkehr, die regulatorischen Anforderungen bei Pharmatransporten, die strikt einzuhaltenden Temperaturen der Impfdosen und schließlich die Sicherheit der Transporte.

Globaler Flugverkehr deutlich reduziert

„Die weltweite Verteilung des Impfstoffs wird voraussichtlich mit den Transportmitteln Flugzeug und Lkw stattfinden. Aber aufgrund der Corona-Krise sind die weltweiten Flugverbindungen deutlich in Anzahl, Frequenz und Kapazität reduziert, was die Verteilung der Impfstoffe erschwert“, so Ziegler. Einige Länder, etwa in Mittel- und Südamerika, seien momentan lediglich von wenigen Passagierflugzeugen mit sehr wenig Frachtkapazität angebunden. Länder, die von Frachtmaschinen mit einer größerer Kapazität angeflogen würden, hätten den Nachteil, dass diese oft nur die großen Wirtschaftszentren eines Landes anfliegen und die Weiterverteilung in die Fläche per Lkw stattfinden müsste. Dadurch würde die Logistik zusätzlich kompliziert macht. Ziegler schlägt daher vor: „Alternativ müssten Regierungen Charterflüge organisieren, um den Impfstoff möglichst schnell und direkt zu verteilen.“

Transporttemperaturen bereiten Probleme

Mit Transporten temperaturgeführter Impfstoffe im Bereich 2 bis 8 C° hat die Industrie bereits viel Erfahrung, Dafür gibt es entsprechende Kühlräume und Kühlcontainer. „Aktuell fällt aber nur der geplante Impfstoff von Novavax und AstraZeneca in diese Kategorie. Die Vakzine von Moderna sowie Johnson&Johnson werden im Tiefkühlbereich um die Minus 20 C° erwartet. Auch hier gibt es eine verfügbare Infrastruktur – allerdings meistens in kleineren Dimensionen“, erläutert Ziegler. Eine echte Herausforderung sei insbesondere das Handling von Impfstoffen im Ultratiefkühlbereich bei minus 70 C°, wie zum Beispiel der Impfstoff der Mainzer Firma Biontech. „Hier gibt es bisher nur vereinzelte Lagerbetreiber, die in begrenzter Kapazität entsprechende Gefrierschränke vorhalten“, sagt Ziegler. Weiterhin gebe es auch nur sehr wenige Anbieter von Luftfrachtkühlcontainern, die diese niedrigen Temperaturen garantieren können.

Trockeneis als Kühlmedium

Bei der Nutzung von Kühlboxen und Kühlcontainern werde häufig zusätzlich auch Trockeneis zur Kühlung verwendet. In diesem Fall ist einerseits eine separate Infrastruktur an den verschiedenen Stationen nötig, um das Trockeneis wieder aufzufüllen. Auf der anderen Seite ist Trockeneis ein Gefahrgut, dessen Handling eine besondere Qualifikation erfordert und es unterliegt besonderen Restriktionen beim Transport. Je nach Flugzeugtyp sind lediglich zwischen 1.200 und 2.000 Kg Trockeneis erlaubt. Damit lassen sich zwischen sechs und zehn Paletten pro Flug kühlen.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen erforderlich

Und Yvonne Ziegler benennt aber noch einen weiteren Aspekt, der beim Transport der Impfdosen beachtet werden muss: „Da die Impfstoffe vermutlich auch einen hohen Schwarzmarktwert haben werden“, prognostiziert die Wissenschaftlerin, „sind hohe Sicherheitsvorkehrungen, z.B. Zugangskontrollen, Überwachungssysteme – und sogar ein Drohnenabwehrsystem für Lagerhallen – ebenso wichtig.“ Eine weitere besondere Herausforderung bei Pharmatransporten von und nach Europa sei zudem, dass alle an dem Transport beteiligten Parteien die European Good Distribution Guidelines erfüllen und entsprechend zertifiziert sein müssen.

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Von RMW

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