Energiewende 30.06.2020, 12:00 Uhr

So beurteilen Logistikexperten die deutsche Wasserstoffstrategie

Zur Erreichung ihrer Klimaziele hat die deutsche Bundesregierung eine Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) entwickelt. Vertreter führender Logistikverbände begrüßen diese Initiative.

Mit dem verstärkten Einsatz von Wasserstoff - auch im Waren- und Gütertransport - will die Bundesregierung ihre selbst formulierten Klimaziele erreichen. Vertreter führender Logistikverbände begrüßen die "Nationale Wasserstoffstrategie". Bild: PantherMedia/aa-w

Mit dem verstärkten Einsatz von Wasserstoff - auch im Waren- und Gütertransport - will die Bundesregierung ihre selbst formulierten Klimaziele erreichen. Vertreter führender Logistikverbände begrüßen die "Nationale Wasserstoffstrategie". Bild: PantherMedia/aa-w

Die Bundesregierung hat mit der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) einen kohärenten Handlungsrahmen geschaffen, der die künftige Erzeugung, die Nutzung und den Transport von Wasserstoff umfasst. Wasserstoff erhält nach Angaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Energiewende. Als erneuerbarer Energieträger trage er dazu bei, CO2-Emissionen insbesondere in den Bereichen Verkehr und Industrie zu verringern.

Logistikverbände befürworten die Bundesinitiative

Die Entscheidung der Bundesregierung wird von den führenden Verbänden der Transport- und Logistikwirtschaft ausdrücklich begrüßt. Die Wasserstoffstrategie des Bundeswirtschaftsministeriums, heißt es in einer gemeinsam verfassten Presseerklärung, sei ein wichtiger Meilenstein für die künftige Energiestruktur. Die Bereitschaft ihrer Mitgliedsunternehmen, maßgeblich zum Erreichen der internationalen und nationalen Umweltziele beizutragen, erhalte damit eine zentrale Unterstützung. Unterzeichnet wurde diese Erklärung vom Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ) e. V., Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V., Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) e. V., Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) e. V. und vom Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) e. V..

Deutschland soll wettbewerbsfähig bleiben

Jetzt erwarten die Branchenvertreter, dass diese Strategie schnellstmöglich in die Praxis umgesetzt wird. Die Transport- und Logistikbranche benötige dringend neue Antriebstechnologien. Nur so könne Deutschland international wettbewerbsfähig bleiben und zudem noch nachhaltiger werden.

Allerding bezeichnen die Logistikverbände das erklärte Ziel, Deutschland in der Wasserstofftechnologie zum globalen Marktführer zu machen, als sehr ambitioniert. Die grüne Antriebstechnologie habe in der Schweiz schon länger Fahrt aufgenommen.

Wasserstoff wirkt auf der Langstrecke

Tatsächlich kann Wasserstoff nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) entscheidend zur Defossilisierung beitragen. Wasserstoff, dies stellten die Wissenschaftler in der für das Umweltbundesamt erstellten „Roadmap Gas“ fest, sein insbesondere dort von Vorteil, wo sich elektrische Energien nicht unmittelbar einsetzen lässt. Neben der Chemischen Industrie und der Stahlindustrie sei dies insbesondere beim Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr der Fall. Dies bestätigt auch eine Studie, die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) im Auftrag des Wasserstoff-Tankstellenbetreibers H2Mobility durchführte. In dieser Betrachtung wurden die CO2-Emissionen von batteriebetriebenen Diesel- und Wasserstofffahrzeugen gegenübergestellt. Das Ergebnis: Batteriefahrzeuge punkten vor allem bei geringen Reichweiten oder bei reinen Stadtfahrten. Erhöhen sich dagegen die erforderlichen Reichweiten auf 250 bis 300 Kilometer, spielen Wasserstoff-Fahrzeuge ihre Vorteile aus.

Infrastruktur zügig ausbauen

Für den künftigen Einsatz von Wasserstofffahrzeugen muss jedoch die notwendige Infrastruktur schnell ausgebaut werden, fordern die Fraunhofer-Wissenschaftler. Die Ingenieure des Fraunhofer IPA haben dafür beispielsweise bereits in den 1990er Jahren zusammen mit der Aral AG, der BMW AG und der Daimler AG einen Tankroboter für die Wasserstoffbetankung entwickelt. Dieser betankt Fahrzeuge automatisch. Die Experten vom Fraunhofer ISE beschäftigen sich zudem mit der Frage, wie der Wasserstoff – ohne den Druck zu erhöhen oder die Temperaturen zu senken – transportiert werden kann. Dazu werden gemeinsam mit Partnern Verfahren entwickelt, mit denen Wasserstoff zum Beispiel in „Liquid Organic Hydrogen Carriern“ (LOHC) in flüssiger Form sicher transportiert und einfacher gelagert werden kann.

Von Rolf Müller-Wondorf

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