Hamburger Hafen steuert beim Umschlag wieder auf ruhigere Fahrwasser zu 30.11.2020, 09:32 Uhr

Deutlicher Aufwärtstrend beim Warenumschlag

Während der Warenumschlag im Hafen Hamburg in der ersten Jahreshälfte 2020 drastisch gesunken ist, lässt die Umschlagentwicklung in der zweiten Hälfte des Jahres hoffen. Am Jahreswende werden sich die Verluste voraussichtlich „nur“ im einstelligen Bereich bewegen.

Seit Juli geht es mit denUmschlagmengen im Hamburger Hafen wieder aufwärts. Dennoch rechnet die Betreibergesellschaft zum Jahresende mit Corona-bedingten Verlusten im einstelligen Prozentbereich. Foto: panthermedia.net/Canopus

Seit Juli geht es mit denUmschlagmengen im Hamburger Hafen wieder aufwärts. Dennoch rechnet die Betreibergesellschaft zum Jahresende mit Corona-bedingten Verlusten im einstelligen Prozentbereich.

Foto: panthermedia.net/Canopus

Verhältnismäßig erfreulich Nachrichten kommen derzeit aus Hamburg: Mit „nur“ acht Prozent fällt der Rückgang beim Seegüterumschlag im dritten Quartal im nach eigenen Angaben größten deutschen Universalhafen deutlich geringer aus als im zweiten Quartal. In diesem Zeitraum verzeichnete der Nordseehafen noch ein Minus von 16,2 %. Deutlich wird aber dennoch, dass sich die global spürbaren negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin bei der Umschlagentwicklung im Hafen Hamburger bemerkbar machen. Nichtsdestotrotz schöpfen die Verantwortlichen beim Hafen Hamburg Marketing (HHM) durch das Ergebnis im dritten Quartal Hoffnung, dass der zweistellige Umsatzrückgang zunächst einmal gestoppt wurde. Dieser hohe Rückgang entstand vor allem durch das Runterfahren wichtiger Wirtschaftsbereiche und durch eine schwächere Konsumnachfrage. Im dritten Quartal ist nach Ansicht von HHM wieder eine positive Aufwärtsentwicklung zu erkennen.

Verlässliche Versorgung der Bevölkerung

„Seit Juli sehen wir eine Stabilisierung in der Umschlagentwicklung und damit einen insgesamt geringeren Rückgang beim Seegüterumschlag des Hamburger Hafens. Die im Sommer gesunkenen Infektionszahlen und die daraufhin gelockerten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sowie das Auffüllen der Läger für das Weihnachtsgeschäft sind als Ursachen zu nennen“, erläutert Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing, und weist darauf hin, dass der Nordseehafen unvermindert seine Umschlag- und Logistikservices 24/7 erbringt. „Die verlässliche Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaft mit Gütern und Rohstoffen läuft auch unter den schwierigen weltwirtschaftlichen Bedingungen sicher“, betont der Manager und ergänzt: „Der Hafen ist mit seinen Umschlagterminals, Logistik- und Servicebetrieben sowie den Transportverbindungen mit dem Binnenland voll betriebsfähig.“

Beide Hauptumschlagsegmente mit Verlusten

Bis zum Ende des dritten Quartals wurden im Hamburger Hafen 93,2 Mio. t Seegüter an den Terminals geladen oder gelöscht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies ein Rückgang von 10,7 %, von dem beide Hauptumschlagsegmente betroffen sind. Der Stückgutumschlag mit 65,2 Mio. t (-9,9 %) sowie der Massengutumschlag mit 28 Mio. t (-12,4 %) blieben beide deutlich hinter dem guten Vorjahresergebnis zurück. Beim Containerumschlag wurden im Nordseehafen in den ersten drei Quartalen insgesamt 6,3 Mio. TEU (20-Fuß-Standardcontainer) über die Kaikanten gehievt. Das entspricht einem Rückgang von 9,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Unterschiedliche Verluste beim Containerumschlag

Sehr unterschiedlich verlief die Entwicklung des Containerumschlags der zehn wichtigsten Handelspartner in den ersten drei Quartalen. Insbesondere der Mengenrückgang im seeseitigen Containerumschlag mit China (-11,3 %), der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Hamburger Hafens, ließ sich nicht durch die teilweise positive Entwicklung mit anderen Ländern ausgleichen. Hinzu kommt, dass neben China auch Russland (-15,1 %), Südkorea (-11,8 %), Schweden (-11,8 %), Polen (-9,6 %) und Dänemark (-3,4 %) teilweise zweistellige Rückgänge im seeseitigen Containerumschlag aufweisen.

Regionen mit positiver Verkehrsentwicklung

Zu den Handelspartnern unter den Top Ten des Hamburger Hafens mit einem Zuwachs im Containerverkehr zählen neben den USA (+0,1 %) auch Malaysia (+5,5 %), Singapur (+7,1 %) und das Vereinigte Königreich (+41,0 %). Für die im Ranking der Containerpartner Hamburgs an Position zwei folgenden USA wurde in den ersten drei Quartalen mit insgesamt 439.000 TEU noch ein Wachstum verzeichnet. „Die unverändert positive Containerverkehrsentwicklung mit den USA überrascht vor dem Hintergrund der dort durch Corona beeinträchtigten Wirtschaftsleistung und einer sinkenden Nachfrage. Die positive Entwicklung im Containerverkehr mit Großbritannien ist auf vermehrt durchgeführte Transporte von Leercontainern für den deutschen Markt und auf verstärkt stattfindende Lieferungen nach Großbritannien vor dem anstehenden Brexit zurückzuführen,“ erläutert Ingo Egloff, Vorstandskollege von Axel Mattern.

Verluste im einstelligen Prozentbereich erwartet

Insgesamt fiel der Rückgang im Hamburger Hafen beim Import mit 14,4 % deutlich höher aus als der Rückgang beim Export (-5,5 %). Vor allem die gesunkene Stahlproduktion führte auf der Importseite zu weniger Umschlag von Kohle und Erz. Der Umschlag von Agribulk im Segment Sauggut dagegen entwickelte sich bis zum Ende des dritten Quartals positiv und erreichte ein Volumen von 5,6 Mio. t (+20,1 %). Der deutlich angestiegene Export von Düngemittel und Getreide ist hier vor allem die Ursache für die sehr positive Umschlagentwicklung. „Wir werden das starke Vorjahresergebnis trotz der Erholung seit der Jahresmitte nicht mehr erreichen“, zieht Egloff ein Fazit. „Aber die Entwicklung ab Juli lässt hoffen, dass wir am Jahresende nur Verluste im einstelligen Bereich haben werden.“

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