01.07.2016, 00:00 Uhr

Digitalisierung als Chance für die Produktionslogistik

In heutigen Fertigungen stehen Maschinen nicht mehr isoliert, sondern sind miteinander verkettet und informationstechnisch vernetzt. Das verändert auch das Geschäftsmodell von Maschinen- und Anlagenbauern.

Denn bei der Entwicklung neuer Lösungen stehen immer weniger die mechatronischen Systeme im Vordergrund, sondern prozessübergreifende Software. Diese bildet schon heute die meisten Funktionen in Maschinen und Anlagen ab und steigert deren Leistung und Effizienz deutlich. Die Digitalisierung fordert von den Anbietern, ihr Portfolio weiterzuentwickeln und ihren Kunden einen klaren Mehrwert zu verschaffen.

Im Zeitalter von Industrie 4.0 erfährt die Investitionsgüterindustrie einen tiefgreifenden Wandel. Menschen, Maschinen, Produkte, Rohstoffe, Ladungsträger, Transportmittel und Standorte sind zunehmend digital vernetzt – das „Internet der Dinge“ ist bei weltweit mehr als 20 Mrd. Elementen, die mit einer eigenen IP-Adresse sowie einem Chip oder Sensor ausgestattet sind, längst keine Vision mehr. Produktion und Logistik verschmelzen, ihre Prozesse werden immer enger verzahnt, Handhabungsaufgaben zunehmend auto­matisiert. Die Wertschöpfungskette ist vom Rohstofferzeuger bis zum Endverbraucher digitalisiert, an der Durchgängigkeit dieser Digitalisierung arbeiten Forscher und Praktiker mit Hochdruck.

Grundvoraussetzung für diese Entwicklung ist leistungsfähige, intelligente und prozessübergreifende Software. Die Intralogistik-IT reicht mittlerweile weit über das Lager und Distributionszentrum hinaus und integriert beispielsweise die Fertigung oder die Versorgung von Montage-Arbeitsplätzen ebenso wie den Verbraucher. Damit steigert sie die Wertschöpfung und Profitabilität aller Beteiligten entlang der gesamten Supply Chain. Das wirkt sich auch auf den Maschinen- und Anlagenbau aus: Bei vielen Unternehmen hat die Software bei der Entwicklung neuer Lösungen bereits einen Anteil von 50 % und mehr.

Noch vor wenigen Jahren haben Betreiber und Maschinenbauer die Leistung ihrer Anlagen gesteigert, indem sie die einzelnen Einheiten optimiert und entlang der Wertschöpfungskette aneinandergereiht haben. Die Intralogistikbranche erkannte jedoch sehr früh, dass für einen Effizienzsprung die gesamte Supply Chain betrachtet werden muss. Damit hielt das Prozessdenken über alle Elemente der Wertschöpfungskette Einzug, ebenso wie durchgehende Informationsströme vom Lieferanten über die Produktion bis hin zum Endkunden. Um diese komplexen Abläufe zuverlässig zu beherrschen, wird die IT in der Intralogistik immer wichtiger.

Damit ist auch die Bedeutung der Software eines Anbieters mittlerweile meist höher einzuschätzen als seine Maschinenbau-Kompetenz. Denn Steigerungen bei Leistung und Effizienz sind heute oft nur noch durch leistungsfähigere Software möglich, ohne dass zwangsläufig auch Maschine und Anlage angefasst werden müssen. Dadurch eröffnet sich ein spannendes Geschäftsfeld für Maschinen- und Anlagenbauer – mit großem Nutzen für ihre Kunden. Ein Unternehmen, das seit jeher Technik, Maschinenbau sowie Systemintegration beherrscht und seine Anlagen von Beginn an mit intelligenter Software und Steuerungen ausstattet, ist in der Lage, dem Anwender einen klaren Mehrwert zu bieten: flexiblere Abläufe, Effizienz auch bei Losgröße 1, gesamtheitliche Prozessoptimierung auf umfassender Datenbasis, Einsparungen durch höhere Transparenz. Es wird damit vom Lieferanten zum langfristigen Projektpartner, mit dem Betreiber jetzige und zukünftige Anforderungen gemeinsam lösen können.

Von Philipp Hahn-Woernle

Philipp Hahn-Woernle - CEO bei viastore, Stuttgart

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