Nach Corona 22.04.2020, 19:17 Uhr

Wie entwickelt sich der deutsche E-Commerce-Markt?

Ob und wie schnell sich der deutsche Onlinehandel und die damit verbundene Logistik nach der Corona-Krise erholen wird, darauf kann ein Vergleich der aktuellen Datenlage in Deutschland und China eine Antwort geben.

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Der Onlinehandel und damit auch die Logistik leiden unter den Folgen der Korona-Schutzmaßnahmen.

Foto: panthermedia.net/Jakub Jirsák

Momentan bestimmt Covid-19 den Tagesablauf in Deutschland. Und nicht nur der stationäre Handel mit nicht lebensnotwendigen Produkten ist von den Pandemie-Maßnahmen betroffen. Massive Umsatzrückgänge prognostizieren inzwischen auch die Onlinehändler. Das eCommerce Competence Center von Arvato Supply Chain Solutions wollte jetzt herausfinden, wie sich der deutsche Markt nach dem Ende der Corona-Einschränkungen darstellen wird. Dazu wurde die aktuelle Datenlage in Deutschland mit den Entwicklungen in China verglichen, um daraus mögliche Szenarien abzuleiten.

Konjunktur nimmt nur sehr langsam wieder Fahrt auf

Das Ergebnis: Während in China eine schnellere Stabilisierung erwartet wird, nimmt hierzulande die konjunkturelle Dynamik voraussichtlich nur sehr langsam wieder Fahrt auf. Das liegt laut den Untersuchungsergebnissen daran, dass die Zahl der Neuinfektionen in China bereits im Februar ihr Maximum erreichte. Dort sind für das Online-Geschäft schon leichte Erholungstendenzen erkennbar. Setzt sich diese Entwicklung fort und bleibt die Zahl der Neuinfektionen auf diesem niedrigen Niveau stabil, muss China nur einen kurzen Einbruch bei den Wirtschaftsaktivitäten verkraften und kann diese schnell wieder ausgleichen. Nach den Untersuchungsergebnissen ändert sich derzeit das Kaufverhalten der chinesischen Kunden parallel zu den gelockerten Pandemie-Maßnahmen und mit wachsender Zuversicht. Vor diesem Hintergrund stehen bei den chinesischen Konsumenten neben den notwendigsten Produkten auch Luxusartikel wie Mode- und Schönheitsprodukte erneut hoch im Kurs.

Verhaltene Erholung des Online-Handels

Wie sich der deutsche Online-Handel und die damit verbundenen logistischen Prozesse weiterentwickeln, wird sich nach Meinung der Arvato-Experten erst in den nächsten zwei Wochen entscheiden. Ob und wie schnell sich der Online-Handel hierzulande erholt, hänge von der Entwicklung der Neuinfektionen ab. Die aktuell sehr hohen Infektionszahlen lassen auf einen baldigen Peak schließen. Dies würde auf einen ähnlichen Verlauf wie in China hindeuten. Andererseits sei es aber auch möglich, dass die Spitze der Ausbreitung erst Ende April oder Mai erreicht wird. „Sollten die aktuellen Beschränkungen in Deutschland noch für weitere vier bis sechs Wochen bestehen bleiben, werden sich Konsumenten auch weiterhin nur auf die wesentlichen Einkäufe beschränken, weil große Unsicherheiten bezüglich des Arbeitsmarktes bestehen“, prognostiziert Franziska Kier, Senior Consultant beim eCommerce Competence Center. Nach ihrer Ansicht könne dies für viele kleinere und mittelständische Unternehmen Personalentlassungen oder Insolvenz bedeuten. Dies wiederum würde zu einer deutlich langsameren und unvollständigen Erholung des Onlinehandels in 2020 führen. Im Fashion-Bereich sei davon insbesondere das „High Street Segment“ betroffen, während die Arvato-Experten bei Schönheits-, Luxus- und Sportprodukten eine schnellere Stabilisierung erwarten.

Von Rolf Müller-Wondorf

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