21. VDI-Flurförderzeugtagung 2021 04.11.2021, 10:25 Uhr

Von mobilen Robotern und nachhaltigen Antriebskonzepten

Die diesjährige 21. Flurförderzeugtagung der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL) fand kürzlich als Präsenzveranstaltung erneut in Baden-Baden statt. Dort diskutierten die Expertinnen und Experten beispielsweise über die Herstellung von Kosten- und Qualitätstransparenz beim Einsatz von Flurförderzeugen, über den Einsatz neuronaler Netze bei der Kollisionswarnung oder aber über umweltfreundliche Antriebstechnologien für das Flurförderzeug der Zukunft.

Die diesjährige 21. VDI-Flurförderzeugtagung fand als Präsenzveranstaltung erneut in Baden-Baden statt. Foto: Rolf Müller-Wondorf

Die diesjährige 21. VDI-Flurförderzeugtagung fand als Präsenzveranstaltung erneut in Baden-Baden statt.

Foto: Rolf Müller-Wondorf

Während des Kongresses wurde deutlich, dass die Branche recht zuversichtlich in die Zukunft schaut. „In der Intralogistik haben Aufträge aus dem Boom des Online-Handels den Corona bedingten Konjunktureinbruch im Frühjahr des vergangenen Jahres – verursacht durch unterbrochene Lieferketten – bei den Herstellern von Flurförderzeugen oder Warehouse-Einrichtungen, schnell vergessen lassen“, betonte Tagungsleiter Heiner Sternstein in seiner Begrüßungsrede. Der Staplerexperte der Linde Material Handling GmbH gab allerdings zu bedenken, dass steigende Rohstoff- und Materialkosten sowie die Verfügbarkeit von Bauteilen die Unternehmen die Branche aktuell belastet.

Digitalisierung war Schwerpunktthema

Das Programm der 21. Flurförderzeugtagung stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. „Digitale Information und Serviceleistungen, mobiles Internet sowie soziale Medien sind seit Jahren Stand der Dinge. Bereits Kinder im Schulalter sind mit dem Umgang vertraut. Wir erleben die digitale Transformation“, so Sternstein. Zunehmend würden über das Internet Produkte und Maschinen miteinander vernetzt und dadurch komplette Wertschöpfungsketten verändert. Die Wirtschaft, die Bildung, die Medizin, die gesamte Gesellschaft veränderten sich durch die Digitalisierung rapide. „Alles, was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert werden“, zitierte Sternstein um den bekannten Visionär und Buchautor Karl-Heinz Land.

Ausgewogene Programmvielfalt

Mit ihrer Auswahl der fachlichen Vorträge haben die Mitglieder des Programmausschusses wieder ein interessantes Vortragsprogramm zu aktuellen Branchentrends zusammengestellt.Beispielsweise ging es gleich in der ersten Sequenz um die „Transformation in der Intralogistik – vom Flurförderzeug zum mobilen Roboter.“ „Fahrerloses Fahren und navigieren von AGVs ist in der Intralogistik Stand der Technik. Gegenwärtig stellen sich die Hersteller den Herausforderungen der Optimierung von Transportwegen mit dynamisch variierenden Routenführungen. Die AGV wandeln sich zu mobilen Robotern, die mittels Machine-Learning Transportgüter erkennen, selbsttätig kommissionieren, somit vollständig autonom operieren. Derartige Roboter können mit dem Menschen ohne Risiken interagieren. Für derartige Funktionen sind eine Vielzahl zuverlässiger Sensoren notwendig“, sagte Tagungsleiter Sternstein. Selbst komplexe Lager ließen sich automatisieren und zuverlässig in die Materialflusssteuerungen und ERP-Systeme von Unternehmen integrieren. Mit der Automatisierung würden zudem menschliche Fehler minimiert. Allerdings stelle sich die Frage: „Wer trägt die Verantwortung bei Installation oder Betrieb automatischer oder autonomer FFZ?“

KI ist mehr als nur ein Hype

Eine weitere Tagungssequenz beschäftigte sich mit dem Thema: „Künstliche Intelligenz – raus aus der Theorie, rein in die reelle Anwendung“. Unter anderen ging Yan Rudall, Research Engineer bei der Hamburger Still GmbH, der Frage nach: „Künstliche Intelligenz in de Intralogistik – nur ein Hype oder die Zukunft?“ Fakt ist, dass die notwendigen Algorithmen bereits seit Jahren bekannt sind, deren Anwendung verlässt heute Labore oder Testanwendungen und hält in der Praxis Einzug. Künstliche Intelligenz wird beispielsweise zur Umfeld- und Objekterkennung eingesetzt oder verhilft Assistenzsystemen, selbsttätig zu lernen.

„Auf der anderen Seite werden Bediener von Flurförderzeugen durch eine ständig steigende Anzahl verfügbarer Assistenzsysteme sowie intuitive Bedienkonzepte unterstützt. Immer schnellere Abläufe komplexer Aufgaben erhöhen die Leistungsfähigkeit logistischer Prozesse. Beispielhaft können Fußschutz oder Höhenkontrolle zu unfallfreiem Betrieb beitragen. Alle diese Details dienen der Effizienzsteigerung“, betonte Heiner Sternstein und verwies dabei auf die Vorträge unter dem Thema „Fahrerassistenzsysteme – Erhöhung der Sicherheit und der Leistung“.

Nachhaltig in die Zukunft

Gegenwärtig gewinnt neben wirtschaftlicher Effizienz auch der nachhaltige Umgang mit Ressource und der Klimaschutz in Unternehmen rasant an Bedeutung. Im Besonderen bei der Energieversorgung steht Nachhaltigkeit im Fokus. Dieser Umstand fand in der Sequenz „Nachhaltigkeit in der Intralogistik – mit Vollgas in die Zukunft“ Beachtung. Schließlich hat Europa sich den „Green Deal“ zum Ziel gesetzt und will bis 2050 den CO2-neutralen Kontinent realisieren. Deutschland hat mit der Novelle des Klimaschutzgesetzes Ende August die europäischen Ziele noch forciert. „Eine Herausforderung und es braucht hierzu Initiativen in allen Bereichen, diese schließen selbstverständlich Transport und Logistik ein“, so Sternstein.

Dennoch benötige jeder Antrieb Energie, und so wird unter sich ändernden Rahmenbedingen die Diskussion um den optimalen Antrieb, Verbrennungsmotor, batterieelektrisch oder Brennstoffzelle ständig erneuert. Dabei seien alle genannten Arten von Antrieben ökologisch, oder einfacher gesagt, grün realisierbar. „Es braucht dazu spezifische Rahmenbedingungen, ein Selbstlauf ist dieses nicht. Der effiziente Energiespeicher erlangt steigende Bedeutung. Mit dezentralen Konzepten ist der Abbau von Spitzenlasten in Energieversorgungsnetzen möglich“, betonte der Tagungsleiter.

Fahrerassistenzsysteme

Im Vortragsblock „Fahrerassistenzsysteme – Erhöhung der Sicherheit und der Leistung“ wurde schnell klar, dass das Thema Fahrerassistenzsysteme aktuell ein Schwerpunkt der Entwicklung im Bereich der Intralogistik ist – sowohl bei FFZ-Herstellern auch bei Anbietern von Sicherheitssystemen und Warehouse-Management Lösungen. „In der Verbandsarbeit, etwa beim VDI und beim VDMA, werden zunehmend Fragen zum Thema Assistenzsysteme diskutiert“, bestätigte Ralph Krogmann, Mitglied der Programmausschusses und Leiter Verbände und Produktsicherheit bei der Jungheinrich AG. In diesem Zusammenhang wurde in Baden-Baden auch über die neue Richtlinie VDI 4482 Assistenzsysteme für Flurförderzeuge diskutiert. „Bei der Entwicklung und dem Einsatz von Assistenzsystemen stellen sich immer wieder Fragen bezüglich der Betriebssicherheit von Assistenzsystemen und den am FFZ zulässigen Modifikationen. Die in diesem Jahr als Entwurf erscheinende VDI Richtlinie wird dem Betreiber wichtige Hinweise geben und definiert eine Schnittstelle, die die Integration von Assistenzsystemen deutlich erleichtert. Dadurch wird es dem Betreiber zukünftig ermöglicht, eine Vielzahl von Systemen quasi per Plug and Play zu installieren. Dies ist ein wichtiger Schritt, das Assistenzsystem vom Sicherheitssystem abzugrenzen und die rechtliche Grauzone, zumindest für Kamera-basierte Kollisionsschutzsysteme, ein gehöriges Stück zu verkleinern“, sagte Krogmann.

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Von RMW

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