Handelslogistik-Kongress stellte Umweltschutz in den Fokus 08.09.2020, 13:05 Uhr

So will die Logistik nachhaltiger werden

Nachhaltigkeit hat in der Logistik einen hohen Stellenwert. Dies unterstrichen zahlreiche Referentinnen und Referenten unlängst während des 26. Handelslogistik-Kongresses.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Logistik eine große Rolle. Dies wurde unlängst auch während des Handelslogistik Kongresses deutlich. Foto: BVL

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Logistik eine große Rolle. Dies wurde unlängst auch während des Handelslogistik Kongresses deutlich.

Foto: BVL

Die Bundesvereinigung Logistik (BVL), das wissenschaftliche Institut des Handels (EHI Retail), das Netzwerk von „Not-for-Profit-Organisationen“ GS1 und der Markenverband hatten im August nach Köln zum diesjährigen Handelslogistik-Kongress eingeladen. Im Mittelpunkt der Präsenzveranstaltung standen „grüne“ Logistikthemen. Schließlich, diesbezüglich waren sich die teilnehmenden Experten einig, genieße die Logistik kein positives Image im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit. Tatsächlich aber – so der Tenor während der Veranstaltung – ist dieser Wirtschaftszweig in einem besonders hohen Maße auf Effizienz ausgerichtet und hat Zugriff auf bedeutende Stellschrauben

Bei Recyclat und Mehrwegverpackung denken Logistik, Industrie und Handel um

Beispielsweise lassen sich Produktverpackungen zu einem großen Teil aus „Post-Consumer-Abfällen“ herstellen, die sich im gelben Sack wiederfinden. Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei der Werner & Mertz GmbH, berichtete über den Einsatz von Recyclat, hergestellt aus Kunststoffabfällen. Nach seiner Aussage ist es technisch möglich, Verpackungen für zum Beispiel Duschgel zu 100 % aus Altkunststoffen herzustellen. Es gebe lediglich geringe Mängel bei der Optik, die sich aber durch die Weiterentwicklung des Verfahrens auch beseitigen lassen. Von der Politik forderte Glanz, die regulatorischen Hürden für den Einsatz von Altkunststoffen zu senken.

Erfolgreiches Mehrwegversandsystem

Einen Schritt weiter dagegen ist das Mehrwegversandsystem der memo AG. Dieses System ist bereits regulatorisch geklärt und wird bereits umgesetzt. Der Anbieter von nachhaltigen Produkten für Freizeit und Büro optimiert dieses Systems bereits seit 2009. Dabei erhält der Endkunde auf Wunsch eine wiederverwendbare Box für die Verpackung seiner Bestellung. Nach der Entnahme des Inhalts wird diese Box in den Kreislauf zurückgeführt. Allerdings muss diese Box 55 mal im Umlauf sein, damit sie ihre ökologischen Vorteile im Vergleich zum herkömmlichen Versandkarton ausspielt.

Plastikmüll vermeiden

Plastikverpackungen einzusparen ist aber nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern macht auch betriebswirtschaftlich durchaus Sinn. Dies verdeutlichte Olaf Dechow von der OttoGroup während des Kongresses mit Hinweis auf die ab dem 1. Januar 2021 geltende EU-Plastikabgabe.

Alternative Konzepte im Trend

Insgesamt, dies wurde während der Veranstaltung in Köln deutlich, sitzen Logistiker an zahlreichen Stationen der Lieferketten an sehr vielen Stellschrauben für nachhaltiges Wirtschaften – etwa auf der „mittleren Meile“ in den Sortierzentren. Für eine optimale Auslastung der Transportfahrzeuge, die von dort aus auf die „letzte Meile“ in den urbanen Raum und zu den Endkunden geschickt werden, prädestiniert Andreas Marschner, Vice President EU Transportation Services bei Amazon, die vorsortierte, gebündelte Lieferungen. Mit dieser Maßnahmen ließen sich Mehrfach-Transporte zu nah beieinander liegenden Zielen vermeiden und dadurch den Verkehr in den Städten sowie die CO2-Emissionen reduzieren. Ein weiteres Modell sehe die Zustellung von privaten Warensendungen an den Arbeitsplatz vor. Denkbar wäre die gebündelte Zustellung an einen Paketkiosk oder an eine Paketbox am Arbeitsplatz. Dort könnten die Sendungen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abgeholt werden. In diesem Fall greifen – wie so oft – Ökologie und Ökonomie ineinander. Denn auf der letzten Meile, so Dr. Kai D. Kreisköther vom Aachener Start-up DroidDrive, entstehen mehr als die Hälfte der Logistikkosten. „Aber gerade die urbane Logistik birgt noch viel Potenzial. Und es wäre schade, das nicht heben zu können“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Stölzle von der Universität St. Gallen.

Gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit ist machbar, wenn man sich dem Thema intensiv verschreibt“, nahm Marschner von Amazon während des Kongresses in Köln den Skeptikern Wind aus den Segeln. Allerdings, so Marschner weiter, sei Nachhaltigkeit auch ein Prozess. Dieser könne nicht von heute auf morgen optimiert werden. Vor allem benötige er betriebswirtschaftlich betrachtet einige Zeit, um dann auch lukrativ zu werden. Für den nachhaltigen Erfolg sei es daher wichtig, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen und, vor allem, zusammenzuarbeiten. Kooperationen beispielsweise zwischen Verpackungsherstellern und Logistikern oder KEP-Dienstleistern und Herstellern würden neue, zusätzliche Möglichkeiten schaffen.

Fortsetzung folgt

Die BVL wird das Thema im Oktober beim Deutschen Logistik-Kongress in Berlin unter dem Motto „Nachhaltig gestalten – Winning the Next Decade“ weiterschreiben. Weitere Informationen dazu sind erhältlich unter www.bvl.de/dlk.

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