TH Rosenheim entwickelt neues Möbellogistik-Konzept 29.04.2021, 12:52 Uhr

So lassen sich Leerkilometer und Emissionen entlang der Lieferkette vermeiden

Gemeinsam mit Unternehmen aus der Möbellogistik hat die Fakultät für Holztechnik und Bau der Technischen Hochschule Rosenheim ein Konzept entwickelt, mit dem Leerkilometer eingespart und die Zahl der Direktlieferungen erhöht werden können. Dies reduziert Reklamationen, Kosten und Emissionen. Das Konzept wird jetzt in einer Pilotphase auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft.

Gemeinsam mit Unternehmen aus der Möbellogistik hat die Fakultät für Holztechnik und Bau der Technischen Hochschule Rosenheim ein Konzept entwickelt, mit dem Leerkilometer eingespart und die Zahl der Direktlieferungen erhöht werden können. Foto: panthermedia.net/serezniy

Gemeinsam mit Unternehmen aus der Möbellogistik hat die Fakultät für Holztechnik und Bau der Technischen Hochschule Rosenheim ein Konzept entwickelt, mit dem Leerkilometer eingespart und die Zahl der Direktlieferungen erhöht werden können.

Foto: panthermedia.net/serezniy

Leere Lkw und ungenutzte Laderäume erhöhen die Kosten und stoßen unnötige Treibhausgase aus. Der Fachkräftemangel setzt die Lieferlogistik zusätzlich unter Druck. Fernreisen verursachen hohe Kosten, der Warentransport führt zu Schäden an der Ware und eine leere Rücksendung verringert den Mehrwert. Aus diesen Gründen ist die Optimierung der Lieferlogistik wichtiger denn je. Da die Logistik in der deutschen Möbelindustrie bislang eine untergeordnete Rolle spielt, ist diese besonders betroffen. Für ihre Probleme müssen schnell nachhaltige Lösungen gefunden werden. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Fakultät für Holztechnik und Bau der Technische Hochschule Rosenheim derzeit mit sechs Möbellogistikunternehmen zusammen. Es wird ein vielversprechendes Konzept entwickelt, mit dem leere Kilometer erheblich reduziert und bisher nicht genutzter Laderaum bereitgestellt werden kann.

Umfrage verdeutlicht Optimierungspotenzial

Im Mai 2020 wurde im Rahmen eines Studentenprojekts eine Umfrage unter Möbelhersteller, -vertreiber und Spediteure durchgeführt. Aus den gesammelten Informationen wurde das Optimierungspotenzial identifiziert und aufgezeichnet. Die Bachelorarbeit von Christian Schaal, unter Anleitung der Professoren Holly Ott und Andreas Heinzmann durchgeführt, diskutiert die Ergebnisse und untersucht neue Konzepte. Auf dieser Basis wurden in den vergangenen sechs Monaten eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, um Leerkilometer einzusparen und die Anzahl der Direktlieferungen zu erhöhen. Neben der Kostensenkung ergaben sich auch Potenziale zur Reduktion von Reklamationen und Emissionen. Das entwickelte Konzept wird jetzt von Industriepartnern in einem Pilotprojekt in der Praxis getestet.

Durch die Zusammenarbeit zwischen Spediteuren und Herstellern können Frachten früher und gezielter eingesetzt werden. Im Lieferbereich kann ein Partner eine Rücksendung abholen, die für einen Kunden im Zielgebiet bestimmt ist. Gleichzeitig ist es durch die Integration mobiler Plattformen und Paketdienste möglich, besonders kleine Aufträge oder Bestellungen kostengünstiger zu versenden. Dies bedeutet, dass der Entladepunkt, die Dauer der Tour oder die Tourstrecke reduziert werden können.

Simulationsmodell zeigt mögliche Einsparungen

Zur Vorhersage des Einsparpotenzials wurden Simulationsmodelle zugrunde gelegt. Dafür wurden für die Betrachtung des Ist- und Soll-Zustands nur die Tourdaten des Vorjahres verwendet. Diese Daten enthalten Kunden, die in ganz Deutschland beliefert werden. Der aktuelle Status der Möbellieferung wird im Ist-Zustand angezeigt. Die Umsetzung dieses Konzepts wird im Zielmodell simuliert: Befindet sich das Partnerwerk im Liefergebiet, wird die Rückladung hier abgeholt und im lokalen Bereich des Herstellers angeliefert.

Die Simulation zeigt, dass der Anteil leerer Kilometer von 24 % auf 8 % reduziert werden kann. Mit zunehmender Lkw-Auslastung können im Simulationsbeispiel 24 % der Gesamtemissionen eingespart werden. Andere Problembereiche sind ebenfalls gelöst: Der dringend benötigte potenzielle Laderaum kann jetzt genutzt werden. Wenn die Fracht des Partners auf einem zuvor leeren Rückweg verladen wird, kann sein eigenes Fahrzeug für weitere Touren verwendet werden. Damit steigt auch die Wertschöpfungsaktivität der Fahrer. Die Simulation zeigt ferner, dass sich Touren sogar komplett einsparen lassen. Etwa bei der getrennten Abwicklung von Kleinserien: Anstelle eines 40-Tonnen-Lastwagens und einer 2-Personen-Besatzung werden diese über eine Umzugsfirma und einen Paketdienst als Rücksendung zurückgegeben.

Genau wie Hersteller können auch Umzugsunternehmen von dem Wegfall der bisherigen Leerfahrt profitieren, die Auslieferstellen ihrer Touren nehmen ab. Da die Waren direkt an den Einzelhändler geliefert werden, werden außerdem die Warenumschläge und die Lieferzeit reduziert. Das System reduziert Transportschäden und Reklamationen erheblich. Es vermeidet nicht nur die wiederholte Produktion und Lieferung von Einzelteilen, sondern sorgt auch für eine kundenfreundliche Auftragsabwicklung.

Moderne Informationstechnologie ist Teil des neuen Möbellogistikkonzepts

In Zukunft wird das Konzept durch den Einsatz moderner Informationstechnologie weiter optimiert. Dies soll sicherstellen, dass die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stehen. Dies umfasst die Steuerung und Benachrichtigung durch Echtzeit-Tracking sowie die Anleitung des Fahrers bei der Ausführung von Bestellungen. Mit Echtzeitdaten kann schnell auf ungeplante Ereignisse reagiert und spontane Änderungen am Plan vorgenommen werden. Schäden können direkt durch Fotos erfasst und verarbeitet werden. Eine entscheidende Innovation bringt Datenkonsistenz: Die Bereitstellung der richtigen und aktuellen Informationen zur richtigen Zeit. Somit ist es nicht mehr erforderlich, Waren zwischen mehreren Standorten zu verfolgen.

Die Umsetzung des Konzepts begann zunächst Mitte Februar 2021 mit zwei Partnern. Bis Mitte 2021 wird es auf alle Partnerunternehmen ausgeweitet. Bei der Umsetzung dieses Konzepts ist zu erwarten, dass Hersteller, Spediteure, Umzugsunternehmen, Paketdienste und nicht zuletzt die Umwelt erhebliche Vorteile haben werden. Das Pilotprojekt wird wichtige Änderungen für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen und für die Umwelt bringen.

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Von AB

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