ifo-BVL-Logistikindikator 13.12.2021, 17:07 Uhr

Logistikbranche rechnet mit deutlicher Abkühlung zum Jahresende

Der Logistik-Indikator, der vom ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) quartalsmäßig berechnet wird, ergibt ein zweigeteiltes Bild: Während sich insbesondere in den kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen die Geschäfte kräftig belebten, litt die Industrie unter Engpässen bei der Lieferung von Vorprodukten.

In der deutschen Logistikwirtschaft erhielt der Klimaindikator im vierten Quartal einen deutlichen Dämpfer und notierte bei einem noch zufriedenstellenden Stand von 99,4 Punkten, attestiert der ifo-BVL-Logistikindikator. Foto: panthermedia.net/khunaspix

In der deutschen Logistikwirtschaft erhielt der Klimaindikator im vierten Quartal einen deutlichen Dämpfer und notierte bei einem noch zufriedenstellenden Stand von 99,4 Punkten, attestiert der ifo-BVL-Logistikindikator.

Foto: panthermedia.net/khunaspix

In der deutschen Logistikwirtschaft erhielt der Klimaindikator im vierten Quartal einen deutlichen Dämpfer und notierte bei einem noch zufriedenstellenden Stand von 99,4 Punkten. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Die Geschäftslage wurde noch häufig günstig beurteilt, dies aber seltener als zuletzt. Die Geschäftsaussichten hingegen trübten sich weiter ein, kaum mehr Firmen blickten zuversichtlich auf das kommende halbe Jahr.

Geschäftsklima kühlte sich ab

Bei den Logistikdienstleistern nahm die Zufriedenheit mit der Geschäftslage merklich ab. Daraus ergab sich auch für das Geschäftsklima ein Rückgang im vierten Quartal.

Die Geschäftserwartungen waren nur noch mancherorts von Zuversicht geprägt. Die Personalpläne wurden hingegen etwas nach oben korrigiert. Zudem fasste eine deutliche Mehrheit der Unternehmen Preiserhöhungen ins Auge. In Handel und Industrie machte sich zunehmend Skepsis im Hinblick auf die Geschäftsperspektiven breit. Die Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen ließen die Industrie nicht los − auch der Handel klagte nun vermehrt über Lieferschwierigkeiten. Vor diesem Hintergrund nahmen die positiven Urteile zur Geschäftslage spürbar ab. Der Lagerbestand blieb auf branchenspezifisch zu niedrigem Niveau. Das Geschäftsklima kühlte sich weiter ab.

Erholung der Wirtschaft in den Sommermonaten

Insgesamt erholte sich die deutsche Wirtschaft im Sommerhalbjahr zunehmend von der Coronakrise. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal 2021 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 1,7% gegenüber dem zweiten Quartal, in dem der Anstieg mit 2,0% noch etwas kräftiger war. Damit lag die Wirtschaftsleistung im Herbst 2021 immer noch um 1,1% unter ihrem Vorkrisenniveau vom vierten Quartal 2019. Mit Blick auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche zeichnete sich ein zweigeteiltes Bild ab: Während sich insbesondere in den kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen die Geschäfte kräftig belebten, litt die Industrie unter Engpässen bei der Lieferung von Vorprodukten. Im November gaben 75% der vom ifo Institut befragten Industrieunternehmen an, dass deshalb ihre Produktion nicht im Einklang mit der kräftigen Nachfrage gesteigert werden konnte. In manchen Bereichen waren die Engpässe derart ausgeprägt, dass die Produktion sogar gedrosselt wurde. Schätzungen des ifo Instituts zufolge summieren sich seit Jahresbeginn die durch Lieferengpässe ausgelösten Wertschöpfungsverluste in der deutschen Industrie auf knapp 40 Milliarden Euro. Das entspricht gut einem Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands in einem Jahr. Mit zunehmenden Lieferproblemen hatte auch der Handel zu kämpfen. Zuletzt klagten knapp 80% der vom ifo Institut befragten Groß- und Einzelhändler über Schwierigkeiten. Mit einer Entspannung der Situation dürfte der Umfrage zufolge sowohl im Handel als auch in der Industrie nicht vor Sommer 2022 gerechnet werden.

Stark gestiegenen Preise belasten Unternehmen

Neben der eingeschränkten Verfügbarkeit von Vorprodukten belasteten die Unternehmen auch ihre stark gestiegenen Preise. Daten des Statistischen Bundesamts zufolge legten die Einfuhrpreise von Vorprodukten seit Jahresbeginn um knapp 20% zu, jene von Energieprodukten verdoppelten sich sogar im selben Zeitraum. Dieser Kostenanstieg schlug sich auch in den Preisplanungen der Logistikbranche nieder, wo deutlich häufiger als noch im Vorquartal Steigerungen angestrebt wurden.

Kurzarbeit nahm zu

Die Kurzarbeit nahm nach Schätzungen des ifo Instituts im November erstmals seit dem Frühjahr wieder zu, und zwar von 598.000 auf 608.000 Beschäftigte. Ausschlaggebend für diesen Anstieg war die Industrie, wo aufgrund der Lieferengpässe vermehrt Kurzarbeit angemeldet wurde. Aber auch im Gastgewerbe kam es zu einer erneuten Zunahme. Hier dürften sich bereits die ersten Folgen des sich im Herbst zuspitzenden Infektionsgeschehens bemerkbar gemacht haben. Mittlerweile befindet sich Deutschland inmitten der vierten Coronawelle, die ihre Spuren vor allem beim Einzelhandel, dem Gastgewerbe und anderen kontaktintensiven Dienstleistern hinterlassen dürfte. Im Winterhalbjahr 2021/2022 wird die deutsche Wirtschaft daher wohl kaum mehr wachsen. Die Industrie dürfte als Konjunkturmotor weiterhin ausfallen, da eine

Trendwende bei den Lieferengpässen kurzfristig noch nicht in Sicht ist. Insgesamt bleibt die konjunkturelle Situation damit nach wie vor stark von den Entwicklungen rund um die CoronaPandemie beeinflusst.

Gebremste Euphorie zum Jahresende

Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL), kommentiert die Ergebnisse des Logistik-Indikators wie folgt: „Nun rollt eine vierte Welle der Corona-Pandemie durch Wirtschaft und Gesellschaft – und Deutschland ist darauf angesichts der lange Zeit stagnierenden Impfkampagne nicht so richtig gut vorbereitet. Hinzu kommt, dass Lieferengpässe eskalieren und Produktionen immer wieder ins Stocken bringen. Das VW-Werk in Emden zum Beispiel ist seit dem Nikolaustag bis zum 10. Januar geschlossen. Insgesamt ist die Kurzarbeit wieder im Steigen begriffen. Das alles dämpft die Erwartungen und spiegelt sich zum Ende dieses zweiten Krisenjahres im Logistik-Indikator des 4. Quartals wider: Lagebeurteilung und Erwartungen des Gesamtindikators sind nach unten gerichtet, wobei die Verlader in Industrie und Handel die Situation positiver einschätzen als die Logistikdienstleister. Bei Letzteren darf vermutet werden, dass sich die Reeder in ihren Votings zurückgehalten haben. Denn die Linienreedereien verdienen zurzeit mehr Geld als in den letzten zehn Jahren zusammen. Das wird wohl auch im kommenden Jahr 2022 so bleiben. Wir die DVZ schreibt, heißt es für die Reedereien jetzt, Schulden zu reduzieren, den Umstieg auf emissionsärmere Technologien in Angriff zu nehmen und sich an strategisch wichtigen Terminals zu beteiligen, um maritime Lieferketten zu optimieren.

Dramatisch steigende Preise und abnehmende Lagerbestände

Immerhin: das Geschäftsklima der Logistik insgesamt erweist sich um einige Punkte besser als zum Jahreswechsel 2020 zu 2021. Aber vor zwölf Monaten hatten wir die Hoffnung, dass es nach schmerzhaften Lockdowns und dem Beginn der Impfungen kontinuierlich aufwärts gehen würde. Realität sind derzeit dramatisch steigende Preise, abnehmende Lagerbestände bei Industrie und Handel, schrumpfende Auftragsbestände bei den Logistikdienstleistern – bei immerhin noch stabiler Personalsituation. Die deutsche Wirtschaft erlebt reduzierte Wertschöpfung und ein eingeschränktes Weihnachtsgeschäft. Eine gut funktionierende Logistik hat ihren Beitrag dazu geleistet, diese Verluste so gering wie möglich zu halten. Trotzdem sind die Verwerfungen spürbar und begleiten uns nun ins neue Jahr. Die Fachleute für Logistik und Supply Chain Management sind gefordert, weiterhin unter Beweis zu stellen, dass Logistik in vielen Situationen den Unterschied machen kann zwischen „geht nicht“ und „passt“. Die Systemrelevanz unserer Arbeit ist der breiten Öffentlichkeit und hoffentlich auch den Entscheidern in Politik und Verwaltung ins Bewusstsein gedrungen. Für uns ergibt sich damit eine hohe Verantwortung, immer wieder neu zu liefern – neue Ideen und Lösungen und natürlich die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort.“

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