Corona-Restart 18.06.2020, 10:04 Uhr

Logistik erweist sich als stressresistent

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und die Beratungsgesellschaft agiplan GmbH haben 169 Entscheider aus der Industrie nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie und nach den anstehenden Herausforderungen für die Lieferketten, Logistik, Produktion und Digitalisierung befragt. Das wichtigste Ergebnis: Die hiesigen Industrieunternehmen haben sich als erstaunlich widerstandsfähig und flexibel erwiesen.

Die Logistik hat sich in der Coronakrise als sehr stabil gezeigt. Dies ergab eine Umfrage, zu der der VDI gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft agiplan eingeladen hatte. Foto: PantherMedia/CrailsheimStudio (YAYMicro)

Die Logistik hat sich in der Coronakrise als sehr stabil gezeigt. Dies ergab eine Umfrage, zu der der VDI gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft agiplan eingeladen hatte.

Foto: PantherMedia/CrailsheimStudio (YAYMicro)

Weltweit wurde die Wirtschaft von der Coronakrise völlig unerwartet getroffen. Mit schwerwiegenden Folgen. Inzwischen ist unter Experten sogar von einer globalen Rezession die Rede. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und die Unternehmensberatung agiplan wollten genau wissen wo der Schuh drückt und haben dazu 169 Entscheider aus der Industrie nach ihrer Meinung befragt. Einige der Umfrageergebnisse überraschen. Wurden beispielsweise Lieferengpässe durch die anfällig gewordenen Lieferketten medial stark thematisiert, ergaben die Umfrageergebnisse diesbezüglich jedoch einen deutlich geringeren Optimierungsbedarf als erwartet. Oder – anders formuliert – die Logistik hat ihre Stressresistenz bewiesen. Erstaunlich war auch, dass die meisten Unternehmen ihre logistischen Anforderungen mit den schon vorliegenden Strukturen meisterten. Drei von vier Unternehmen konnten den sich täglich wechselnden Anforderungen sehr gut standhalten. Lediglich drei von zehn Firmen gaben an, dass sie ihre Logistikprozesse umstrukturieren mussten. Dies zeigt nach Ansicht der Initiatoren, dass viele Umfrageteilnehmer ihre Logistik bereits im Vorfeld der Krise resilent aufgestellt hatten. Wer dennoch umstrukturieren musste, verzichtete auf Ad-hoc-Lösungen und führte stattdessen Prozessoptimierungen durch, die auch in Zukunft beibehalten werden sollen.

Finanzieller Schaden überwiegt

Deutlich schwerwiegender dagegen sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise. So wirkt sich die sinkende Nachfrage negativ auf Umsatz und Absatz aus, gaben drei von vier Befragten an. Und nur jedes zehnte Unternehmen hat seine eigenen Projekte – ungeachtet der Corona-Pandemie – ohne Einschränkungen fortgeführt. Dennoch war sich ein großer Teil der Experten sicher, dass der Wiederanlauf noch in diesem Jahr stattfinden wird. Besonders erfreulich: Mehr als drei Viertel der Firmen schätzt, dass sie spätestens in 2021 ihr altes Geschäftsniveau wieder erreichen werden. „Bei allen finanziellen Verlusten stimmt es uns positiv, dass rund drei Viertel der deutschen Industrieunternehmen aktuell damit rechnen, dass sie ihr vorheriges Geschäftsniveau 2021 wieder erreichen können“, bestätigt Jens Reichel, Vorsitzender der VDI-Fachgesellschaft Produktion und Logistik.

Dynamisch an die Krise angepasst

Auf die neuen Anforderungen fortwährend flexibel zu reagieren, dazu waren nach eigenen Angaben neun von zehn Unternehmen in der Lage. Durch dynamische Prozessveränderungen haben drei Viertel der Befragten die organisatorischen Hürden problemlos gemeistert. Ebenfalls konnten die IT-Systeme rasch an die geänderten Prozesse angepasst werden. Einen digitalen Fortschritt gibt es in der Kommunikation mit den Kunden zu verzeichnen. Nahezu 80 % der Unternehmen setzt während der Pandemie darauf, Kundentermine über Remote-Work abzuhalten. Vor der Coronakrise tat dies nur jeder Zweite.

Krisengewinner Digitalisierung

Wenn man angesichts der Krise überhaupt von Gewinnern reden sollte, dann trifft dies am ehesten auf die Digitalisierung zu. Dadurch, dass viele Organisationen während der Krise auf Remote-Work oder Homeoffice umstellen mussten, wollen sechs von 10 Unternehmen auch anschließend die Möglichkeiten von Remote-Work verstärkt nutzen. Dies bewirkt, dass mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer der Digitalisierung heute einen deutlich höheren Stellenwert einräumen als zuvor. In der Folge sollen jetzt die internen Prozesse ebenso wie die Interaktion mit Kunden und Lieferanten weiter digitalisiert werden. „Wir erwarten einen deutlichen Schub für die weitere Digitalisierung und Automatisierung in der deutschen Industrie“, bestätigt auch Christian Jacobi, Geschäftsführer von agiplan. Immerhin hätten 30 Unternehmensvertreter angegeben, dass sie ihre Durchlaufzeiten durch automatisierte Prozesse verkürzen und die Effizient in der Logistik steigern wollen. Jacobi: „Wenn die Unternehmen dann noch die Lieferketten resilienter gestalten, ist die deutsche Industrie hervorragend für die Zukunft aufgestellt und wird künftige Krisen noch effektiver meistern können.“

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