Mehr als 330 Teilnehmer diskutierten während des 28. Deutschen Materialfluss-Kongresses über Logistiktrends 01.04.2019, 00:00 Uhr

Digitalisierung öffnet der Intralogistik völlig neue Wege

Ständig steigende Variantenvielfalt, kundenindividuell gestaltete Produkte und immer komplexer werdende Supply Chains in Verbindung mit immer kürzer werdenden Lieferzeiten verlangen der Branche derzeit einiges ab. Darin waren sich die Experten Mitte März während des 28. Deutschen Materialfluss-Kongresses in Garching bei München einig.

Mehr als 330 Logistikexperten trafen sich Mitte März in Garching an der TU München zum 28. Deutschen Materialfluss-Kongress. Bild: Rolf Müller-Wondorf

Mehr als 330 Logistikexperten trafen sich Mitte März in Garching an der TU München zum 28. Deutschen Materialfluss-Kongress. Bild: Rolf Müller-Wondorf

Darin und auch in der Tatsache, dass der Vormarsch der Digitalisierung zu einem spürbaren Wandel in der Logistik führt. Ein Wandel, der nach Aussage des Kongressleiters Johannes Fottner nicht nur Technologien umfasst, sondern der auch Geschäftsmodelle und das ganz alltägliche Leben grundsätzlich verändert. „Der erste Hype um die künstliche Intelligenz war gerade relativ folgenlos verflogen, als der gerade aufkommende E-Commerce seinen Siegeszug angetreten hat. Wir erinnern uns noch, als Amazon begann Bücher im Online-Handel zu verkaufen. Das An- und Verkaufen von Artikeln, begonnen als Plattformidee im Business-to-Business-Bereich, ist damit auf den privaten Kunden übergeschwappt – mit ungeahnten Folgen, nicht nur für die Kunden, sondern für die gesamte Art und Weise, wie Handel funktioniert“, erinnerte sich der Leiter des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik an der TU München und Vorstandsmitglied der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (GPL) zum Kongressauftakt. Bis heute habe dies weitreichende Folgen: „Artikelvielfalt, wie vorher nicht vorstellbar, ein globaler Anbietermarkt für jeden, 24-h am Tag verfügbare Angebote und damit verbundene Individualisierungsmöglichkeiten.“

Vor diesem Hintergrund habe sich ein entscheidender neuer Wettbewerbsfaktor herauskristallisiert: die kurze Lieferzeit. Fottner: „Damit wurde die Logistik von der reinen Dienstleistung zur Produkteigenschaft, zum Wettbewerbsfaktor, zum Geschäftsmodell“. Die Umsetzung neuer Technologien habe sich dramatisch beschleunigt. „Hochdynamische Lagertechnik macht Artikel schnellstmöglich verfügbar, automatische Systeme kommissionieren rund um die Uhr, künstliche Intelligenz hilft bei Planung, Prognosen und Prozess­optimierung.“ Die Intralogistik sei zur Pilotanwendung neuer Technologien geworden. Dies wurde auch auf dem Deutschen Materialfluss-Kongress deutlich. Unternehmensvertreter schilderten, wie sie den Weg in das digitale Zeitalter gegangen sind, wie der Spagat aus Tradition und Zukunft zum Erfolgsmodell wird und wie Start-ups in diesem Umfeld das Laufen lernen.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Auch Christoph Beumer vertrat in Garching die Ansicht, dass die Logistik vom Transformationsprozess besonders stark beeinflusst wird. „Denn eine digitale Logistik bringt erhebliche Kosten-, Transparenz- und Geschwindigkeitsvorteile. Speziell die Intralogistik kann durch smarte Integration digitaler Technologien umweltschonender und effizienter gestaltet werden“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Beumer Group, Beckum. Ein Treiber sei der zunehmende Online-Handel. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Warenströme im Zuge des E-Commerce und der damit verbundenen Retouren-Thematik steige auch der Grad der Vernetzung, Automatisierung und Systemintegration.

Um auch in diesem sich wandelnden Umfeld die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, müssten Produkte permanent verbessert werden, damit Kunden ihre Kosten senken und Prozesse optimieren können. Doch im Zeitalter der digitalen Transformation sei es nicht nur wichtig, interne Prozesse zu verbessern, sondern auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Es gehe also nicht nur darum, Bestehendes zu optimieren, sondern Neues zu schaffen. Beumer: „Das Worst-Case-Szenario einer jeden Branche ist: Sie verschläft schlicht die Trends.“

Disruptive Angriffe selber initiiert

Sein Unternehmen reagiere auf diese massiven Veränderungsprozesse und schafft sich disruptive Angriffe von außen selbst – mit der Gründung eigener Start-ups. Dazu gehört die BG.evolution: Diese nimmt sich nach Aussage des Geschäftsführers eines Kundenproblems an und entwickelt sogenannte Minimum Viable Products, also minimal ausgestattete Prototypen, deren Marktpotenzial gegebenenfalls bis zur Marktreife geprüft wird. Die zweite Ausgründung ist die Beam GmbH in Berlin. Dabei handelt es sich um einen autark aufgestellten Company-Builder, mit dem einzigartige Probleme in der Logistik gemeinsam mit Gründerteams gelöst werden sollen.

VDI-Innovationspreis 2019

Traditionell wird auf dem Deutschen Materialfluss-Kongress auch der VDI-Innovationspreis Logistik verliehen. Der diesjährige Gewinner ist die Motion Miners GmbH aus Dortmund.

Der Jury-Vorsitzende Gregor Blauermel, Geschäftsführer der Unternehmensberatung B416, Sponsor des Preises und Vorsitzender des Fachbereichs „Technische Logistik“ der VDI-Gesellschaft für Produktion und Logistik (GPL) und Jean Haeffs, Geschäftsführer der VDI-GPL überreichten den Preis im Rahmen der Abendveranstaltung in der Flugwerft Schleißheim (Deutsches Museum). Der Preis besteht aus einer Urkunde und einer Skulptur des für seine Rollkörper bekannten Künstlers Maximilian Verhas aus Berlin.

Die Motion-Mining-Technologie bildet die Grundlage zum Aufbau eines umfassenden Planungswerkzeugs und eines Datenbestands für industrielle Arbeitsprozesse. Sie verwendet mobile Sensoren und Kleinstfunksender, um die Prozesse aufzunehmen während sie ablaufen. Aus den Rohdaten der Sensoren werden automatisch mithilfe einer selbstentwickelten Mustererkennungslösung die einzelnen Arbeitsschritte rekonstruiert, Bewegungen, Körperhaltungen und auch die Arbeitssituation detektiert und schlussendlich die daraus abgeleiteten Effizienz- und Ergonomiekennzahlen einer weiteren Analyse zugänglich gemacht.

Mithilfe der gewonnenen Daten wird neben der Ermittlung von Effizienzkennzahlen und Optimierungspotenziale im Bereich der Produktivität auch die Ergonomie betrachtet. Hierdurch entsteht gleichzeitig ein direkter Nutzen auf Seiten der Mitarbeiter. Im Zuge von Ergonomieanalysen werden Kennzahlen erfasst, die direkte Rückschlüsse auf die Beanspruchung der Mitarbeiter zulassen.

Blauermel: „Mit der Verleihung des Innovationspreises an die Motion-Miners hat die Jury nicht nur eine innovative Lösung ausgezeichnet, sondern auch den unternehmerischen Willen belohnt, der dahintersteckt. Das Produkt zunächst über Dienstleistungen zu vermarkten, um das notwendige Geld für die Weiterentwicklung zu beschaffen und so gleichzeitig ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse möglicher Kunden zu entwickeln zeigt den Willen zum Erfolg. Die Idee, Bewegungs- und Belastungsprofile mittels Sensoren zu erfassen und aus den Daten automatisiert Handlungsempfehlungen zu generieren ist rückwärts betrachtet völlig logisch – man muss aber erst mal darauf kommen und dann muss es auch noch funktionieren! Daher freut mich besonders, dass wir dieses Jahr wieder ein Start-up auszeichnen konnten – macht was draus!“

Rolf Müller-Wondorf

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