Diese Learnings sollten Logistik-Unternehmen beachten 09.02.2021, 11:37 Uhr

Die Krise als Chance

Die Corona-Krise beschäftigt nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die globale Wirtschaft. Dabei sind viele Branchen aus der Covid-19-Krise bislang mit einem blauen Auge davongekommen – darunter auch die Logistik. Dennoch sich die Frage, welche kurz- oder langfristigen Learnings sich für Unternehmen ergeben, um auch für die nahe Zukunft bestens gewappnet zu sein.

Die Corona-Krise beschäftigt die Wirtschaft seit Monaten. Welche Learnings müssen Unternehmen daraus mitnehmen, um auch für die nahe Zukunft gewappnet zu sein? Antworten gibt der Digitalberater Toni Stork. Foto: panthermedia.net/CrailsheimStudio

Die Corona-Krise beschäftigt die Wirtschaft seit Monaten. Welche Learnings müssen Unternehmen daraus mitnehmen, um auch für die nahe Zukunft gewappnet zu sein? Antworten gibt der Digitalberater Toni Stork.

Foto: panthermedia.net/CrailsheimStudio

Im Falle einer Krise wie der jetzigen fürchten viele Unternehmen um ihr Fortbestehen – so auch in der Logistikbranche. Diese Angst resultiert oftmals in unüberlegten und kurzfristig gedachten Aktionen wie beispielsweise in plötzlichen Budgetkürzungen. Derartige Maßnahmen erschweren es allerdings vielen Unternehmen, langfristigen Erfolg zu verbuchen. Warum? In diesem Zuge werden die Wettbewerbsvorteile oft entweder gänzlich aufgegeben oder nicht mutig genug weiter genutzt. Eines der wichtigsten Learnings aus der jetzigen Krise: Das Konsumverhalten verlagert sich massiv auf digitale Kanäle: Ganze 48 Prozent der Kunden haben vor, dieses neue digitale Kaufverhalten beizubehalten. Die Branchen müssen sich also entsprechend anpassen. Die Logistik ist derzeit zu einem Großteil noch massiv unterdigitalisiert. Das liegt zum einen daran, dass es wenig Digitalisierungsinitiativen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gibt – angefangen beim Kundenerlebnis über Tracking bis hin zu einer Automatisierung von Standardprozessen, wie zum Beispiel Rechnungsabwicklungen.

Diese Learnings lassen sich sofort in die Tat umsetzen

Unternehmen sollten im Falle einer sich verschärfenden Krise in der Lage sein, bestimmte Maßnahmen sofort umzusetzen, um die Voraussetzungen für eine stabile Marktpositionierung zu schaffen:

  • Datengetriebene Entscheidung über Zielmärkte treffen: Besonders wichtig ist es, potenzielle Zielmärkte unabhängig zu prüfen – das zeigt die jetzige Krise ganz deutlich. Denn jedes Land bewältigt die Pandemie auf seine eigene Weise. Sogar innerhalb Deutschlands gab es landesweite Unterschiede. Bei der Planung von Ausgaben, wie beispielsweise des Marketings, ist es deshalb essenziell, die Dynamik des Marktes zu verstehen, bevor Entscheidungen getroffen werden. In Krisenzeiten sollten Unternehmen einem individuellen, stark datengetriebenen Ansatz einer pauschalen Herangehensweise (à la: „So haben wir das auch in anderen Märkten schon immer gemacht“) deutlich den Vorzug geben. Hierbei kann beispielsweise die digitale Suchnachfrage in spezifischen Zielmärkten analysiert werden, um hieraus direkte Schlüsse hinsichtlich der zu erwartenden Marktentwicklung zu ziehen.
  • Kommunikation ist das A und O: Es klingt selbstverständlich, doch gerade in turbulenten Zeiten geht eine funktionierende Kommunikation oft im Krisen-Chaos unter. Das sich äußerst schnell verändernde Umfeld kann mitunter Verwirrung schaffen, sodass es wichtig ist, sich transparent mit Kunden auszutauschen, um deren Ängste abzubauen. Selbst die kleinsten Maßnahmen, wie beispielsweise die Senkung von Lieferkosten, können sich positiv auf die Geschäftszahlen auswirken und sollten nicht nur offline, sondern auch konsequent digital kommuniziert werden, da die Unmittelbarkeit, Skalierung und Reichweite hierbei gegeben ist.
  • Zeit spart Geld: Eines der Hauptprobleme für ein Unternehmen in der Krise ist die Unvorhersehbarkeit. Es ist daher wichtig darüber nachzudenken, wie nachhaltig das Geschäftsmodell tatsächlich ist. Lassen sich in bestimmten Segmenten eventuell Maßnahmen zur Kostensenkung ergreifen? Aber auch hier ist eine strategische Vorgehensweise zu empfehlen. Stellen Sie lieber sicher, dass Ihre Website frei von Fehlern ist und investieren Ressourcen in die Wartung anstatt an Stellschrauben zu drehen, die für diese Phase nicht relevant sind und nur unnötig Zeit und Geld verschlingen.

Langfristige Maßnahmen

Neben den kurzfristigen, sollten parallel die nachfolgenden Maßnahmen langfristig mitgedacht werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

  • Den Status quo analysieren: Wie ist der Status quo des Unternehmens, der Wettbewerber, der Kundenbindungsstrategie sowie der allgemeinen Markteinführungsstrategie? Die Bewertung dieser Fragen ist entscheidend für die langfristige Planung. Die aktuelle Krise hat gezeigt, wie agil Unternehmen auf das Kundenverhalten reagieren müssen. Da viele Kunden auf digitale Kanäle umgestiegen sind, wird zukünftig auch von Unternehmen verstärkt verlangt werden, ihre Marketingstrategien neu zu definieren – auch weil die regulären Kanäle unterbrochen wurden. Das zwingt mehr Unternehmen und Branchen dazu, sich neuer – digitaler – Kanäle, insbesondere im B2B-Bereich, anzunehmen. Es ist wichtig, die digitale Infrastruktur zu optimieren, um daraus datengetriebene Entscheidungen treffen zu können. Diese Evaluierungsphase ist erst dann abgeschlossen, wenn jeder einzelne Kanal in Frage gestellt wurde. Dabei kann die Überprüfung von SEO, SEA und Social Media etc. neue Ideen liefern. Darüber hinaus sollte der Wettbewerb analysiert werden, um herauszufinden, wo Potenziale liegen.
  • Interne Prozesse optimieren: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um interne Prozesse zu verbessern. Wo liegen verbesserungswürdige Bereiche? Und worin liegen die Lösungen für die Umsetzung? In gute Tools sowie Automatisierung zu investieren, kann mehr Kapazität für weitere Projekte schaffen. Eine Marketing-Automatisierung, Self-Service-Portale oder die Digitalisierung manuell ablaufender Prozesse, wie Zoll, Beauftragungen, Deadlines oder Buchhaltung, spielen hier mit ein. Das ist oft eine Herausforderung, aber auf lange Sicht höchst effektiv.
  • Die Zukunft planen: Die gegenwärtige Krise mag sich auf die Ziele für die Unternehmensziele des ersten Halbjahres ausgewirkt haben, dennoch lassen sich detaillierte Pläne für die Zukunft entwickeln. Doch wie? Eine ausgeklügelte digitale Roadmap in Form eines Mehrjahresplans hilft dabei, sich nachhaltig für die Zukunft zu rüsten. Ein Rückblick auf die vergangenen Jahre liefert Einzelheiten über potenzielle Trends und Erkenntnisse, die für die Planung hilfreich sind. Beispielsweise könnten Logistik-Unternehmen die Zeit nutzen, um klare Strategien für die Feiertagssaison wie beispielsweise Ostern zu entwickeln. Denn das sind die Zeiten, die wirklich herausfordernd sein können. So kann die langfristige Planung vor Last-Minute-Fehlern bewahren, die wiederum zu Einnahmeverlusten führen können.

Fazit

Dies ist eine schwierige Zeit für alle Unternehmen – auch für die Logistikbranche. Doch genau jetzt ist es an der Zeit, das Digitalisierungspotenzial sowie Budgets neu zu prüfen, um diese Herausforderung kurz- wie langfristig zu meistern. Unternehmen sollten sich die oft schlummernden Potenziale ihrer Kanäle unbedingt zu Nutze machen, um Krisen bereits in ihrer Entstehung abfangen zu können und diese damit erfolgreich und nachhaltig überwinden zu können.

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Von Toni Stork

Toni Stork ist Gründer und CEO der Digitalberatung Ommax, die unter anderem Amazon und Transporeon in ihrer Digitalstrategie berät.

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