29. Deutscher Materialfluss-Kongress 2021 29.01.2021, 13:29 Uhr

Die Automatisierung auf dem Vormarsch! Der Mensch auf dem Rückzug?

Die Corona-Krise hat erneut Auswirkungen auf den jährlich stattfindendenDeutschen Materialfluss-Kongress (MFK). Es soll aber nicht völlig auf eine Veranstaltung verzichtet werden. Deshalb wird der Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik (fml) an der TU München gemeinsam mit dem VDI Bezirksverein München, Ober- und Niederbayern am 18. März einen Online-Kongress unter dem Motto „Die Automatisierung auf dem Vormarsch! Der Mensch auf dem Rückzug?“ veranstalten. Im Vorfeld sprachen wir mit Prof. Johannes Fottner, Leiter des fml, über die Ausrichtung der Veranstaltung. Das Gespräch führte Rolf Müller-Wondorf.

In diesem Jahr wird der Materialfluss-Kongress nicht - wie hier zu sehen - als Präsenzveranstaltung stattfinden. Foto: Rolf Müller-Wondorf

In diesem Jahr wird der Materialfluss-Kongress nicht - wie hier zu sehen - als Präsenzveranstaltung stattfinden.

Foto: Rolf Müller-Wondorf

Herr Prof. Fottner – der diesjährige Materialfluss-Kongress wird, wie viele andere Veranstaltungen auch, digital stattfinden. Was genau ist denn geplant?

Fottner: Was den MFK eigentlich ausmacht, nämlich ein persönliches Branchentreffen zum Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen, wird in 2021 coronabedingt leider nicht möglich sein. Dessen sind wir uns sehr wohl bewusst. Also machen wir das, was möglich ist: Wir bieten das gewohnte Format der Plenarsitzung mit Christian Jacobi und drei Experten in der direkten Diskussion. Es folgen spannende Vorträge zu verschiedenen aktuellen logistischen Themen. Dies geschieht in diesem Jahr allerdings nur virtuell. Dennoch werden wichtige Themen wie „Logistik in der Krise“, „Digital und Logistik 4.0“ sowie „Neue Arbeitswelten“ im Vordergrund stehen und ausführlich erörtert. Darüber hinaus wir es einen weiteren wichtigen Unterschied zur „normalen“ Veranstaltung geben: Statt zweitägig mit drei unterschiedlichen thematischen Zügen wird es in diesem Jahr nur eine eintägige Veranstaltung mit nur einem Themenzug geben.

Warum ist es für Sie so wichtig, dass der Kongress – nachdem er im vergangenen Jahr komplett abgesagt wurde – überhaupt stattfindet?

Fottner: Wir wollen unserer Branche auch in dieser sehr speziellen Zeit wenigstens einen virtuellen Treffpunkt bieten und gleichzeitig zeigen: Wir sind noch da! Denn eines möchte ich mit Nachdruck betonen – auch die diesjährige virtuelle Kongressvariante wird professionell vorbereitet und wird dank hochklassiger Referenten durchaus beachtenswert sein. Situationsbedingt wird in diesem Jahr leider der persönliche Austausch fehlen. Aber – da bin ich mir ganz sicher – werden wir auch in 2022 einen MFK veranstalten, der dann hoffentlich wieder in „normalen Bahnen“ verlaufen und als physischer Kongress stattfinden wird. Gestatten Sie mir bitte, dass ich den Unterschied zwischen dem virtuellen MFK und dem physischen Kongress etwas flapsig formuliere: Beim MFK ist sowohl das Mittagessen als auch die Abendveranstaltung mit der Preisverleihung der von der Beratungsgesellschaft B416 gesponserten VDI-Innovationspreise ein sehr wichtiger Kernbestandteil – und nicht einfach nur eine Pause zur Nahrungsaufnahme. Wir können das aber heuer nicht realistisch, also mit gutem Gefühl, darstellen. Gleichzeitig war uns aber auch eine Pause von 2019 bis 2022 zu lang. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, dieses eine Mal den Kongress virtuell durchzuführen.

Also – wenn ich Sie richtig verstanden habe – wird es sich für unsere Leser auch in diesem Jahr lohnen, an dem Kongress teilzunehmen?

Fottner (lächelnd): Ganz sicher! Letztendlich bietet der Kongress ja auch in der digitalen Form genau das, was er immer bietet: Aktuelle Themen, umfangreiche Information, spannende Diskussionen und die Möglichkeit sich auszutauschen. Und das ganz ohne Infektionsrisiko. Aber im Ernst: Der direkte Austausch fehlt vielen Menschen in dieser speziellen Zeit, virtuelle Konzepte sind möglich, jedoch nicht optimal – leider aber das Beste, was im Augenblick durchführbar ist. Dennoch haben wir – wie immer – ein sehr hohes Qualitätsniveau bei den Vorträgen erreichen können und sind uns sehr sicher, auch mit den beschränkten Möglichkeiten Informationen über sehr wichtige und topaktuelle Themen zu liefern.

Welchen Schwerpunkt behandelt der Kongress in diesem Jahr und warum genau dieser?

Fottner: Wir sind absichtlich bei unserem Motto des leider abgesagten MFK 2020 geblieben: „Die Automatisierung auf dem Vormarsch! Der Mensch auf dem Rückzug?“ – aus heutiger Sicht aber sicherlich mit verändertem Sinn und Inhalt. Die Krise hat deutlich vor Augen geführt, wie wichtig eine effiziente Versorgung der Gesellschaft ist, die aber wiederum nur mit einer stabilen Produktion und Distribution funktionieren kann. Gleichzeitig haben viele Mitarbeiter erkannt, wie bedeutend eine durchdachte Arbeitsumgebung ist. Schließlich konnte der Betrieb in vielen Unternehmen nur auf Grund der eingesetzten Technik effizient weitergeführt werden. Wir haben den Mehrwert von technologischer Unterstützung der Mitarbeiter – oder auch vollautomatischer Lösungen – gerade auch vor dem Hintergrund sicherer Arbeitsumgebungen neu kennen und schätzen gelernt. Diese Entwicklungen werden nach meiner Ansicht weiterhin an Bedeutung gewinnen. Und – das ist ganz wichtig – es geht bei diesen Betrachtungen nicht nur um die Einsparung von Kosten, sondern um die Gewährleistung sicherer Arbeitsbedingungen und gleichzeitig um die robuste Aufrechterhaltung unserer Versorgung.

Johannes Fottner, Leiter des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik (fml) an der TU München.

Foto: Rolf Müller-Wondorf

Welche Themen werden im Kongress darüber hinausgehend behandelt? Welche weiteren Highlights erwarten Sie?

Fottner: Entsprechend unseres Mottos und meiner letzten Antwort geht es stark um veränderte Arbeitswelten und um die Rolle des Menschen im Umfeld der wachsenden Verbreitung autonomer Technik. Wir werden aber auch darüber reden, welche Veränderungen die Coronakrise in der Logistik bewirkt hat. Die vergangenen Monate brachten enorme Herausforderungen, denen sich Unternehmen in kürzester Zeit stellen mussten. Einige Unternehmen mussten mit niedrigeren Kapazitäten kämpfen, andere hatten enormes Wachstum zu stemmen. Wir konnten hier ein schönes Portfolio an Erfahrungsberichten und innovativen Ideen zusammenstellen.

Bekanntlich hat sich das VDI-Wissensforum als Ausrichter der Veranstaltung zurückgezogen. Wer veranstaltet und organisiert den MFK jetzt? Wird sich die Tagung dadurch verändern?

Fottner: Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass die Auswirkungen der Coronakrise für Unternehmen wie das Wissensforum, die hauptsächlich Kongresse organisieren und damit über Jahre sehr erfolgreich waren, unvorstellbar waren und sind. Ein Großteil der Mitarbeiter musste in Kurzarbeit gehen, so dass ungewiss war, wie man in 2021 den Betrieb wieder hochfahren kann. Deshalb hat die Wissensforum GmbH als 100 prozentige Tochter des VDI e.V. beschlossen, sich in dieser Zeit auf wenige Fokusthemen zu konzentrieren. Ich möchte aber klar festhalten, dass uns das Wissensforum und der VDI eng verbunden bleiben. Die VDI-Fachgesellschaft GPL, deren stellvertretender Vorsitzender ich neben dem neuen Vorsitzenden Peter Feuchter bin, sieht den MFK weiterhin als Flaggschiff und engagiert sich in Programmausschuss und Organisation. Zukünftig werden die Technische Universität München (TUM) und mein Lehrstuhl gemeinsam mit dem VDI Bezirksverein München, Ober- und Niederbayern e.V. als Veranstalter den MFK unter ihre Fittiche nehmen. Selbstverständlich muss ein solcher Kongress sich immer wieder verändern und der Zeit anpassen. Wir tun das als Organisatoren sehr gerne und werden dabei von der Branche, von Fachmedien wie Ihrem, lieber Herr Müller-Wondorf, und anderen intensiv unterstützt. Wir wollen weiterhin der beliebte Branchentreffpunkt sein – hoffentlich in 2022 auch wieder im physischen Sinne.

Abschließend noch eine Frage, für deren Beantwortung Sie gewisse „hellseherische Fähigkeiten“ benötigen: Gehen Sie momentan tatsächlich davon aus, dass die Veranstaltung im kommenden Jahr wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden kann?

Fottner: Auch wenn hier der Wunsch der Vater des Gedankens ist, aber meine Antwort ist: JA! Leider haben wir bitter lernen müssen, dass sich unvorhergesehen vollkommen neue Bedingungen einstellen können. Als Wissenschaftler kann ich gerne zugeben: Wir alle wussten nicht, was die richtigen Maßnahmen sind, was welchen Effekt in welcher Zeit haben wird. Wir haben täglich dazulernen müssen und ich kann ehrlich sagen: Viele unserer Politiker, unserer Wissenschaftler, unserer Unternehmer und unserer Mitarbeiter haben dabei großartiges geleistet. Wie Sie richtig sagen: Die gut funktionierende Kristallkugel gibt es leider immer noch nicht, aber ich habe großes Vertrauen, dass wir durch die in so kurzer Zeit verantwortungsbewusst entwickelten Impfstoffe – verbunden mit einer gut funktionierenden Logistik bei deren Verbreitung – mit dem ebenfalls verantwortungsbewussten Verhalten der Gesellschaft, lernen werden, mit dem Virus zu leben. Wir brauchen den persönlichen Austausch so dringend wie die Luft zum Atmen. Wir werden zur Normalität zurückkehren – und zwar bald -, aber zu einer neuen Art von Normalität.

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Von Rolf Müller-Wondorf

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