Im Tente-Campus sind Rollen und Räder „erfahrbar“ 01.07.2019, 00:00 Uhr

„Wir bauen das E-Bike der Intralogistik“

Welcher Entwicklungsaufwand heute betrieben wird, um Gegenstände komfortabel und sicher ins Rollen zu bringen, demonstriert die Tente-Rollen GmbH ihren Besuchern in ihrem neuen Campus in Wermelskirchen. Einige Fachjournalisten erhielten im Juni erstmals Gelegenheit, das Informations- und Schulungszentrum der Unternehmensgruppe ausführlich zu besichtigen.

Oliver Heyne stellte in Wermelskirchen den neuen E-Drive ultimate vor. Bild: Rolf Müller-Wondorf

Oliver Heyne stellte in Wermelskirchen den neuen E-Drive ultimate vor. Bild: Rolf Müller-Wondorf

Dort, im „Playground“, konnten sie zum Beispiel persönlich „erfahren“, welch unterschiedliche Laufeigenschaften Rollen haben – auch wenn sie optisch nahezu gleich aussehen. Oder wie Räder aus verschiedenen Materialien Bodenunebenheiten mehr oder weniger gut absorbieren. Oder wie spielend leicht sich selbst schwer beladene Krankenhausbetten mit der entsprechenden Technik in Bewegung setzen lassen. Kurz: Dem Besucher bietet sich dort eine hoch spannende Reise in die Welt der Mobilität.

Gleichzeitig wurde während der Besichtigung deutlich, was Tente-Geschäftsführer Roland Dörner damit meint, wenn er sagt: „Unser Unternehmen befindet sich im Wandel. Wir sind sehr zielgerichtet auf dem Weg vom klassischen Räder- und Rollenlieferant hin zum Lösungsanbieter.“

Tente-Geschäftsführer Roland Dörner (rechts) und Holger Strieder, Business Development Manager bei Tente, fachsimpelten im „Playroom“ über die neuen individualisierbaren Handbedieneinheiten.

Bild: Rolf Müller-Wondorf

Dieses Ziel untermauerte der Manager gleich mit aktuellen Zahlen. Demnach machte die Tente-Gruppe – als nach wie vor lupenreines Familienunternehmen – im vergangenen Jahr weltweit 225 Mio. € Umsatz und beschäftigte in 30 Tochtergesellschaften 1 500 Mitarbeiter. Zwischen 2016 und 2018 wurden 60 Mio. € in den Standortausbau und in neue Technologien investiert. In Deutschland erzielte das Wermelskirchener Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 125,6 Mio. €. Auf insgesamt 28 000 m² Produktionsfläche arbeiten 540 Mitarbeiter – darunter 32 Auszubildende.

Von der Anfahrhilfe E-Drive zum Baukasten E-Drive ultimate

Eine im Hause Tente entwickelte Innovation ist das E-Drive. Dabei handelt es sich um eine Anfahrhilfe für Handschiebewagen mit Lasten bis 500 kg, die 2016 in den Markt eingeführt wurde. Oder – wie Oliver Heyne es seinerzeit formulierte: „Das E-Bike der Intralogistik“. Während der Presseveranstaltung konnte der Director of Business Development bei Tente mit dem E-Drive ultimate jetzt eine vielversprechende Weiterentwicklung des Systems verkünden. Dabei handelt es sich um eine recht smarte Lösung in Form eines modularen Baukastens. „Wir haben unseren E-Drive auf eine andere Technologieebene gestellt, womit wir Systemintegration möglich machen“, erklärte der Experte. Werkstattwagen, Handschiebewagen, Trolleys und Sequenzwagen haben nach seiner Aussage im Hinblick auf Ergonomie und Effizienz nun so viele Erweiterungsmöglichkeiten und Nutzungsvorteile wie noch nie.

Bürstenloser Antrieb

Natürlich kam während des Ortstermins rasch die Frage auf, wie sich der neue E-Drive ultimate denn vom ursprünglichen E-Drive unterscheidet? Dazu erklärte der Diplom-Ingenieur: „Vor allem verbessert eine neue Antriebstechnologie die Einsatzvielfalt und den Komfort deutlich. Der bürstenlose Antrieb des E-Drive ultimate ist sanfter und komfortabler als sein Vorgänger. Schlupf und Anpresskraft lassen sich jetzt noch genauer kontrollieren. Über ein verbessertes Getriebe unterstützt der E-Drive ultimate die Verzögerung und ist für bestimmte Einsatzfälle mit einer aktiven Bremse erhältlich. Waren früher 1 000 kg nur mit einem doppelten E-Drive zu transportieren, gibt es nun einen leistungsstärkeren Einzelantrieb als E-Drive ultimate.“

Bewährte Steuerung

Bei der Steuerung, so war in Wermelskirchen zu erfahren, entschied sich Tente für eine kundennahe, in der Industrie weit verbreitete Steuerung, welche gängige Sensorik standardmäßig unterstützt. Damit können Anfahrverhalten, Geschwindigkeiten, Charakteristik der Raupensteuerung, Verzögerung oder Bremsverhalten, Laserscanner für Gefahrerkennung sowie Haltepunkte kundenbezogen integriert werden.

Die Handbedieneinheiten des E-Drive ultimate lassen sich gemäß Kundenanforderungen anpassen. Bei Bedarf kann sogar im laufenden Betrieb ein normaler Handschiebewagen in eine elektrifizierte Variante umgewandelt werden: Dazu wird einfach der Standard-Haltebügel um eine mechatronische Handbedieneinheit des E-Drive ultimate ergänzt und der Antrieb sowie die Batterie per Plug & Play angebracht. So kann eine bislang rein manuelle, größere Flotte von Handschiebewagen nach Bedarf elektrifiziert werden.

Für typische Kundeneinsätze hat Tente verschiedene Setups für den E-Drive ultimate entwickelt, die ab Herbst 2019 verfügbar sind: Zum Beispiel erfordern spezielle Anforderungen auf engem Raum in einer Produktions- oder Montagestätte, dass geschobene Transportgestelle von beiden Seiten bedient werden müssen. Dazu ergänzt Tente eine weitere Handbedienkomponente, sodass die Gestelle von vorn und von hinten ansteuerbar sind – eine weitere Funktion, die es bislang nicht gab.

Pragmatisches Konzept

Vor diesem Hintergrund ist für Oliver Heyne klar: „Mit dem E-Drive ultimate wollen wir keine erst in ferner Zukunft liegende Revolution erreichen, sondern aktuell bestehende Industrieprozesse pragmatisch verbessern helfen.“ Der Werker werde nicht ersetzt, sondern seine Produktivität gesteigert und ihm die Arbeit erleichtert. Durch Optionen, wie der Wireless-Steuerung oder mit dem E-Drive angetriebene Bockrollen für höhere Gewichte, erhalten die Anwender weitere Einsatzmöglichkeiten mit Mehrwert, so der Experte.

Studie erfasst Belastung

Dieser angesprochene Effekt der Arbeitserleichterung durch den Tente-Elektroantrieb soll künftig auch durch Zahlen untermauert werden. Dazu entwickeln das Institut für Gesundheit und Ergonomie e. V. (IGR) und Tente-Rollen derzeit einen gemeinsamen Ansatz für leistungsgewandelte Mitarbeiter, die aufgrund einer Vorerkrankung, eines Unfalls etc. bezüglich der „Arbeitsaufgabe Lastenhandhabung“ nur eingeschränkt belastbar, in der Produktion eines renommierten deutschen Automobilherstellers. Die Auswirkungen der elektromotorischen Unterstützung durch den Tente-E-Drive bei der Lastenhandhabung wird in einer Studie gemessen.

Christian Brunner, Vorsitzender des IGR, sagte dazu während der Presseveranstaltung: „Die Faustformel für den schädigungsfreien Umgang mit Lasten besagt generell, dass 15 % der Maximalkräfte bei länger andauernden Belastungen nicht überschritten werden dürfen, dies gilt auch beim Ziehen und Schieben.“ Im konkreten Fall der industriellen Serienproduktion mit regelmäßig wiederkehrenden Arbeitsabläufen entwickelten IGR und Tente einen kundenspezifischen Ansatz, durch den Fehlbelastungen des Muskel-Skelett-Systems reduziert oder sogar vermieden werden können.

Die Studie hat sich Antworten auf folgende Fragen zum Ziel gesetzt:

Wie kann das erleichterte Anfahren schwerer Lasten bei leistungsgewandelten Mitarbeitern zur körperlichen Entlastung führen?

Wie kann die elektromotorische Unterstützung durch den E-Drive zur Planungssicherheit bei der Schichteinteilung des Personals beitragen? Können Schichten einfacher geplant und mit weniger Planungsrisiken festgelegt werden, da auf Leistungseinschränkungen einzelner Mitarbeiter nicht bzw. wesentlich weniger eingegangen werden muss?

Ergeben sich Auswirkungen auf die Krankenstände, und ggf. welche?

Darüber hinaus untersucht die Studie, ob eine Inklusionsförderung feststellbar ist und ob die betroffenen Mitarbeiter mit den nicht leistungsgewandelten Kollegen intensiver zusammenarbeiten. „Zukünftige Ausbaustufen des E-Drive erlauben sogar einfaches Handling von Ladungsgewichten bis zu 1 000 kg und eine Auslegung für Anfahr- und Dauerbetrieb“, zeigt Oliver Heyne abschließend weitere Perspektiven für leistungsgewandelte Mitarbeiter – und nicht nur für diese – auf.

Rolf Müller-Wondorf

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