Planungs- und Steuerungsprozesse werden immer komplexer 01.03.2017, 16:00 Uhr

Die Zukunft der manuellen Kommissionierung

Die Anforderungen an die Logistik wachsen stetig, insbesondere Angebote wie Same Day Delivery erhöhen den ohnehin schon hohen Zeitdruck. Dadurch werden Planungs- und Steuerungsprozesse immer komplexer. Auf die gestiegene Komplexität mit Automatisierung zu antworten, rechnet sich oft nicht oder ist technisch nicht möglich.

In Zukunft herrschen weiterhin manuelle Kommissioniertechniken bei einem Großteil der Pickprozesse vor und der Mensch bleibt von großer Bedeutung in der Lagerlogistik. Nun gilt es, die Spannung zwischen der ansteigenden Komplexität und dem wachsenden Personalbedarf bei gleichzeitigem Fachkräftemangel zu lösen. Hierfür bedarf es einer Technologie, die im Hintergrund Planung und Steuerung übernimmt und sehr einfach zu nutzen ist. Gerade für diese Herausforderung eignen sich Datenbrillen: Die Lagerarbeiter haben die Hände frei und werden konsequent visuell durch den Prozess geführt.

Nach dem Hype der Anfangszeit und der Ernüchterung im Consumer-Sektor ist das große Potenzial von Datenbrillen für die Industrie entdeckt worden; im Lageralltag sind sie längst angekommen. Eine zunehmende Anzahl von Betrieben löst sich von altgedienten Kommissioniermethoden, legt Papierliste und Handheld beiseite und setzt auf die innovative Pick-by-Vision-Technik – im täglichen Echtbetrieb. Für viele ist es der erste Schritt in Richtung einer Logistik 4.0: Durch die einfache Anbindung an das vorhandene Warenwirtschafts­system wird die Prozessteuerung digitalisiert, alle Auftragsstände und Warenbewegungen werden in Echtzeit aktualisiert. Verglichen mit traditionellen Methoden kann mit Pick-by-Vision so eine acht bis zehn Prozent höhere Pickleistung und eine deutliche Reduktion der Fehler erreicht werden.

Wichtig für die Einführung neuer Technologien ist die Akzeptanz durch die Mitarbeiter; sie müssen den Nutzen für sich erkennen und neue Hilfsmittel in ihre Arbeitsabläufe integrieren können. Mittlerweile werden sehr gut tragbare, sicher sitzende Datenbrillen angeboten, die den Menschen durch Assisted Reality, die Anreicherung der Realität mit kontextbezogenen Informationen, unterstützen. Der Umgang mit den Wearables ist sehr leicht und schnell zu erlernen, auch ungelernte Kräfte können zügig voll eingesetzt werden. Mit Pick-by-Vision steigt zudem die Barrierefreiheit im Lager. So können zum Beispiel hörbehinderte Lagerarbeiter über die Datenbrillen instruiert werden, gleichzeitig dienen sie als Kommunikationsmittel. Die neugewonnene Bewegungsfreiheit ermöglicht darüber hinaus ergonomischeres beidhändiges Arbeiten.

Zusammengefasst ist zu sagen: Pick-by-Vision ist in der Praxis angekommen und wird sich bald schon zur führenden manuellen Kommissioniertechnik entwickeln. Die technischen Anforderungen, die der Einsatz von Datenbrillen im industriellen Umfeld mit sich bringt wie Akkulaufzeit und Bedienung, haben führende Anbieter bereits heute durch externe Akkus und intuitive Bedienkonzepte gelöst. Wie werden sich Datenbrillen also in Zukunft in der Lagerlogistik weiterentwickeln? Während momentan Assisted Reality Lagerarbeiter unterstützt, ist dank sich rasch entwickelnder Hardware bald auch „echte Augmented Reality“ möglich. Hier wird die Umgebung mit in die Darstellung einbezogen. Neben Kommissionierung, Inventur sowie Warenein und -ausgang können Datenbrillen mit Augmented Reality in weiteren Bereichen der Lagerlogistik eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür sind Retourenprozesse – fester Bestandteil des E-Commerce –, die für viele Betriebe eine immense Herausforderung darstellen. Im Gegensatz zur klassischen Kommissionierung können sie nicht standardisiert abgewickelt werden: Die Retoure kommt unsortiert an, teils originalverpackt, teils müssen Artikel neu präpariert werden. Augmented Reality kann hier eine große Hilfe sein, um Artikel einfacher zu kategorisieren und entsprechend einzusortieren. Aber damit nicht genug. Mit einer zusätzlich optimierten Sensorik der Datenbrillen wird der Mensch zu mehr als nur einer ausführenden Instanz, als Connected Worker wird er Teil des komplexen Zusammenschlusses verschiedener Systeme und trägt zu einer effizienten Logistik bei.

Von Dirk Franke

Dirk Franke, Geschäftsführer der Picavi GmbH in Herzogenrath
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