SAP S/4HANA : Weniger Schnittstellen für das Zusammenspiel von Lager- und Transportprozessen 01.11.2019, 00:00 Uhr

Zwei auf einen Streich

S/4HANA hat sich zur neuen Business Suite der SAP entwickelt und ist der legitime Nachfolger des SAP ERP. Zusätzlich sind mit Embedded Extended Warehouse Management (EWM) und Transportation Management (TM) zwei „Satellitensysteme“ optional in den Kern zurückgekehrt. SAP TM ist hierbei für die Steuerung, Kontrolle und Optimierung der Transportprozesse der Lieferkette zuständig, das EWM ist als Lagerverwaltungslösung der SAP für die Steuerung aller Lagerprozesse verantwortlich.

SAP S/4HANA vereint EMW und TM. Beide Systeme verfolgen das Ziel, globale oder regionale Warenflüsse schnell und reibungsarm verlaufen zu lassen. Bild: lassedesignen-Fotolia

SAP S/4HANA vereint EMW und TM. Beide Systeme verfolgen das Ziel, globale oder regionale Warenflüsse schnell und reibungsarm verlaufen zu lassen. Bild: lassedesignen-Fotolia

Beide Systeme haben das Ziel, weltweiten oder regionalen Warenfluss schnell und reibungslos verlaufen zu lassen. Das Zusammenspiel dieser modernen Systeme wird durch die SAP immer weiter vorangetrieben und die Prozesse aufeinander abgestimmt, damit geschäftliche Zielsetzungen schneller erreicht werden können. Der integrative Ansatz zwischen EWM und TM kann Unternehmen dabei helfen, operative Logistikprozesse zu optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken. Da eine ideale Auslastung der Lkw genauso relevant wie die Existenz schlanker Lagerprozesse ist, bietet eine gute Integration und Kommunikation über beide Systeme hinweg einen echten Mehrwert.

Verteilung der Transportbedarfe

In einem von der SAP definierten Standardszenario werden Transportbedarfe zur Bildung von transportfähigen Einheiten, im TM „Frachteinheiten“ genannt, an das TM übergeben. Die Transportplanung, bei der Frachteinheiten gemäß Konsolidierungsregeln zu Frachtaufträgen zusammengefasst werden, findet in der Regel hier statt. Bei zeitgleicher Verteilung der Transportbedarfe an das EWM wird die Anlage von Auslieferungsaufträgen angestoßen, um die Lagerprozesse abzuwickeln. Basierend auf den im SAP TM gebildeten Frachtaufträgen, wird im EWM die Transporteinheitenbildung angestoßen. Diese sorgt dafür, dass die Ware ausgelagert und für die Verladung bereitgestellt wird. Diese Verknüpfung beider Systeme stimmt die Transport- und Lagerprozesse aufeinander ab.

Worker in the motion on forklift in the large modern warehouse

Um die Vorkommissionierung systemseitig abzubilden, werden im TM „Frachtauftragshüllen“ mit bekanntem Ankunftsdatum und Ziellokation angelegt. Bild: maxoidos-Fotolia

Dispositionshoheit festlegen

Bei der Integrationsanalyse von Lager- und Transportprozessen ist es hilfreich, frühzeitig zu entscheiden, welches System über die Dispositionshoheit verfügen soll. Hierzu können die Versandarten herangezogen werden. Ist beispielsweise im Bereich Stückgut keine Vorlaufzeit für die Planung vorhanden, stehen Angaben zu Liefermengen erst taggleich zur Verfügung. Transportmittel (z. B. Wechselbrücken) werden täglich geordert und über das Scannen von Handling Units beladen. Hier liegt die Dispositionshoheit sinnvollerweise im Lager und somit im EWM. Um die Vorkommissionierung systemseitig abzubilden, werden im TM „Frachtauftragshüllen“ mit bekanntem Ankunftsdatum und Ziellokation angelegt. Das Setzen des Freigabe-Status übergibt den Frachtauftrag an das EWM. Nach Übergabe wird eine Transporteinheit angelegt, die durch Informationen und Status aus dem Lagerprozess ergänzt wird. Anschließend erfolgt ein Update an das TM.

Package Building Optimizer

Bei der Direktverladung oder dem Streckengeschäft steht die Transportplanung im Vordergrund. Hier werden Touren anhand der kostengünstigen Nutzung des Transportnetzes, der Bildung von Packstücken und der bestmöglichen Verwendung des Laderaums gebildet. Bei der Direktverladung erfolgt die Trans­port- beauftragung im Voraus, was eine Dispositionshoheit des TM ermöglicht. Hierfür werden Kundenaufträge oder Lieferungen ins SAP TM integriert und über Konstruktionsregeln Frachteinheiten angelegt. Mit dem S/4HANA Release 1909 können diese durch die Funktion „Package Building Optimizer“ nach vordefinierten  Kriterien verpackt werden. Die Lade- raumplanung visualisiert die Auslastung des Lkw und ermittelt die optimale Ladereihenfolge. Überschreitet die verpackte Menge die mögliche Verladungsmenge, wird sie systemseitig gesplittet und eine weitere Frachteinheit erstellt. Auch die Aktualisierung der im TM ermittelten Ausliefer- und Bereitstellungszeiten funktioniert ab dem S/4HANA Release 1909 durchgängig.

Die Planungsergebnisse werden an das EWM in einem Format übergeben, das einerseits die Kommissionierung in einem Automatiklager ermöglicht sowie weiterhin die manuelle Bearbeitung unterstützt. Sind im Rahmen der Auftragsbearbeitung Änderungen am ursprünglichen Auftrag notwendig, da angeforderte Mengen nicht bedient werden können, werden sie zurück an das TM übermittelt.

Futuristic user interface with business infographs and icons

Die Planungsergebnisse werden an das EWM in einem Format übergeben, das einerseits die Kommissionierung in einem Automatiklager ermöglicht sowie weiterhin die manuelle Bearbeitung unterstützt. Bild: ingimage-com

Pick, Pack and Pass

Eine ideale Transportplanung geht nicht zwangsläufig mit der besten Lagerstrategie einher. Daher ist zu beachten, dass eine gute Auslastung des Lkw nicht zu aufwendigen Lagerprozessen führt. Das EWM kann durch das „Pick, Pack and Pass“ Abhilfe beim Kommissionieren schaffen. Diese Funktion koordiniert das Kommissionieren, Verpacken und Transportieren von Ware in den nächsten Arbeitsbereich des Lagers. Mit anschließender Verladung, unter Berücksichtigung der optimalen Ladereihenfolge, kann der integrative Prozess abgeschlossen werden. Durch Warenausgangsbuchung im SAP EWM werden anschließend sowohl die Auslieferungen als auch die Frachteinheiten und Frachtaufträge hinsichtlich der korrekten Packstück- und Handling Unit-Informationen aktualisiert.

Belastbare Fracht- abrechnungen erstellen

Auch bei der Paketabwicklung kann das Zusammenspiel der Systeme genutzt werden. Trifft man die Annahme, dass die Pakete im EWM verpackt werden und alle verpackten Einheiten taggleich das Lager verlassen, werden die relevanten Informationen beim Erreichen eines Status an das TM übergeben. Hier wiederum erfolgt die automatische Verplanung der Transportbedarfe auf einen Frachtauftrag.

Für jede dieser Abwicklungsformen kann – dank des Kostenmanagements im TM – eine belastbare Frachtabrechnung erfolgen. Prozessseitig wird nach individuellen Kriterien ein Frachtabrechnungsbeleg erstellt, der im S/4HANA Core durch die FI/CO-Funktionalitäten weiterverarbeitet wird. Das ermöglicht eine transparente Darstellung, Abrechnung und Auswertung von Transportkosten.

Kosten-/Nutzenverhältnis bei Transportprozessen optimieren

Funktionierende Prozesse und Tourenplanungssysteme sind eine Möglichkeit, Transportkosten zu reduzieren. In den Jahren 2018 und 2019 haben viele Unternehmen eine Steigerung der Transportkosten deutlich wahrgenommen und erwarten dies auch in Zukunft. Deshalb sind sie im logistischen Prozess nicht mehr zu vernachlässigen – das ändert bei vielen Unternehmen die Perspektive. Nicht nur geringe Lagerbestände und damit geringe Kapitalbindungskosten stehen im Fokus, sondern auch, dass Transportprozesse auf ein gutes Kosten-/Nutzenverhältnis ausgerichtet sind. Eine intelligente Lager- und Transportverwaltung sowie Prozesssteuerung mit systemübergreifenden Funktionalitäten ermöglichen es, Prozesse zu verschlanken und flüssige Abläufe zu etablieren.

Globaler Datenaustausch: Funktionierende Prozesse und Tourenplanungssysteme sind eine Möglichkeit, Transportkosten zu reduzieren. Bild: ingimage-com

Integration von Transportbedarfen

Potenziale sind auch in der Beschaffungslogistik vorhanden. Die gebündelte Abholung bestellter Ware beim Lieferanten durch das eigene Unternehmen kann Kostenvorteile erzielen. Das Auftragsmanagement des SAP TM hilft frühzeitig bei der Integration von Transportbedarfen, beispielsweise aus Lieferabrufen. Die weitere Verplanung auf Frachtaufträgen kann anschließend nach Kriterien erfolgen, die für interne Effizienz sorgen oder die Produktivität erhöhen. Beispielsweise können Transportfrequenzen angepasst, die Auswahl der Fahrzeuge überdacht oder eine Kooperation mit anderen Unternehmen eingegangen werden, um die Auslastung der Fahrzeuge zu erhöhen. Im SAP EWM lassen sich zu den eingehenden Transporten im Dock Appointment Scheduling die Zeitfenster buchen, um eine Steuerung optimaler Yard- und Intrawerksprozesse zu ermöglichen. Im Lager kann die Produktivität durch das Arbeitsmanagement im Embedded EWM gesteigert werden. Diese Funktion ermöglicht das Messen, Planen und Simulieren der Aktivitäten des Lagers und unterstützt dabei, Arbeitszeiten sowie Ressourcen besser zu planen.

Fazit

Die Interaktion beider Systeme hilft also bereits heute, den End-to-End-Prozess in der logistischen Ausführung zu verbessern. SAP setzt strategisch auf TM sowie EWM und wird weiterhin daran arbeiten, die Prozesse noch besser zu verzahnen, damit Kunden auch künftig noch mehr von der Prozessintegration profitieren. 

Über abat

abat ist eine der führenden internationalen SAP-Beratungen für die Bereiche Automotive, Diskrete Fertigung und Logistik sowie ein Produkthaus für MES-Lösungen. Als Beratungshaus und Systemintegrator mit fundiertem Branchen-Know-how begleitet abat seit vielen Jahren erfolgreich Unternehmen bei der Umsetzung von Optimierungs- und Veränderungsprozessen. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet, ist Service- und Ramp-Up-Partner der SAP und verfügt über SAP Recognized Expertise für Automotive sowie Travel and Transportation. Durch die Tochtergesellschaften BELabat (Weißrussland) und MEXabat (Mexiko) unterstützen abat Unternehmen durch Nearshoring-Modelle und Application Management Services. Darüber hinaus realisieren deren Gesellschaften in den USA (abatUS) und Mexiko komplette SAP-Projekte für deutsche sowie einheimische OEMs und Zulieferer. Seit 2009 gehört das Produkthaus abat+ GmbH im saarländischen St. Ingbert zur abat Gruppe und bietet mit PLUS eine Hochverfügbarkeitslösung zur Produktionsplanung, Produktionssteuerung und für das Qualitätsmanagement zur Fertigungssteuerung in der diskreten Industrie. PLUS wird bis heute als weltweite Standardsoftwarelösung im gesamten Bereich der Mercedes-Benz-Personenwagen sowie bei Smart und Qoros zur Fertigungssteuerung der Montagewerke eingesetzt.

SAP S/4HANA Transportation Management

SAP S/4HANA bildet den digitalen Kern eines Geschäfts. Es verbindet alle Geschäftsprozesse und bietet Echtzeitinformationen über das Unternehmen. Eine nahtlose Verbindung zur digitalen Welt wird mit SAP S/4HANA gewährleistet.

Mit der S/4HANA-Version 1709 vom September 2017 wurden SAP TM Funktionalitäten, unter dem Begriff SAP S/4HANA Supply Chain for Transportation Management (kurz SAP S/4HANA TM), in die S/4HANA Gesamtlösung integriert. SAP S/4HANA TM ist somit Bestandteil der Lösung SAP S/4HANA Supply Chain.

Der Vorteil dieser Integration ist der Wegfall von Schnittstellenmonitoring, da S/4HANA und SAP TM nunmehr auf dieselben Stamm- und Bewegungsdaten zugreifen und deshalb eine Weitergabe sowie ein Abgleich nicht mehr erforderlich sind.

Darüber hinaus wurden die bewährten Funktionalitäten der SAP LE-TRA durch die entsprechenden Funktionen des SAP TM ersetzt. Das Ende der Nutzungsrechte für LE-TRA wurde von der SAP bereits angekündigt. Deshalb sollten sich Unternehmen, die dieses Modul immer noch nutzen, kurzfristig mit der Ablösung von LE-TRA durch TM beschäftigen.

Olga RenkSenior Consultant bei der abat AG Bild: abat

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