Die SAP integriert EWM in S/4HANA 01.09.2018, 00:00 Uhr

Embedded EWM – ab jetzt wieder eine zentrale Lösung

Das Embedded EWM ist der nächste Integrationsschritt der eigenen Lagerverwaltung in die S/4HANA Welt der SAP. Damit werden viele Teile von SAP EWM direkt in S/4HANA integriert. Durch die zentrale Lösung werden erweiterte Funktionalitäten, eine höhere Benutzerfreundlichkeit und auch eine vereinfachte Architektur bereitgestellt. Mit dem SAP S/4HANA Release 1610 wurde erstmals ein Embedded EWM ausgeliefert und im Release 1709 wurden dann weitere Funktionalitäten integriert.

Auflistung der Bestandteile von Basic und Advanced. Bild: abat

Auflistung der Bestandteile von Basic und Advanced. Bild: abat

Durch die Ankündigung der SAP, WM und ECC Ende 2025 auslaufen zu lassen, stehen viele Unternehmen vor der Entscheidung, worauf sie zukünftig setzen sollen. SAP S/4HANA basiert auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA. Und durch die optimierte Speicherung der Daten innerhalb der Datenbank fallen viele der bisher bekannten Tabellen weg. EWM und S/4HANA können wie gewohnt getrennt voneinander betrieben werden. S/4HANA ab Release 1610 bietet zusätzlich das Embedded EWM. Dadurch ergeben sich viele neue Anwendungsmöglichkeiten, z. B. der direkte Zugriff auf gemeinsame Stammdaten. Somit ist keine doppelte Pflege der Daten nötig.

Das Embedded EWM bietet zudem gegenüber dem WM ein Ressourcenmanagement und eine grafische Lagerplatzverwaltung. In der Organisationsebene wird beispielsweise die Lagernummer von drei auf vier Stellen und der Lagerplatz von zehn auf 18 Stellen erweitert. Dazu ermöglichen viele weitere Optimierungen eine genauere und eindeutigere Bestandsverwaltung. Die Druckersteuerung wird um Adobe Forms erweitert und bietet ebenfalls mehr Möglichkeiten. Zudem wird innerhalb der Lagertypsuchreihenfolge die Limitierung aufgehoben und um Optimierungsstrategien erweitert. Weiterhin kann ein Materialflusssystem (MFS) direkt integriert werden. Die Integration von EWM ermöglicht es also, nicht nur die internen Lagerbewegungen abzudecken, sondern die komplette Supply Chain. Für Unternehmen, die bisher WM eingesetzt haben und nicht den vollen Umfang eines EWM-Systems benötigen, ist ein S/4HANA mit Embedded EWM somit eine optimale Lösung.

Die Vor- und Nachteile eines Embedded EWM im Vergleich zur dezentralen Architektur

Ein großer Vorteil des Embedded EWM ist, dass bei der Basic-Variante keine zusätzlichen Lizenzkosten zum S/4HANA anfallen. Durch die Integration in S/4HANA kann direkt auf die ERP Daten, z. B. Materialstamm oder Artikelchargen zugegriffen werden. Somit wird kein CIF benötigt und es entstehen keine redundanten Daten in den unterschiedlichen Systemen. Außerdem werden keine Auslieferungsanforderungen, Anlieferungsbenachrichtigungen oder erwarteten Wareneingänge mehr benötigt, die Anlieferungen bzw. Auslieferungen werden direkt angelegt. Viele der redundanten Customizing-Einstellungen entfallen nun auch. Zusätzlich bietet S/4HANA mit der neuen Fiori-Oberfläche viele vereinfachte Bedienmöglichkeiten, die auf die individuellen Benutzerrollen zugeschnitten sind. Ein paar Nachteile gibt es allerdings. So können bisher keine weiteren ERP-Systeme angebunden werden. Zudem kann das Embedded EWM noch nicht unabhängig vom ERP-System aktualisiert und betrieben werden.

Unterschiede zwischen den Varianten Basic und Advanced

Grundsätzlich kann beim Embedded EWM zwischen einer Basic- und einer Advanced-Variante unterschieden werden. Die Basic-Variante bietet grundlegende Funktionalitäten, beispielsweise zum Erstellen der Lagerstrukturen, der Abwicklung von Warenein- und Warenausgängen, der Bewegungen von Materialien mit oder ohne Handling Units durchs Lager, der Verwaltung von Chargen oder auch der Durchführung von Inventuren. Zusätzlich können über den Lagerverwaltungsmonitor einfach und schnell Auswertungen zu Lagerplätzen, Lageraktivitäten, Ressourcen oder weiteren Daten ausgeführt werden. Auch die Produktions- oder Qualitätsmanagementintegration ist bereits vorhanden.

Durch das Upgrade auf die Advanced-Variante können zusätzliche Funktionalitäten freigeschaltet und genutzt werden. Diese helfen dabei, Warenbewegungen noch flexibler durchzuführen und komplexere Lagerprozesse in den Bereichen Wareneingang- bzw. -ausgang oder auch in den internen Warenbewegungen integrieren zu können. Hierzu zählen unter anderem die Bereiche Wellenmanagement, Transportmanagement, Yard-Management, Materialflusssystem (MFS) oder auch das Cross-Docking. Für weitere Prozessoptimierungen kann auf Funktionalitäten wie Value Added Services (VAS), Kitting oder auch Slotting zurückgegriffen werden.

Die Embedded EWM-Varianten Basic und Advanced sind standardmäßig in der S/4HANA-Suite vorhanden und seit der Version 1610 integriert. Für die Nutzung der Advanced-Funktionalitäten fallen jedoch zusätzliche Lizenzkosten an.

Wie können Unternehmen eine Umstellung auf SAP S/4HANA und Embedded EWM angehen ?

Der Weg zu einem S/4HANA-System kann über drei verschiedene Ansätze erfolgen.

Der Greenfield-Ansatz eignet sich immer dann, wenn eine komplette Neuinstallation gewünscht ist. Hier kann in kürzester Zeit entlang der Best Practices-Prozesse ein neues System wachsen, ohne Rücksicht auf bereits bestehende Strukturen oder organisatorische Bedingungen zu nehmen. Stamm- und Bewegungsdaten können dabei aus SAP- oder Nicht-SAP-Systemen migriert werden.

Der Brownfield-Ansatz beschreibt die Migration eines SAP ERP-System auf ein S/4HANA-System, ohne Durchführung einer Neuimplementierung. Voraussetzung für den Wechsel ist SAP ERP 6.0. Bei diesem Ansatz bleiben Konfigurationen, Daten und Erweiterungen bestehen. Existierende Geschäftsprozesse können weiterhin genutzt werden.

Bei der Landscape-Transformation werden mehrere ERP Systeme zu einem zentralen S/4HANA-System konsolidiert und somit die Systemlandschaft vereinfacht. Diese Variante eignet sich vor allem für Unternehmen mit einer bereits größer existierenden Infrastruktur, die umgestellt werden soll.

Steuerung der Lagerprozesse über Fiori-Apps

Mit SAP Fiori können Benutzereingaben in einem S/4HANA-System auf einem Desktop-PC, Tablet oder Smartphone durchgeführt werden. Dabei werden Eingaben nicht mehr über die bekannte SAP GUI, sondern über die UI5-Technik (JavaScript-Framework) ausgeführt. Sollte für ein Prozess keine eigene Fiori-App bestehen, kann hier auf eine transformierte Web GUI, mit den gleichen Funktionen der SAP GUI, im Browser zurückgegriffen werden. Fiori erleichtert es dem Anwender, seine täglichen Arbeiten effizienter auszuführen. Denn durch das Zusammenführen mehrerer Funktionalitäten in einer Fiori-App entfällt in vielen Teilen das Springen durch verschiedene Transaktionen.

Speziell für den Bereich EWM bedeutet dies, dass mit jedem Release weitere Prozesse „fiorisiert“ und somit immer mehr Apps hinzugefügt werden. So können Wareneingänge oder auch -ausgänge fast vollständig mit neuen Fiori-Apps gesteuert und abgearbeitet werden. Im Release 1709 wurde zusätzlich die App „Kommissionieren mit Rollwagen (Pick by Cart)“ eingeführt. Mit ihr lassen sich mehrere Aufträge, mit einem Rollwagen und in einem Durchgang kommissionieren. Darüber hinaus können seither Kundenretouren (E-Commerce-Retouren) effizient abgewickelt und Folgeprozesse angestoßen werden. Fiori-Apps sind ein probates Mittel, um Arbeiten im Lager noch effizienter zu gestalten und z. B. Schulungskosten und -aufwände zu minimieren.

Fazit

Das SAP EWM war vielen Unternehmen bisher zu umfangreich, deshalb blieb man gerne bei SAP WM. Dieses läuft allerdings in 2025 aus. In der Basic-Variante des Embedded EWM sind alle Standard WM-Funktionen erhalten geblieben. Und mit der Advanced-Variante besteht die Möglichkeit, einen erweiterten Funktionsumfang nach Bedarf zu lizensieren. Damit ist das SAP Embedded EWM nicht nur für Global Player, sondern auch für kleine und mittelständische Unternehmen äußerst attraktiv. Je eher sie umsteigen, desto besser.

Von Anika Madaus

Anika Madaus, Business Unit SAP EWM Lead, abat

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