19. VDI-Flurförderzeugtagung 2017 01.10.2017, 00:00 Uhr

Flurförderzeuge im digitalen Wandel

Am 19. und 20. September luden die VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (GPL) und das VDI Wissensforum erneut zur Flurförderzeugtagung nach Baden-Baden ein. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Themen wie die „Zukunft der Intralogistik“, „Assistenzsysteme“ oder „innovative Batterie- und Antriebstechnologien“.

Tagungsleiter Heiner Sternstein: „Nur gute Flurförderzeuge zu bauen, reicht heute nicht mehr aus. Die Kunden erwarten komplette Intralogistiksysteme, die möglichst effektiv und preiswert arbeiten.“ Bild: Rolf Müller-Wondorf

Tagungsleiter Heiner Sternstein: „Nur gute Flurförderzeuge zu bauen, reicht heute nicht mehr aus. Die Kunden erwarten komplette Intralogistiksysteme, die möglichst effektiv und preiswert arbeiten.“ Bild: Rolf Müller-Wondorf

Dabei brachten die beiden Tagungsleiter Heiner Sternstein, Entwicklung Flurförderzeuge – Technische Standards bei Linde MH, und Jürgen Kramer, Geschäftsführer der M3 Consulting & Engineering GmbH, einen wichtigen Branchentrend auf den Punkt: „Nur gute Flurförderzeuge zu bauen, reicht heute nicht mehr aus. Die Kunden erwarten komplette Intralogistiksysteme, die möglichst effektiv und preiswert arbeiten.“ Eingeläutet hat diesen Trend laut Sternstein die Jungheinrich AG (Bild). „Deren Staplergeschäft wurde ergänzt um Systemtechnik und Warehouse-Managementsysteme.“ Kion und Toyota hätte durch den Zukauf von Dematic und Vanderlande nachgezogen. Dennoch, da ist sich Jürgen Kramer sicher, wird es den reinen Staplereinsatz auch in Zukunft noch geben. „Dies gilt insbesondere für Kleinanwender, die eine Staplerflotte von ein bis zehn Fahrzeugen unterhalten“, sagte der Experte im Gespräch mit dieser Zeitschrift. Allerdings würden diese Stapler zunehmend automatisiert und vermehrt mit Assistenzsystemen ausgerüstet.

Branche wandelt sich

Urbanisierung, Digitalisierung, Globalisierung, Automatisierung, e-Commerce – dies sind nur einige Megatrends, die nach Ansicht von Prof. Eike Böhm in den nächsten Jahren die Flurförderzeugbranche einem massiven Wandel unterwerfen werden. „Dieser hat bereits begonnen, und der Erfolg der Unternehmen ist davon abhängig, wie schnell sie sich auf diese Veränderungen einstellen und den neuen Kundenanforderungen gerecht werden“, betonte der Chief Technology Officer der Kion Group. Die Integration mit den Prozessen der Kunden werde signifikant zunehmen. Vor diesem Hintergrund seien die Aussichten auf profitables Wachstum weiter sehr positiv, wachse doch die Nachfrage nach Flurförderzeugen etwa 2,5 mal so schnell wie das BIP in den Industrieländern.

In der Vergangenheit sei der reine Verkauf von Produkten ein auskömmliches Geschäft gewesen. „In der Zukunft wird nur der Produzent erfolgreich sein, der Lösungen anbietet, die auf unterschiedliche Kundenanforderungen schnell und flexibel angepasst werden können, die an Kundenprozesse andocken und zusätzlichen Mehrwert generieren“, betonte der Experte.

Der Schlüssel zum Erfolg für die Produzenten von Flurförderzeugen sei die Modularisierung in Richtung von Produktplattformen, Standardisierung von Prozessen und Lösungen. Darüber hinaus spiele die weiter zunehmende Ausrüstung von Fahrzeugen mit unterschiedlichster Sensorik sowie Konnektivität der Fahrzeuge eine entscheidende Rolle.

Die Elektrifizierung und die intelligente Nutzung der Daten von Flurförderzeugen sei darüber hinaus ein wesentlicher Treiber, um Flottenmanagementanforderungen der Kunden sowie eine hohe Verfügbarkeit der Fahrzeuge sicherzustellen. Dies habe zunehmend Einfluss auf die Struktur und Anforderungen an Mitarbeiter, aber ebenso an das Eco System und die zukünftige Zusammenarbeit mit Kunden. Leistungsfähige und zuverlässige Flurförderzeuge bildeten auch weiterhin die Basis für eine erfolgreiche Kunden-Lieferantenbeziehung. Die steigende Komplexität zukünftiger Geschäftsmodelle und Kundenanforderungen erfordere aber, dass sich die Firmen über die klassischen Produkte hinaus weiterentwickeln. Dabei spielten im Kundendienst moderne Servicetools wie Augmented Reality und Remote Dienstleistungen eine wichtige Rolle.

Fit für die Intralogistik der Zukunft

Verschiedene Bewegungen und Faktoren treiben Veränderungen in der Gesellschaft und damit auch im Konsumverhalten – allen voran die Digitalisierung und Globalisierung: Der vereinfachte Zugang zu Informationen erhöht deren Verfügbarkeit – Menschen haben heute leichter denn je Zugang zu Wissen. Der Kunde fordert Lösungen, die seinen Bedürfnissen entsprechen. Ein breiteres Angebot muss her.

Kai Heese warf in Baden-Baden die Frage auf, wie sich die lntralogistik auf diese Themen einstellt. „Es ist noch nicht lange her, da bestimmte die Massenproduktion, wie viel und was konsumiert werden konnte. Im Push-Prinzip haben Waren den Markt gedeckt. Heute hat sich das Blatt gewendet. Die Bedürfnisse der Endkunden stehen künftig noch stärker im Fokus und bestimmen die Prozesskette in der Logistik: Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, minimale Lieferzeiten und maximaler Service – das sind die neuen Herausforderungen der Intralogistik“, sagte der Leiter Produktmanagement bei Toyota MH.

Unternehmen müssten ihre Strukturen entsprechend ausrichten, um diesem Wandel begegnen zu können. Für die Wertschöpfungskette bedeute dies, die bestehenden Prozesse anzupassen, um den geänderten Kundenerwartungen gerecht zu werden. Umdenken sei gefragt z. B. bei der Versorgung der Produktionslinie mit den richtigen Teilen zum richtigen Zeitpunkt oder das Einstellen auf kurze Serien und kleine bis kleinste Losgrößen.

Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit sind laut Hesse auch in der Distribution zentrale Themen: „Kleinere Losgrößen, bei einem gleichzeitig größeren Empfängerkreis sollen kürzere Bearbeitungszeiten ermöglichen.“ Um Lagerkapazitäten zu reduzieren, würden Pakete direkt vom Hersteller zum Endkunden geliefert. Die Suche nach flexibleren Lagerlösungen dränge sich somit auf.

Dabei gelte es, die Balance zwischen Kostendruck, Ressourceneinsatz, Qualität und Sicherheit zu halten. „Für die klassische Intralogistik ergeben sich neue Anforderungen und Bedingungen, um ihre B2B-Kunden bei diesen Entwicklungen zielgerichtet zu unterstützen“, so der Toyota-Experte und ergänzt: „Wir stehen vor einer Epoche der vernetzten Lösungen zwischen Maschinen sowie zwischen Mensch und Maschine. Um die Warenflüsse zu optimieren, müssen dem Kunden Informationen über Waren, Bestände, Fahrzeuge und Fahrzeugbewegungen zur Verfügung gestellt werden. Die lntralogistik wird also noch stärker als bisher als Full-Service-Provider in die Supply Chains der Industrie eingebunden.“ Dafür sei die Synchronisation von Informationen und Daten sowohl zwischen den Unternehmenseinheiten als auch unter den kooperierenden Unternehmen unabdingbar. Somit werde die Entwicklung von Software zur verbesserten Transparenz auch in naher Zukunft im Fokus stehen, resp. sich darauf vorbereiten.

Um den Kunden und seine individuellen Anforderungen begleiten zu können, müsse ein Berater diesen Bedarf kennen. Zwar werde es noch einige Jahre dauern, bis sich die Masse des Marktes auf vernetzte Lösungen ausrichtet. Doch bereits heute müsse sich die Intralogistik als übergreifender Solution-Anbieter verstehen.

Zusätzlich drängen nach Aussage Hesses neue Marktteilnehmer auf den Markt und stellen bestehende Player auf den Prüfstand oder bewegen diese dazu, neue Kooperationsansätze zu wagen. Nicht zuletzt würden auch flexiblere Angebote, wie z. B. im Bereich der Kurzzeit-Mieten zunehmen, um Produktionsspitzen kostengerecht abzudecken.

Die Toyota Industries Corporation (TICO) stelle für die oben genannten Herausforderungen strategische Weichen: z. B. durch verstärkte Investitionen in den Bereich Logistics Solutions oder durch die strategischen Akquisen von Simai, Vanderlande (in Europa) oder Bastian in den USA.

Von Rolf Müller-Wondorf

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